El Kaida: Flucht nach Europa
Nordallianz bringt Elitekämpfer in Stellung

Rund 800 Elitekämpfer wurden an der Front nördlich der Hauptstadt zusätzlich in Stellung gebracht. US-Kampfflugzeuge warfen in der Nacht wieder Bomben nahe der Front ab. Auch flogen US-Flugzeuge über die Stellungen nahe Kabul und griffen Ziele in Kandahar an. Aus Pentagon-Kreisen verlautete unterdessen, dass künftige Bodeneinsätze auch von einem Flughafen innerhalb Afghanistans aus erfolgen könnten.

ap/afp KABUL/WASHINGTON. Mehr als 500 Soldaten der USA und alliierter Kräfte sind nach Angaben der Taliban-Miliz mit der oppositionellen Nordallianz bereits im Einsatz. Unter den Bodentruppen seien sowohl Soldaten als auch Ausbilder und "technisches Personal", sagte Taliban-Geheimdienstchef Kari Achmadullah am Dienstag der pakistanischen Nachrichtenagentur AIP. Das Hauptkontingent befinde sich in der nördlich gelegenen Stadt Faisabad in der Provinz Badachschan. Achmadmullah ließ die Herkunft seiner Informationen zunächst offen.

Senator John McCain, innerparteilicher Rivale von George W. Bush vor der Präsidentenwahl vor einem Jahr, sagte unterdessen im US-Fernsehen, eine große Landstreitmacht müsse zumindest über einen kurzen Zeitraum eine Basis in Afghanistan errichten. Von dort aus könne nach mutmaßlichen Terroristen gefahndet werden. Am Montag wurden erneut Angriffe gegen Taliban-Stellungen nördlich von Kabul, nahe dem Flughafen Bagram und auf Ziele in Kandahar gemeldet.

Vietnamkriegs-Veteran McCain erklärte, ein US-Einmarsch in Afghanistan werde Verluste fordern. Aber mit der Luftwaffe allein könnten die USA ihre Ziele im Krieg gegen den Terrorismus nicht erreichen. Der demokratische Senator Christopher Dodd stimmte McCain zu, auch der Demokrat Dick Gephardt erklärte seine Unterstützung. Der Kommandeur der britischen Marineinfanterie, Brigadegeneral Roger Lane, erklärte im Sender BBC, ein Einsatz von Bodentruppen könne noch dauern. "Wir wollen nichts überstürzen. Wir müssen alles richtig machen."

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kündigte derweil an, dass die US-Angriffe nicht wegen des moslemischen Fastenmonats Ramadan unterbrochen würden. Sein britische Kollege Geoff Hoon erklärte dagegen, eine Pause während des Ramadans werde erwogen. Zugleich dürfe aber nicht zugelassen werden, dass sich die Taliban oder das Terrornetzwerk El Kaida neu formierten. Die Luftangriffe hätten die Fähigkeiten El Kaidas dramatisch eingeschränkt. Der Weg sei jetzt frei für komplexere Militäroperationen. Der pakistanische Außenamtssprecher Mohammed Riaz Khan erklärte in der BBC, eine Bombardierung Afghanistans während des Ramadans würde die Menschen in den islamischen Ländern gegen die Operation aufbringen.

Talibanführer Mohammed Omar drohte den USA eine "harte Lektion" an, sollten ihre Soldaten nach Afghanistan kommen. Der "wahre Krieg" habe noch gar nicht begonnen, sagte der Mullah in einem Interview mit der algerischen Zeitung "El Youm", das nach Angaben des Blattes etwa zwei Wochen nach Beginn der US-Luftangriffe am 7. Oktober schriftlich geführt wurde. "Sie werden eine härtere Lektion als ihre russischen Vorgänger erhalten", sagte er in Hinblick auf die sowjetische Besetzung Afghanistans in den 80er Jahren.

El-Kaida-Mitglieder auf dem Weg nach Europa?

Bis zu 200 Anhänger des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden sind nach Informationen des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" aus Afghanistan geflohen. 150 bis 200 führende Mitglieder von Bin Ladens El-Kaida-Organisation hätten das Land in den vergangenen zwei Monaten mit Ziel Deutschland oder Großbritannien verlassen, berichtete das Blatt unter Berufung auf pakistanische Menschenschmuggler. Die Bin-Laden-Anhänger seien derzeit auf dem Weg in die Ukraine, um durch Zentralasien nach Europa zu gelangen.

Die Schleuser gaben dem Mazazin zufolge an, jeder der Geflohenen hätte zwischen 20 000 und 30 000 Dollar (rund 44 000 bis 66 000 DM/22 000 bis 33 000 ?) gezahlt, um heimlich über die afghanische Grenze nach Pakistan zu gelangen. "Newsweek" berichtete, die El-Kaida-Anhänger nähmen vermutlich eine Route über Tadschikistan oder Usbekistan oder alternativ über Bosnien, Iran, Malaysia oder die Türkei.

Luftangriffe auf Ziele im Norden ausgedehnt

Nach Angaben des Pentagons haben die USA ihre Luftangriffe auch nach Norden, in Richtung Tadschikistan ausgedehnt. Eine Pentagon-Sprecherin erklärte weiter, darüber hinaus sollten systematisch Höhlenverstecke der Taliban und El Kaidas bombardiert werden.

Vertreter der Nordallianz kündigten unterdessen eine Großoffensive auf die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif in den kommenden Tagen an. Kommandanten hätten sich darauf bei fünfstündigen Gesprächen am Sonntag verständigt, sagte Sprecher Aschraf Nadim in einem Telefoninterview. Auch in den Provinzen Balch und Samangan seien Offensiven geplant. Dazu sei aber amerikanische Hilfe nötig, betonte Nadim. Ein Nordallianz-Vertreter in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe forderte von den USA Unterstützung aus der Luft. Bei Gefechten am Wochenende wurden nach Nordallianz-Angaben 100 Taliban-Kämpfer getötet.

In Islamabad traf der Kommandeur der US-Truppen des Oberkommandos für den Nahen und Mittleren Osten, General Tommy Franks, mit dem pakistanischen Präsidenten General Pervez Musharraf zusammen. An dem Gespräch über den Militäreinsatz in Afghanistan nahmen auch pakistanische Generäle und US-Botschafterin Wendy Chamberlin teil.

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