Einziger landesweiter Privatsender in Russland
NTW-Journalisten nehmen Verhandlungen auf

Die Journalisten des regierungskritischen russischen Fernsehsenders NTW haben am Donnerstag erstmals mit dem umstrittenen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Alfred Koch gesprochen. Koch warf den Journalisten vor, die Übernahme durch den Staatskonzern Gasprom unfairerweise als Kampf um die Pressefreiheit zu bezeichnen.

ap MOSKAU. Der neue Generaldirektor Boris Jordan wies Forderungen nach einer dreimonatigen Auszeit in dem Konflikt zurück und forderte seinen Vorgänger auf, ihm die Kontrolle über das Unternehmen zu übergeben.

Koch traf sich in den Büros des Senders mit dem entlassenen NTW-Direktor Jewgeni Kisseljow. `Man kann einer Person nicht wegen eines Verbrechens anklagen, dass sie noch nicht begangen hat", sagte Koch vor dem Treffen. `Wir haben die Pressefreiheit nicht unterdrückt und wollen das auch nicht." Vertreter Jordans trafen am Morgen in den NTW-Büros ein, um mit Kisseljow zu sprechen. Nach einer langen Diskussion, die live übertragen wurde, wurden die Männer eingelassen.

Kisseljow sagte, er und die anderen Journalisten wollten sich dem Druck der Gasprom nicht beugen. Der Sender nahm jedoch am Donnerstag den normalen Betrieb wieder auf, nachdem in den vergangenen Tagen nur Nachrichten und Berichte über den Disput ausgestrahlt worden waren. Gasprom erklärte, Grund für die Übernahme vom Dienstag sei die finanzielle Lage von NTW. Der Sender habe Verluste in Höhe von umgerechnet rund 140 Mill. DM gemacht und rund 260 Mill. DM Schulden. Der US-Milliardär Ted Turner hatte am Mittwoch erklärt, er habe sich mit NTW-Gründer Wladimir Gussinski auf die Übernahme eines Firmenanteils in Höhe von 30 % geeinigt.

NTW ist der einzige landesweite Privatsender in Russland und hatte besonders kritisch über den Tschetschenienkrieg, aber auch die soziale Verelendung in Russland berichtet. Liberale Politiker und die NTW-Mitarbeiter sehen in der Übernahme durch den Staatskonzern einen Versuch des Kremls, ein unabhängiges Medium in den Griff zu bekommen. Gasprom ist Hauptgläubiger von Media-Most, dem Medienkonzern Gussinskis. Ihm werfen die russischen Behörden Unterschlagung von umgerechnet rund 500 000 DM (255 000 ?) vor.

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