Eiszeit der Kältetechnik
Linde zieht die Notbremse

Wegen der anhaltend schlechten Ertragslage zieht der Wiesbadener Gase- und Anlagenspezialist die Notbremse: Das Unternehmen will in den nächsten beiden Jahren allein in Deutschland 1000 Stellen abbauen. Konzernweit werden 1550 der 46 500 Arbeitsplätze gestrichen.

HB/dpa WIESBADEN. "Dabei können wir betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen", betonte der Vorstandsvorsitzende Gerhard Full am Donnerstag in Wiesbaden. Die Linde-Aktie war am Nachmittag mit einem Minus von 5 Prozent auf 34,70 Euro das Schlusslicht im Deutschen Aktienindex.

Allein am Kältetechnik-Standort Mainz-Kostheim fallen 500 Stellen weg. Ein Teil der Produktion soll in ein neues Werk in Tschechien verlagert werden. In diesem Geschäftsbereich herrscht Eiszeit wegen der Probleme des Lebensmittelhandels.

Durch den Stellenabbau verspricht sich Linde Einsparungen in Höhe von 275 Millionen Euro bis Ende 2004. Allerdings werde der Jobabbau den Gewinn 2002 zunächst belasten. Die Kosten hierfür würden mit dem Gewinn aus dem Verkauf der Dresdner-Bank-Beteiligung verrechnet. Dies hatte Linde 165 Millionen Euro eingebracht. Ob von dieser Summe etwas übrig bleibe, sei nicht absehbar, sagte Full. Er überlässt den unangenehmen Personalabbau seinem Nachfolger und Ex-BMW-Manager Wolfgang Reitzle, der 2003 das Linde-Steuer übernimmt.

Einzig der Anlagenbau bleibt von den Maßnahmen verschont. Dies ist der einzige Bereich, mit dem Linde derzeit glänzt. Dennoch vermag auch er nicht, den trüben Ausblick für das Gesamtjahr zu verbessern: Der Umsatz soll leicht über dem Niveau von 2001 mit 9,1 Milliarden Euro liegen. Alle Geschäftsbereiche werden schlechtere Ergebnisse schreiben. Der Jahresüberschuss erreicht wohl die Vorjahreshöhe von 288,8 Millionen Euro. Auch 2003 erwartet Linde keine bessere Zeiten wegen ausbleibender wirtschaftlicher Belebung.

In den ersten neun Monaten brach der Vorsteuergewinn um mehr als ein Viertel auf 203 Millionen Euro ein. Die Erlöse fielen mit 6,3 Milliarden Euro um 2,3 Prozent zurück. Beim Auftragseingang gab es ein Plus von 5,7 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis fußte auf einer Verdopplung der Bestellungen im Anlagenbau. Die Anlagen bilden zusammen mit den Gasen den wichtigsten Geschäftsbereich.

Von der Kältetechnik, der Wurzel des Unternehmens, will sich der zukünftige Linde-Chef Reitzle trotz der wenig erfreulichen Aussichten nicht trennen: "Erst einmal machen wir hier die Hausaufgaben bei den Kosten, dann schauen wir weiter." Zudem gebe es hier noch viel Potenzial an innovativen Produkten. Auf dieser dann solideren Basis ließe sich besser entscheiden, ob die Kältetechnik bei Linde bleibe oder verkauft werde. Hier ist das Unternehmen weltweit die Nummer zwei. Dagegen will Reitzle in den nächsten Jahren die Wasserstoffaktivitäten von Linde in einem "virtuellen Unternehmen" bündeln.

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