El Kaida wollte sich Bio-Kampfstoffe beschaffen
Terrorist war offenbar mit Anthrax infiziert

Im Kampf gegen die USA wollte sich Osama bin Laden offenbar Anthrax oder andere biologische Kampfstoffe verschaffen.

ap WASHINGTON. Entsprechende Hinweise hätten US-Truppen in Afghanistan gefunden, erklärte am Wochenende der amerikanische General Tommy Franks. Bislang deute aber nichts darauf hin, dass Bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida tatsächlich biologische Waffen entwickelt habe. Die US-Regierung untersuchte einen Expertenbericht, wonach einer der Attentäter vom 11. September möglicherweise Kontakt mit Milzbrand-Erregern hatte.

US-Soldaten entdeckten nach Angaben Franks in einer Anlage der El Kaida bei Kandahar Hinweise auf Bestrebungen, in den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu gelangen. Dabei habe es sich offenbar um ein im Bau befindliches Biowaffenlabor gehandelt, sagte Franks dem Fernsehsender NBC. Die Anlage sei eine von 50 bis 60 weiteren gewesen, die von US-Truppen untersucht worden seien.

Ein Sprecher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erklärte am Wochenende, der mutmaßliche Flugzeugentführer Ahmed Ibrahim Al Haznawi habe sich drei Monate vor den Anschlägen von einem Arzt in Florida wegen einer Wunde am Bein behandeln lassen. Experten des Zentrums für Zivile Bioverteidigungsstrategien der Universität seien zu dem Schluss gekommen, dass eine Infektion mit Milzbranderregern die wahrscheinlichste Diagnose dafür sei.

Al Haznawi war nach Erkenntnissen der US-Ermittler einer der Entführer an Bord des Flugzeugs, das in Pennsylvania abstürzte. Die "New York Times" berichtete am Samstag, der Mann sei im Juni wegen der Verletzung am Bein mit Antibiotika behandelt worden. Er habe angegeben, sich die Verletzung zugezogen zu haben, als er gegen einen Koffer geprallt sei. Nach dem 11. September und der anschließenden Serie von Milzbrandanschlägen schloss der behandelnde Arzt laut "Times", dass die Symptome bei dem Mann denen einer Anthrax-Infektion glichen. Dies vermuteten auch die Ärzte des Universitätszentrums, erklärte Sprecher Tim Parsons.

Ein ranghoher Beamter des Geheimdienstes erklärte dazu, CIA-Direktor George Tenet habe ein entsprechendes Memorandum der Experten erhalten, das die Regierung nun prüfe. Der stellvertretende Direktor der Bundespolizei FBI, John Collingwood, äußerte sich jedoch zurückhaltender. Diese Frage sei bereits vor Monaten eingehend überprüft worden, neue Hinweise hätten sich nicht ergeben.

FBI-Direktor Robert Mueller sagte kürzlich, die Quelle der in Briefen verbreiteten Anthrax-Erreger sei weiterhin nicht bekannt. Auch habe die Polizei noch keinen Kreis von Verdächtigen ausgemacht. Im Herbst vergangenen Jahres waren mehrere Briefe mit den Erregern an Adressaten in Florida, New York und Washington verschickt worden. Fünf Menschen starben an Lungenmilzbrand, Dutzende weitere erkrankten an der harmloseren Form von Hautmilzbrand.

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