Einziger unabhängiger Medienkonzern gerät in Staatsnähe
Media-Most und Gazprom unterzeichnen Schuldenabkommen

Russlands einziger unabhängiger Medienkonzern soll entschuldet werden und gerät dabei in Staatsnähe, denn der neue Mehrheitsaktionär Gazprom ist selbst mehrheitlich in Staatsbesitz. Ein Viertel der Media-Most-Aktien soll anschließend unter Vermittlung der Deutschen Bank an einen ausländischen Investor veräußert werden. Der bisherige Chef des Medienkonzerns, Wladimir Gussinski, blieb bei der Abmachung außen vor.

Reuters MOSKAU. Der russische Erdgaskonzern Gazprom hat am Freitag ein Schuldenabkommen mit Media-Most geschlossen, das der mehrheitlich staatlichen Gazprom offenbar zeitweilig die Kontrolle über den einzigen unabhängigen Medienkonzern in Russland beschert. Gazprom werde 50 % plus eine Aktie an allen Media-Most-Gesellschaften außer dem Fernsehsender NTW halten, teilte der Chef der Gazprom-Medien - Sparte, Alfred Koch, mit. An NTW werde Gazprom einen Anteil von 46 % halten. Als Sicherheit für Schulden, die im Juli 2001 fällig werden, erhalte Gazprom aber vorübergehend weitere 19 % der NTW-Aktien.

Koch teilte weiter mit, die beiden Unternehmen würden versuchen, ein Viertel der NTW-Aktien an einen international anerkannten Investor zu veräußern, den die Deutsche Bank vermittele. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. NTW ist der einzige unabhängige Sender Russlands, der landesweit sendet, und hat sich besonders durch regierungskritische Berichte einen Namen gemacht.

Media-Most und sein Gläubiger Gazprom verhandeln schon seit geraumer Zeit über die Tilgung von Schulden in Höhe von 211,6 Mill. $ (rund 480 Mill. DM). Ein vor wenigen Tagen getroffenes Abkommen war gescheitert, weil Koch in letzter Minute seine Unterschrift verweigerte. In der Begründung war von rechtlichen Problemen die Rede.



Sorge um die Pressefreiheit

Ein Gazprom-Sprecher sagte, der Chef von Media-Most, Wladimir Gussinski, sei nicht an der neuen Vereinbarung beteiligt. Gegen Gussinski, der sich derzeit im Ausland aufhält, war am Montag Haftbefehl wegen Unterschlagung erlassen worden. Gussinskis erste Festnahme vor einigen Monaten hatte international Zweifel an der Pressefreiheit in Russland laut werden lassen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich einerseits zur Medienfreiheit bekannt, andererseits jedoch Journalisten vorgeworfen, sie arbeiteten gegen den Staat.

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