Eisinsel von der Größe Mallorcas
Riesiger Eisberg von der Antarktis abgebrochen

Vom Antarktis-Eis ist ein weiteres riesiges Stück abgebrochen. Ein Großteil der schwimmenden Eiszunge des so genannten Thwaites-Gletschers in der West-Antarktis sei als ganzes Teil mit einer Ausdehnung von 3 400 Quadratkilometern abgerissen, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Mittwoch mit. "Damit entstand eine schwimmende Eisinsel von der Größe Mallorcas."

dpa KÖLN/HAMBURG. Der Thwaites-Gletscher liegt in der Amundsensee im Südpazifik. Die von ihm abgebrochene "Eisinsel" ist noch größer als die Eisfläche, die sich seit Ende Januar vom Larsen B-Schelfeis abgelöst hatte. Nach Angaben des US-Zentrums für Schnee und Eis (National Snow and Ice Data Center/NSIDC) vom Dienstag war dort eine Eisfläche von insgesamt 3 250 Quadratkilometern stückweise abgebrochen und bereits in mehrere Tausend Teile zerbrochen. Das Larsen Schelfeis liegt nahe der Südspitze Südamerikas.

Nach Angaben des DLR schiebt sich Gletschereis kontinuierlich ins Meer vor, so dass sich größere Eismassen in regelmäßigen Abständen abtrennen. Die Geschwindigkeit, in der nun diese Vorgänge auftreten, sei jedoch alarmierend, schrieb das DLR-Zentrum in Köln. Modellrechnungen hätten den nächsten Abriss erst in 10 bis 20 Jahren erwarten lassen. Eine mögliche Ursache dafür könnte sein, dass in diesem Jahr auf der antarktischen Halbinsel ungewöhnlich hohe Temperaturen herrschten, Niederschlag als Regen statt als Schnee fiel und das geringste Packeisaufkommen seit langer Zeit beobachtet wurde.

Der Abbruch der gigantischen Fläche vom Larsen Schelfeis kann nach Ansicht des Klimaforschers Mojib Latif nicht zwangsläufig auf die globale Erwärmung zurückgeführt werden. "Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang, aber die Klimadaten reichen einfach nicht weit genug zurück, um so etwas wissenschaftlich zu bestätigen", sagte der Experte vom Hamburger Max-Planck-Institut für Klimaforschung der dpa. "Erwiesen ist auf jeden Fall, dass es in diesem Gebiet eine besonders rapide Erwärmung gegeben hat. Die Temperaturaufzeichnungen der vergangenen 50 Jahre haben einen Anstieg um 2,5 Grad ergeben." In anderen Gebieten der Antarktis sei es hingegen kälter geworden.

Noch sei unklar, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf das Pol-Eis haben wird. "Die höheren Temperaturen können natürlich das Eis verstärkt schmelzen lassen", erläuterte der Wissenschaftler. Andererseits könne eine wärmere Atmosphäre auch mehr Wasserdampf aufnehmen und somit die Niederschlagsmenge erhöhen. "Und Niederschläge in diesen Bereichen fallen auch dann immer noch als Schnee." So könne das Eis sogar zunehmen.

DLR-Wissenschaftler beobachten seit längerer Zeit den Thwaites- Gletscher, der den Angaben zufolge die höchste Eisflussgeschwindigkeit in der Antarktis hat. Sein Verhalten sei für die Änderung des globalen Klimas besonders wichtig. Die Aufnahmen des Thwaites-Gletscher stammten vom europäischen Erdbeobachtungssatelliten ERS-2 und seien von der DLR-Empfangsstation in O'Higgins auf der Antarktischen Halbinsel aufgezeichnet worden.

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