El Kaida meldet sich zurück
Bush will Attentäter jagen

Mit drei aufeinander abgestimmten Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad haben mutmaßliche El-Kaida-Extremisten ein Blutbad angerichtet. Auch Stunden nach den Bombenanschlägen von Riad ist unklar, wie viele Opfer es gegeben hat. Die Angaben schwanken weiter zwischen 29 und 91 Toten. US-Präsident George W. Bush sagte, die USA würden die Verantwortlichen der Anschläge ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen.

rtr/vwd/dpa RIAD/WASHINGTON. US-Vize-Präsident Richard Cheney nannte in Washington erneut die Zahl von 91 Opfern, nachdem diese Zahl zuvor aus dem US-Außenministerium wieder nach unten korrigiert worden war. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte nach Cheneys Äußerung allerdings lediglich, man könne diese Zahl derzeit nicht bestätigen. In "diesem frühen Stadium" sei es schwierig, akkurate Angaben zu den Opfern zu machen, sagte Sprecher Philip Reeker. Die von Cheney genannte Zahl sei eine Schätzung, die zeige, wie ernst und schwer die Terroranschläge seien. Ein Mitarbeiter des saudischen Innenministeriums hatte zuvor von 29 Toten und 194 Verletzten gesprochen.

Die Anschläge zeigen nach den Worten von US-Präsident Bush, dass der "Krieg gegen den Terrorismus" weitergeht. "Diese abscheulichen Taten wurden von Mördern begangen, deren einziger Glaube der Hass ist und die Vereinigten Staaten werden die Mörder finden und sie werden erfahren, was amerikanisches Recht bedeutet", versprach Bush in Indianapolis.

Unter den Toten seien zwischen zehn und zwölf US-Bürger, teilten Vertreter des US-Außenministeriums am Dienstag in Washington mit. Die Zahl der Todesopfer könne noch steigen. Zudem wurden bei den Anschlägen diesen Angaben zufolge mindestens 30 US-Bürger verletzt.

Saudischer Kronprinz: Täter und ihre Hintermänner Sünder

Der saudische Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis sagte, die Täter und ihre Hintermänner seien nach islamischer Auffassung Sünder. Die gesamte Gesellschaft Saudi-Arabiens werde sich nun gegen die Terroristen richten, fügte er am Dienstagabend in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Rede hinzu. Der Kronprinz besuchte am Dienstag einige schwer verletzte Opfer der Anschläge in einem Krankenhaus in Riad.

Insgesamt neun bewaffnete Attentäter hatten sich in der Nacht zum Dienstag wenige Stunden vor einem Besuch von US-Außenminister Colin Powell zunächst den Weg in drei bewachte Wohnblocks für westliche Ausländer frei geschossen. Anschließend hatten sie sich in ihren Autos in die Luft gesprengt, wie Augenzeugen und die örtlichen Behörden berichteten.

Nach saudischen Angaben sind unter den Todesopfern sieben Amerikaner, sieben Saudis, zwei jordanische Kinder, ein Schweizer, ein Libanese und zwei Arbeiter von den Philippinen. Auch die verkohlten Leichen der neun mutmaßlichen Attentäter seien gefunden worden, hieß es. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte bis zum Dienstagnachmittag einer Sprecherin zufolge keine Hinweise darauf, dass Deutsche unter den Opfern seien.

Powell: "Tat trägt die Handschrift von El Kaida

Augenzeugen berichteten von drei Explosionen, die über den Wohnvierteln Gharnata, Ischbilija und Cordoba Feuerbälle in den Nachthimmel aufsteigen ließen. Ein Bewohner eines der angegriffenen Viertel berichtete, er sei von Schüssen geweckt worden. "Augenblicke später war eine laute Explosion zu hören, gefolgt von einer noch größeren", sagte der Mann der Zeitung "Arab News". In den drei Vierteln rissen die Bomben Löcher in Häuserwände und ließen Dächer einstürzen. An manchen der Einzelhäuser und der vierstöckigen Appartmentkomplexe wurden Balkons von der Wucht der Explosion abgerissen, Autos wurden zerstört und brannten aus. In einem Gebäude blieb eine Wanduhr um 23.28 Uhr (Ortszeit) stehen - der Zeit, zu der sich den Zeugen zufolge die Explosionen ereignet hatten.

Die Regierung in Saudi-Arabien machte das Terrornetzwerk El Kaida für die Anschläge verantwortlich. Innenminister Naif Ibn Abdelasis sagte, eine Verbindung der Attentäter zu El Kaida sei wahrscheinlich. Auch US-Außenminister Colin Powell sagte, die Tat trage "die Handschrift von El Kaida". Powell traf im Rahmen seiner Nahost-Reise wie geplant am Dienstag in Riad eintraf und informierte sich vor Ort über die Zerstörungen. Die USA würden ihre Anstrengungen verdoppeln, um in enger Zusammenarbeit mit den Freunden in aller Welt die El Kaida zu jagen und den Terrorismus zu bekämpfen, sagte er. Der saudiarabische Innenminister Prinz Najef sagte, die Anschläge stünden im Zusammenhang mit einer Gruppe von 19 mutmaßlichen El-Kaida-Anhängern, nach denen seit dem 6. Mai gesucht werde. Die El-Kaida-Organisation wird für die Anschläge am 11. September 2001 in de USA verantwortlich gemacht.

Im Vorfeld Warnungen vor Anschlägen

In jüngster Vergangenheit hatte es Warnungen über bevorstehende Anschläge auf Ziele des Westens in Saudi-Arabien gegeben. Die El Kaida hatte in ihrem Kampf für einen Abzug der US-Streitkräfte aus Saudi-Arabien wiederholt Anschläge auf Ausländer in dem Königreich ausgeführt. Im vergangenen Monat hatte die US-Regierung den Abzug seiner Truppen verkündet. Damit hofft sie, der saudiarabischen Führung gegen deren Bedrohung durch Moslem-Extremisten zu helfen. Die britische Regierung warnte am Dienstag erneut vor weiteren Anschlägen auf Einrichtungen des Westens in Saudi-Arabien, bei denen auch biologische und chemische Waffen zum Einsatz kommen könnten.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin verwies auf die Empfehlung des Ministeriums, Reisen nach Saudi-Arabien auf das notwendige Minimum zu beschränken und bei Aufenthalten in dem arabischen Land besondere Vorsicht walten zu lassen. Nach Ansicht von Bundesinnenminister Otto Schily stellt die El-Kaida-Organisation für Deutschland weiter eine ernst zu nehmende Bedrohung dar. Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes ließ er offen, ob die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland nach den Anschlägen verschärft werden sollten. Der Besuch von Powell am Freitag in Berlin werde wie bei US-Besuchen üblich unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Der Ölpreis zog nach den Anschlägen an. Alles, was in Saudi-Arabien geschehen sei, sorge für Unsicherheit und beeinflusse daher den Ölpreis, sagte Paul Horsnell von J.P. Morgan. Es handele sich jedoch um eine relativ zurückhaltende Reaktion. "Es gibt keine besonderen Hinweise auf Instabilitäten innerhalb der saudiarabischen Führung."

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