Elektrischer Reporter
Innovative vor!

Seit zehn Jahren versprechen Mobilfunkbetreiber ortsbezogene Internet-Dienste – ohne Erfolg. Dabei müssten sie einfach nur vom Internet lernen und offene Standars etablieren. Denn echte Ideen kommen von außen. Wer auf Pfiffiges aus Konzernzentralen wartet, kann das lange tun.
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DÜSSELDORF. Auf zweierlei stößt man in Deutschland äußerst selten: auf Internet-Startups, die ihre Geschäftsidee nicht aus den USA geklaut haben und auf clevere Innovationen im Mobilfunk. Die Gründe für die Phantasielosigkeit liegen im Dunkeln und laden höchstens zu Spekulationen über die hiesige Unternehmenskultur ein.

Die Ursache für den Quasi-Stillstand im Mobilfunk ist hingegen leicht auszumachen: Eifersüchtig schotten die Netzbetreiber ihre Plattformen ab und verschrecken Diensteanbieter mit hohen Zutrittsgebühren. Das Ergebnis: Jede Handygeneration bietet zwar verbesserte technische Features – noch mehr Megapixel, noch mehr Speicher – auf der Softwareseite regieren jedoch Langeweile und Protektionismus.

Die Erfolgsgeschichte des Internets hat eine einfache Ursache: offene Standards. Jeder, der sich an diese Standards hält, kann Dienste anbieten. Er muss weder Verträge mit Zugangsprovidern aushandeln, noch sein Angebot von höherer Stelle absegnen lassen. Das Oligopol der Mobilfunkbetreiber hat bisher erfolgreich verhindert, dass eine ähnliche Fülle an Anwendungen und Services auch für tragbare Geräte existiert.

Innovatives entsteht oft an den Rändern und selten im Zentrum. Wer auf pfiffige Ideen aus Konzernzentralen wartet, kann das lange tun. Nehmen wir Aka Aki. Ein kleines Start-Up einer Handvoll Berliner Studenten, das im Sommer damit beginnen will „echtes Leben mit den Funktionen aus dem Netz zu verbinden“, wie die Gründer sagen. So soll es möglich werden, unterwegs Leute kennenzulernen oder Profile und Nachrichten miteinander auszutauschen. MySpace goes mobile.

Auffällig ist dass ein paar Zwanzigjährige einfach damit beginnen, das umzusetzen, was die Netzbetreiber seit Jahren versprechen: Internet-Funktionalität aufs Handy zu packen.

Derweil sägen die Konzernmanager weiter an ihren ebenso langweiligen wie hermetisch abgeschlossenen Mobil-Portalen oder verzetteln sich in Diskussionen um Dienste, nach denen niemand gefragt hat: Handy-TV zum Beispiel. Wer Innovationen will, muss seine Plattformen öffnen und die jungen Wilden heranlassen. Das Internet hat bewiesen, dass Experimentierfreude Strategien vom Reißbrett überlegen ist. Von dieser Erkenntnis sind die Lenker der Mobilfunkkonzerne noch weit entfernt.

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