Eisklettern und Unterwasser-Rugby: Der Neue Markt wird sportlich
Sport.de geht vor der Euro 2000 an die Börse

Fußball, Formel 1 und mehr: Sport ist im Internet längst zum Quotenknüller geworden. Der Online-Dienst Sport.de AG steht vor dem Sprung an den Neuen Markt.

ebe DÜSSELDORF. Die Sport.de AG, München, sitzt seit langem schon in den Startlöchern für einen Börsengang. Jetzt geht's bald los: "Wenn die Fußball-Europameisterschaft im Juni beginnt, werden wir am Neuen Markt vertreten sein", sagt der neue Vorstandsvorsitzende Klaus Hommer im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Über den exakten Termin werde in diesen Tagen mit der konsortialführenden Bank ABN Amro beraten. Er liege aber sicher im laufenden Quartal, betonte Hommer, der zuvor einige Jahre das PC-Geschäft bei Siemens Nixdorf leitete. Seit dem 1. März verstärkt der 39-Jährige die Firmengründer Jürgen Ritter und Koen Bruggeman im Bemühen, das Internet-Unternehmen an den Neuen Markt zu bringen. Das Going Public war ursprünglich schon für das erste Quartal 2000 vorgesehen. Die Umwandlung der 1996 in San Francisco gegründeten Sport.de Internet Services Inc. in eine deutsche AG bereitete allerdings mehr Schwierigkeiten als erwartet.

Eine Anzeigenkampagne mit deutschen Superstars wie Lothar Matthäus und Boris Becker soll nun auf den bevorstehenden Börsengang aufmerksam machen. Aktionäre einer Voremission waren wegen der Verzögerung bereits unruhig geworden. "Mit der Pre-IPO-Kampagne wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir es ernst meinen", kündigt Hommer erste Blicke auf die Startampel an. "Hey Loddar, häf a lugg du se webseid of dschörmänie", heißt es in einer der Werbeanzeigen. Mit fränkisch-englischem Gruß in die neue Matthäus-Heimat New York will Sport.de nun in der Szene besser auffallen.

Mangelnder Bekanntheitsgrad der Website

Der mangelnde Bekanntheitsgrad der Website ist das bislang größte Problem der Münchener. Während die gemeinsame Internet-Plattform von Sat.1, DSF und Springer-Verlag mit mehr als 17 Millionen Aufrufen ihrer Website www.sport1.de einen neuen Rekord für März 2000 vermeldete, kommt www.sport.de aktuell nur auf knapp 1,7 Millionen Klicks pro Monat. "Dennoch eine erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, dass wir das mit nahezu null Marketing-Mitteln geschafft haben", ist Vorstandschef Hommer mit der Entwicklung zufrieden. Die fehlende Unterstützung eines bekannten TV-Senders markiert derzeit den großen Unterschied: "Wenn ein Jörg Wontorra am Ende der ran-Sendung auf das Internet verweist, dann ist das schon ein entscheidender Vorteil", weiß Hommer um die Stärke der Konkurrenz.

Deshalb laufen auch bei Sport.de seit geraumer Zeit Kooperationsgespräche mit Sendern. In der Branche werden Eurosport und RTL als mögliche Partner gehandelt. "Eine Kooperation ist okay, doch wir wollen keinesfalls von einem Fernsehsender gesteuert werden", betont Hommer. Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit bestehen bereits mit anderen Firmen der New-Economy wie Yahoo, Lycos, Tomorrow Internet oder Endemann.

Sport gilt nicht nur im Fernsehen, sondern längst auch im Internet als Quotenknüller. Webseiten mit sportlichen Inhalten gehören weltweit zu den am häufigsten frequentierten Angeboten im World Wide Web. "Das Internet ist ein Wachstumsmarkt und bietet genügend Spielraum für mehrere konkurrierende Anbieter", davon ist Sport.de-Vorstandmitglied Jürgen Ritter fest überzeugt." Die Konkurrenz allerdings ist groß - und sie formiert sich.

Expansive Pläne hat vor allem die Londoner Sportal Network Ltd.: 80 Mill. $ hat das weltweit agierende Unternehmen in der letzten Finanzierungsrunde eingesammelt, um eine leistungsstarke technische Plattform aufzubauen und exklusive Sportrechte fürs Internet einzukaufen. Auch Sportal will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. In Deutschland erstellt die Internet-Firma offizielle Webseiten für die Fußballklubs FC Bayern München, 1. FC Kaiserslautern und VfB Stuttgart. Die Fußball-Europameisterschaft, bei der Sportal einziger Internet-Sponsor und Web-Partner sein wird, soll dem Unternehmen zum großen Durchbruch verhelfen. Nach eigenen Angaben erreichte das Sportal-Netzwerk im vergangenenen Monat bereits annähernd 30 Millionen Klicks auf ihrem Internet-Portal www.sportal.com.

"Das ist derzeit eine andere Liga", muss der Vorstandschef von Sport.de eingestehen. Klaus Hommer sagt aber auch: "Die spielen ein anderes Spiel". Er sieht sein Unternehmen anders positioniert als die Konkurrenz: "Wir haben eine Breite und Tiefe, die etwa Sport1 nicht bieten kann." Auch Nischen-Sportarten sieht der 39-Jährige als kostbares Cyber-Gut: Fußball und Formel 1 gehören bei Sport.de zwar ebenfalls zu den Highlights, darüber hinaus werden aber selbst für Eiskletterer, Geröllsnowboarder oder Unterwasser-Rugbyspieler Infos geliefert. Mehr als 20  000 Seiten versorgen den Surfer mit News aus 135 verschiedenen Sportarten. Auch der Einkaufs-Shop ist auf nahezu jeden ausgefallenen Wunsch vorbereitet: Vom Absprungbalken für Weitspringer bis hin zu Zugmaschinen für ein zünftiges Fitness-Training - alles kann per Mausklick eingekauft werden und liegt ein Paar Tage später vor der eigenen Haustür.

Die Verknüpfung von Sport und Internet als sprudelnde Geldquelle der Zukunft? Der deutsche Börsenaspirant verkündet zwar, sein Umsatzziel für 1999 um 40 % übertroffen zu haben. Die knapp 6 Mill. DM, die man im vergangenen Jahr verdient hat, stammen allerdings zum Großteil aus Umsätzen der Werbeagentur Adnet, die Sport.de übernommen hat. "Es ist klar, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren den Break-Even noch nicht erreichen", weiß Hommer um das Risiko, das er mit nahezu allen Internet-Start-ups teilt.

Hauptumsatzträger soll in den nächsten Jahren der Bereich e-commerce sein: "Von Sport- und Event-Reisen versprechen wir uns einiges, da haben wir seit Februar sehr gute Umsätze erzielt", sagt Hommer. Zunächst aber gelte es, die hinterherhinkende Marke Sport.de bekannter und damit konkurrenzfähiger zu machen. Frisches Kapital aus dem Börsengang soll helfen, die "webseid of dschörmänie" künftig besser zu vermarkten.

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