El Kaida plant langfristig: Schily warnt vor El-Kaida-Anschlägen

El Kaida plant langfristig
Schily warnt vor El-Kaida-Anschlägen

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat vor Anschlägen der moslemischen Extremisten-Organisation El Kaida gewarnt. Die Gefahr eines El-Kaida-Anschlags sei derzeit größer als vor dem 11. September 2001, sagte Schily am Samstag im Westdeutschen Rundfunk. In dieser Beurteilung seien sich alle in- und ausländischen Sicherheitsbehörden einig.

Reuters BERLIN. Man habe eine Reorganisation der El Kaida des Moslem-Extremisten Osama bin Laden beobachtet. Diese Erkenntnis ergebe sich zudem aus Verlautbarungen aus dem Führungskreis der Gruppe, die für die Anschläge vom 11. September in den USA verantwortlich gemacht wird. Generalbundesanwalt Kay Nehm kündigte im "Spiegel" Anklage gegen den Marokkaner Abdelghani Mzoudi wegen des Verdachts der Unterstützung der Hamburger Zelle erheben." Der im Oktober 2002 festgenommene Mzoudi ist ein Freund des Marokkaners Mounir El Motassadeq, den das Hamburger Oberlandesgericht am Mittwoch im weltweit ersten Prozess um die Anschläge vom 11. September zur Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis verurteilt hatte.

El Kaida plant langfristig

Schily sagte dem WDR, es lasse sich nicht sicher vorhersagen, wogegen sich die nächste Aktion von El Kaida richte. Die Organisation plane langfristig und immer so, dass mit Überraschungen gerechnet werden müsse. Die Anschläge seien gegen so genannte weiche Ziele gerichtet, die militärisch nicht geschützt seien. Da man nicht alle Büros, Discotheken, kulturelle oder kirchliche Einrichtungen bewachen könne, werde die Vorfeldaufklärung so intensiv wie möglich betrieben. Bei lebenswichtigen Versorgungseinrichtungen wie Wasser- und Energieversorgung und Kommunikation sei der Schutz bereits deutlich verstärkt worden, sagte Schily der Zeitung "Welt am Sonntag".

Zudem müsse damit gerechnet werden, dass ein Irak-Krieg von Extremisten-Gruppen zum Anlass genommen werde, "um weiter die Feindseligkeiten gegen Westeuropa zu schüren", warnte Schily. Die ohnehin zerbrechliche Situation in Afghanistan würde durch einen Irak-Krieg noch zusätzlich erschüttert. Das gelte auch für die islamischen Staaten in der Nachbarschaft Iraks. Zur Bekämpfung des moslemischen Extremismus müssten alle polizeilichen und, wo es geboten erscheine, alle militärischen Mittel ausgeschöpft werden. Darüber müsse es auch eine politische Auseinandersetzung geben.

Gute Zusammenarbeit mit den USA

Die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Behörden bei der Terrorismusabwehr bezeichnete Schily als ausgezeichnet, eng und vertrauensvoll. Der Streit mit den USA über das Vorgehen im Irak-Konflikt beeinträchtige diese Zusammenarbeit nicht. In Kürze werde es eine deutsch-amerikanische Tagung zum Schutz von wichtigen Versorgungseinrichtungen geben, deren Bewachung schon verstärkt worden sei, sagte Schily der "Welt am Sonntag".

Nach einem Bericht des Magazins "Focus" hat die amerikanische Bundespolizei FBI dem Bundeskriminalamt geheime Unterlagen über das in Pakistan festgenommene mutmaßliche El-Kaida-Mitglied Ramzi Binalshibh übergeben. Darin seien Informationen über bislang unbekannte Verstecke und konspirative Reisen des Jemeniten enthalten. Binalshibh ist nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden Cheflogistiker der Hamburger Studentengruppe um den mutmaßlichen Todespiloten Mohammad Atta gewesen.

Generalbundesanwalt Nehm kündigte im "Spiegel" Anklage gegen Mzoudi an. Seine Behörde werfe Mzoudi vor, langjährige enge Beziehungen zu sämtlichen Mitgliedern der Gruppe um Atta unterhalten zu haben. Besonders engen Kontakt hatte er den Angaben zufolge zu dem flüchtigen Zakariya Essabar und zu Motassadeq gehabt. Zum Jahreswechsel 2000 habe er Essabar Geld für dessen beabsichtigte Flugausbildung in den USA zur Verfügung gestellt.

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