Eishockey-Helden entzündeten Feuer
Bush eröffnet Winterspiele mit Eklat

Mit einer grandiosen Show im Stil von Hollywood on Ice sind am Freitag in Salt Lake City die XIX. Olympischen Winterspiele eröffnet worden.

dpa SALT LAKE CITY. Begleitet von den schärfsten Sicherheitsmaßnahmen in der 106-jährigen Geschichte Olympias gab US-Präsident George W. Bush vor 55 000 Zuschauern im Rice-Eccles-Stadion und einem Milliarden-Publikum vor den TV-Geräten um 21.08 Uhr Ortszeit (05.08 Uhr MEZ) den Startschuss für das 16- tägige Sportfest auf Eis und Schnee.

Dabei sorgte er für einen Eklat, indem er als erstes Staatsoberhaupt von der in der Olympischen Charta festgelegten traditionellen Formel abwich. Bush sagte: "Stellvertretend für eine stolze, entschlossene und dankbare Nation: Ich erkläre die Spiele von Salt Lake City zur Feier der Olympischen Winterspiele für eröffnet." IOC-Vizepräsident Thomas Bach reagierte kritisch auf den zusätzlichen ersten Halbsatz: "Man sollte es nicht überbewerten, denn es war eine grandiose Feier, die den Athleten in den Mittelpunkt gestellt hat." Die "Eigenmächtigkeit" sollte kein Beispiel für die Zukunft sein. Bach betonte, dass Bush das Internationale Olympische Komitee (IOC) "vorher nicht um Genehmigung gefragt hat".

Um 21.30 Uhr (Ortszeit) brannte zum vierten Mal nach Lake Placid 1932 und 1980 sowie Squaw Valley 1960 das Olympische Feuer bei Winterspielen in den USA. Entzündet wurde es von jenen amerikanischen Eishockey-Helden, die 1980 mit dem 4:3-Sieg gegen die UdSSR den Grundstein zum sensationellen Olympiasieg legten.

Von einem "warmen und spektakulären Empfang" für die olympische Welt sprach Bundesinnenminister Otto Schily: "Es war eine schöne Inszenierung und Show, aber ab morgen dreht sich alles nur noch um die Sportler." Rodel-Weltmeisterin Sylke Otto sagte: "Eine unerwartet fröhliche Eröffnung, die dennoch alles bot. Ich bin froh, dass alles so friedlich abgelaufen ist."

Ein besonders bewegender Moment der gut zweieinhalbstündigen Zeremonie war der Einzug der "Ground Zero"-Flagge, die von US- Sportlern sowie New Yorker Polizisten und Feuerwehrleuten zum Gedenken an die Terroranschläge vom 11. September ins Stadion gebracht wurde. Sportlern und Zuschauern standen die Tränen in den Augen, als der berühmte Mormon-Tabernacle-Chor die Nationalhymne intonierte. Die amerikanischen Gastgeber hatten in einem Kompromiss mit dem IOC die Präsentation der in den Trümmern des World Trade Centers gefundenen Fahne durchgesetzt.

IOC-Präsident Jacques Rogge wandte sich in seiner Ansprache mit einer Solidaritätsadresse an das amerikanische Volk: "Ihr Land hat eine furchtbare Tragödie überwunden. Eine Tragödie, die die ganze Welt betroffen hat. Wir stehen vereint an Ihrer Seite bei der Umsetzung unserer gemeinsamen Ideale und in der Hoffnung auf Frieden in der Welt. Allen, die diese Spiele möglich gemacht und den olympischen Geist lebendig gehalten haben, gilt unser Dank."

Bei Bilderbuch-Winterwetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt marschierte die von Hilde Gerg angeführte deutsche Mannschaft als 28. von 77 teilnehmenden Ländern in die Arena ein. Die 101 Sportler wurden vom Publikum mit freundlichem Beifall willkommen geheißen. Den Einzug der Nationen hatte traditionell Griechenland eröffnet, die Mannschaft der Gastgeber betrat von tosendem Applaus begrüßt als letzte das Stadion. Mit 2 531 Sportlern wird bei den ersten Winterspielen des neuen Jahrhunderts die bisherige Rekord- Teilnehmerzahl von Nagano 1998 um rund 200 übertroffen.

15 000 Kräfte waren für die Sicherheit bei der Eröffnungsshow aufgeboten worden, während der der zivile Flugverkehr über der Olympia-Stadt eingestellt wurde. In dem bis zum letzten Augenblick geheim gehaltenen Programm präsentierten die Olympia-Gastgeber eine Symphonie von Farben, Formen und Figuren. Dazu gehörten die Wagenzüge, mit denen die Mormonen 1847 aus dem Osten kommend am Großen Salzsee eintrafen, ebenso wie die indianischen Ureinwohner. Das Großaufgebot von Musik-Stars wurde angeführt von dem britischen Popsänger Sting.

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