Eissparte soll an Nestle gehen
Südzucker stößt Schöller ab und kauft französische Saint Louis Sucre

Mit dem Kauf des französischen Zuckerunternehmens Saint Louis Sucre und dem Verzicht auf die Eissparte will sich der Südzucker-Konzern neu positionieren.

dpa MANNHEIM. In einer radikalen Strategiewende will der Mannheimer Nahrungsmittelkonzern Südzucker seine Eiskrem-Gruppe Schöller verkaufen und dafür den französischen Zuckerproduzenten Saint Louis Sucre übernehmen. Wegen schwacher Renditen bei Speiseeis/Tiefkühlkost sei eine Konzentration auf das Kerngeschäft der richtige Weg, teilte die Südzucker AG (Mannheim/Ochsenfurt) am Freitag mit. Der größte europäische Zuckerhersteller bestätigte damit einen Bericht der «Financial Times Deutschland». Mit einem Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro (3,1 Mrd DM) für Saint Louis Sucre (SLS) handele es sich um die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte. Kaufinteressent für Schöller ist der Schweizer Branchenriese Nestlé.

Mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro und 1700 Beschäftigten sei die «äußerst ertragreiche» Saint Louis Sucre die «ideale Ergänzung» für Südzucker, sagte Vorstandschef Theo Spettmann bei der Bilanzvorlage in Mannheim. Der Anteil Südzuckers am Zuckermarkt in der Europäischen Union und Osteuropa steige auf 22 Prozent. Über SLS-Beteiligungen baut Südzucker auch seine Marktposition in Spanien, Ungarn, der Tschechischen Republik, Ungarn und Chile aus.

Der im vergangenen Geschäftsjahr 2000/01 (28. Februar) um 3 Prozent auf 4,66 Milliarden Euro gestiegene Konzernumsatz soll in diesem Jahr auf über 5 Milliarden Euro klettern. Im ersten Quartal legten die Erlöse um 5,1 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn, der 2000/01 bereits um 21 Prozent auf 209 Millionen Euro gestiegen war, soll erneut deutlich wachsen. Der Kauf der französischen Gruppe werde zu knapp 60 Prozent aus Eigenmitteln finanziert, sagte Spettmann.

Geplant ist auch der Sprung nach Übersee: In Australien will Südzucker für 115 Millionen Euro sein erstes Werk außerhalb Europas bauen. Dort sollen Zuckeraustauschstoffe auf Chicoree-Basis hergestellt werden.

In Sachen Schöller-Verkauf räumte Spettmann ein: «Wir sind keine Eisleute.» Vergangenes Jahr hatte Spettmann noch als Ziel ausgegeben, den Anteil von Eis und Tiefkühlkost am Konzernumsatz von etwas mehr als einem Drittel auf 50 Prozent zu steigern. Im europäischen Markt liege Schöller mit einem Marktanteil von acht Prozent hinter den Branchenführern Unilever und Nestlé nur auf Platz drei, sagte Spettmann. «Wir wollen aber nicht ewig die Nummer drei bleiben.» Weiteres Wachstum wäre nur unter Einsatz von sehr viel Geld und mit entsprechend geringen Renditen zu erzielen. «Wir haben einen Strategiewechsel vollzogen», sagte Spettmann. Wann die 14 500 Schöller-Mitarbeiter Näheres über ihr Schicksal erfahren, steht noch nicht fest. Ein Vertrag mit Nestlé sei noch nicht unterschrieben, sagte Spettmann.

> Im abgelaufenen Geschäftsjahr schwächelte die Eis- und Tiefkühlsparte wie schon in den Jahren zuvor. Die Zuwächse bei Umsatz und Gewinn seien ausschließlich auf das Zuckergeschäft zurückzuführen, sagte Spettmann. Ein vergleichsweise kleiner Restbestand von Tiefkühlkost verbleibt in Form der Berliner Freiberger-Gruppe bei Südzucker: Der Hersteller von Tiefkühlpizza erzielt einen Umsatz von etwa 250 Millionen Euro. Die Zahl der Südzucker-Mitarbeiter - einschließlich Schöller - ging 2000/01 um knapp 1200 auf 28 415 zurück.

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