'Electronic Cinema' entwickelt sich langsamer
Cinemedia rechnet in 2001 mit Ergebnisverdoppelung

Die Münchener Cinemedia AG will sich nach einem enttäuschenden Jahr wieder auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren und damit eine Verdoppelung des operativen Ergebnisses erreichen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) werde 2001 bei über 40 (2000: 20,1) Mill. Euro liegen, sagte Markus Hölzl, Finanzvorstand des am Neuen Markt notierten Medienunternehmens am Dienstag.

Reuters MÜNCHEN. Aus dem Filmrechtehandel werde sich Cinemedia zurückziehen und sich auf Produktion und Postproduktion von TV-Formaten und Kinofilmen konzentrieren. Alle Aktivitäten müssten in den nächsten zwei bis drei Jahren eine operative Rendite von zwölf Prozent erreichen, "sonst trennen wir uns von ihnen", sagte Hölzl.

Die arg gebeutelten Cinemedia-Aktien reagierten positiv auf die Ankündigung und legten in einem insgesamt kaum veränderten Marktumfeld bis gegen Mittag knapp fünf Prozent auf 11,01 Euro zu. Am Freitag waren die Papiere um mehr als 35 % eingebrochen, als das Unternehmen das Verfehlen von Umsatz- und Ergebniszielen im vergangenen Jahr bekannt gegeben hatte.

Vor allem der Filmrechtehandel sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Hölzl. Von dem Anfang 2000 erworbenen ICON-Rechtepaket mit 16 Filmen werde Cinemedia voraussichtlich nur zwei abnehmen. Das Flaggschiff des Pakets, der Film "Was Frauen wollen" mit Mel Gibson in der Hauptrolle, sei zwar erfolgreich in den Kinos angelaufen. Dennoch werde Cinemedia sich aus diesem Bereich zurückziehen, wenn auch ohne Verluste. "Das ist die Verabschiedung von Aktivitäten, die in der euphorischen Phase des Neuen Marktes getätigt wurden", sagte der Finanzvorstand. "Nun nehmen wir die Realitäten klar zur Kenntnis."

Cinemedia will in 'Electronic Cinema' investieren

Cinemedia strebe nun in seinen Kernsparten Produktion, Postproduktion und Cine Solutions ein internes Wachstum von jährlich mindestens 15 % an, sagte Hölzl. "Wir erwarten, dass wir 2001 noch nicht ganz bei den 15 % liegen werden", fügte er hinzu. Insgesamt rechnet das Unternehmen für 2001 mit einem Umsatzplus von 50 % auf mehr als 150 (2000: 102) Mill. Euro. Das sei aber vor allem auf die Konsolidierung der Beteiligung an Gahrens + Battermann und verschobene Umsätze aus der Rechteverwertung des Gibson-Films zurückzuführen. Beim Ergebnis pro Aktie rechnet Cinemedia im laufenden Jahr mit 0,50 (0,35) Euro.

Die Sparte Postproduktion, die 2000 rund 65 % des Konzernumsatzes ausmachte, habe mit einem Umsatzplus von 25 % und einer operativen Rendite von annähernd zwölf Prozent die gesetzten Wachstums- und Renditeziele bereits im vergangenen Jahr erreicht, hieß es. "In zwei bis drei Jahren muss das aber auch der gesamte Konzern schaffen", sagte Hölzl. Aus den Zahlen des Unternehmens ergibt sich für 2000 eine operative Rendite vor Firmenwertabschreibungen von knapp neun Prozent.

Cinemedia werde sich bei der Produktion noch mehr auf spezielle TV-Formate wie Magazine, Call TV und Auto/Motor sowie Fernsehserien konzentrieren und bei der Postproduktion das Segment Spezialeffekte stärken, hieß es. Auch in die Zukunftstechnologie "Electronic Cinema", bei der Filme digital gedreht, verarbeitet und übertragen werden, will Cinemedia weiter investieren. "Allerdings läuft hier manche Entwicklung eher langsamer, als wir das noch vor einem halben Jahr gedacht haben", sagte Hölzl. An den geplanten Investitionen von rund 100 Mill. DM will das Unternehmen festhalten, der anvisierte Zeitraum von fünf Jahren könnte sich aber strecken.

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