Eklat an Gedenkstätte für die Opfer an der deutsch-deutschen Mauer
Demonstranten zertrampeln PDS-Kränze

An der Gedenkstätte für die Maueropfer in Berlin haben mehrere ältere Demonstranten Kränze der SED-Nachfolgepartei PDS zertrampelt. Die Männer, die sich als Opfer des SED-Regimes bezeichneten, ließen sich auch von der Polizei nicht davon abhalten, die beiden Kränze von Abgeordnetenhaus-Fraktion und Partei der Sozialisten zu entfernen, bevor Opferverbände eigene Kränze niederlegten.

Reuters BERLIN. "Sie können mich gerne festnehmen, weil ich Kränze von Kommunisten wegnehme", sagte der Demonstrant Hans-Friedrich Bergmann, zu Polizisten, die seine Personalien aufnahmen. Bergmann sagte, ihm sei zu DDR-Zeiten verboten worden, als Diplom-Ingenieur zu arbeiten.

"Im Gedenken" stand auf den Kränzen, die die PDS an der Gedenkstätte Bernauer Straße niedergelegt hatte. Dort hatten sich während des Mauerbaus dramatische Fluchtszenen abgespielt. "Die Mörder legen für die Ermordeten einen Kranz nieder, das ist eine Schande", sagte Willi Krebs, der sich selbst als SED-Opfer bezeichnete und den Vorfall beobachtete. Die PDS hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach vom Mauerbau distanziert, sich aber nicht entschuldigt. Die Sozialisten tolerieren derzeit einen rot-grünen Minderheitssenat in Berlin. Die SPD schließt nach der Neuwahl im Oktober auch eine Koalition mit der PDS nicht aus.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wurde an der Gedenkstätte für den 1962 erschossenen 18-jährigen Bauarbeiter Peter Fechter in der Zimmerstraße von vornehmlich jungen Demonstranten mit Rufen wie "Verräter" und "Heuchler" empfangen. Auf Plakaten stand: "SPD-PDS Verrat an den Opfern" oder "SPD - Eure Kumpanei mit der PDS-SED kotzt uns Berliner an". Zusammen mit Parlamentspräsident Reinhard Führer (CDU), Verlegerwitwe Friede Springer und Vertretern aller Fraktionen im Abgeordnetenhaus legte Wowereit Kränze zum Gedenken an Fechter nieder. Anschließend sprach er kurz mit Fechters Schwester Gisela Geue. Kurz darauf gedachten auch der CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel und Wowereits Vorgänger Eberhard Diepgen (CDU) Fechters.

Der 18-jährige Fechter hatte mehr als eine Stunde verblutend im Todesstreifen in der Nähe des Springer-Hochhauses und des Sektorenübergangs Checkpoint Charlie gelegen, ohne dass ihm jemand zur Hilfe eilte. Erst danach bargen DDR-Polizisten seinen Leichnam. Die Bilder von seinem Tod waren um die Welt gegangen.

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