El-Kaida-Terrorist in Gewahrsam
Binalshibh bereits in den Händen der USA

Pakistan hat den mutmaßlichen Topterroristen Ramzi Binalshibh am Montag den US- Behörden übergeben. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf Beamte des Außenministeriums.

dpa KARACHI/WASHINGTON/KARLSRUHE/KAIRO. Der 30-Jährige sei bereits außer Landes geschafft worden. Wo Binalshibh festgehalten wird, war unklar. Er habe bei Verhören bislang jede Aussage verweigert, berichtete der US- TV-Nachrichtensender CNN.

Nach diesen Angaben soll Binalshibh vorerst nicht in die USA gebracht werden. Die Amerikaner halten einen weiteren prominenten Gefangenen, den ehemaligen El Kaida-Militärchef Abu Subaida, an einem geheimen Ort außerhalb der USA fest. Er war im März in Pakistan festgenommen worden. Subaida soll den Behörden in den monatelangen Verhören inzwischen zahlreiche wertvolle Hinweise auf die Pläne des El-Kaida-Terrornetzwerks gegeben haben.

In pakistanischer Gewalt soll sich ein weiterer mutmaßlicher Topterrorist befinden, berichteten US-Medien. Dabei handele es sich möglicherweise um einen Drahtzieher des Anschlags auf einen US- Zerstörer im Hafen von Aden (Jemen) im Oktober 2000 oder um einen Beteiligten des Anschlags auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia im August 1998, hieß es. Der Mann war zusammen mit Binalshibh, der zur Hamburger Terrorzelle um den Anführer der Terroristen des 11. September, Mohammed Atta, gehörte, am Mittwoch in Karachi und zehn weiteren mutmaßlichen Terroristen festgenommen worden.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bekräftigte, dass Deutschland einem Auslieferungsbegehren der USA den Vorrang geben werde. Aber auch bei einer Auslieferung an die USA will die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen fortführen. Diese würden vorangetrieben, sagte Sprecher Hartmut Schneider. "Wir bemühen uns weiter um eine Aufklärung des gesamten Sachverhalts." Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm einen internationalen Haftbefehl gegen Binalshibh erwirkt.

Um die Übermittlung deutscher Beweismittel im Fall Binalshibh könnte zwischen Washington und Berlin ein Konflikt entbrennen, sagte der auf Rechtshilfefragen spezialisierte Salzburger Jura-Professor Otto Lagodny. Sollten die USA Beweismittel anfordern, müsse Deutschland dies voraussichtlich ablehnen, weil Binalshibh in den USA die Todesstrafe drohe. Eine ähnliche Weigerung der deutschen Behörden behindert nach Angaben von US-Anklägern bereits den Prozess gegen Zacarias Moussaoui, der in den USA bislang als einziger Verschwörer der September-Anschläge angeklagt ist. Er soll aus Deutschland Geldüberweisungen erhalten haben.

Abgehörte Telefonate führten auf Binalshibhs Spur


Die saudische Zeitung "Al-Yaum" berichtete unterdessen unter Berufung auf arabische Diplomaten in London, Binalshibh sei dem US- Geheimdienst nach dem Abhören des Telefons eines Journalisten ins Netz gegangen. Weil sich Jusri Foda vom katarischen TV-Sender El Dschasira mehrfach geweigert habe, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten, sei sein privater Telefonanschluss abgehört worden. Dadurch seien die Ermittler auf die Spur eines pakistanischen Mittelsmannes gekommen, der im vergangenen Juni das Interview zwischen Foda und Binalshibh in Karachi organisiert habe. Diese Spur habe zu dem Jemeniten selbst geführt, der am 11. September festgenommen wurde.

Wie die Zeitung weiter berichtete, wurde der ägyptische Reporter in Katar "von einer hochrangigen Persönlichkeit" unter Druck gesetzt. Diese habe ihm mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes gedroht, falls er nicht bereit sei, den Amerikanern Informationen für die Ergreifung des Mitglieds der Hamburger Terrorzelle zu liefern. Foda sagte, er akzeptiere keine Zweifel an seiner Integrität als Journalist. Erstens habe er das Interview bereits im Juni geführt, zweitens hätten ihm die Terroristen auf dem Weg zu dem geheimen Interview-Ort die Augen verbunden und ihn von Stadt zu Stadt gebracht.

Unterdessen nahm die US-Polizei bei ihrem Schlag gegen eine mutmaßliche Terrorzelle im US-Bundesstaat New York einen sechsten Verdächtigen fest. Das berichteten US-Medien am Montag. Der Mann, der wie die anderen fünf Festgenommenen jemenitischer Abstammung ist und in Lackawanna bei Buffalo lebt, sei von Beamten des Bundeskriminalamtes FBI in Bahrain aufgespürt worden, wo er seine Hochzeit feiern wollte, berichtete die "New York Times".

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