Elektroauto der Zukunft drehte in Frankreich erste Runden
General Motors packt den kompletten Antrieb ins Chassis

Das neue Fahrzeugkonzept von General Motors macht es möglich: Wer im Sommer gerne mit dem Cabrio unterwegs ist und in Winter einen Van bevorzugt, tauscht nur die Karosserie aus. Das Fahrgestell bleibt gleich.

DÜSSELDORF. Fahren mit dem Automobil der Zukunft: Auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatzes im südfranzösischen Fréjus präsentierte der amerikanische Autohersteller General Motors (GM) in der vergangenen Woche sein Konzept vom Elektroauto der Zukunft. Konsequent wie kein anderer Hersteller kombiniert GM bei seinem "Hy-wire-Mobil" den Brennstoffzellen- Antrieb mit Drive-by-Wire-Technik, der Steuerung mit elektronischen Impulsen. Während die Wettbewerber die neue Antriebstechnik bislang nur in vorhandene Fahrzeuge eingebaut haben, hat GM ein völlig neues Fahrzeugkonzept entworfen.

So haben die Autoingenieure ein universelles Fahrgestell - ein so genanntes "Skateboard-Chassis" - entwickelt, in dem der komplette Antrieb untergebracht ist. Losgelöst von allen bekannten Konzepten wurden in dem Fahrzeugunterbau der gesamte Antrieb mit Brennstoffzellen-Einheit, Wasserstofftanks und Elektromotor, die Kraftübertragung, Lenkung und das Bremssystem sowie alle Steuerungs- und Kontrollsysteme untergebracht. Je nach Fahrzeugtyp - vom sportlichen Zweisitzer bis zum geräumigen Van - wird nur eine andere Karosserie aufgesetzt, und fertig ist das neue Modell. Die mechanische Verbindung wird über zehn Aufnahmepunkte realisiert und der Antrieb über eine Andock-Station - ein elektronisches Steckersystem - mit der Karrosserie verbunden.

Bei dem in Frankreich vorgestellten Pilot-Fahrzeug sorgt nur ein Verbindungsstecker für den Kontakt zwischen dem 279 mm dicken Chassis aus Aluminium und der Fiberglas-Karosserie. "Wir sind, was die Kompaktheit angeht, sicher noch nicht auf der Ziellinie", sagt Erhard Schubert, Direktor des GM/Opel-Forschungszentrums in Mainz-Kastel. "Aber dieser voll funktionsfähige Prototyp macht bereits heute deutlich, wie flexibel man die Brennstoffzellen-Technologie mit der künftigen Steuerungstechnik ,Drive- by-wire? verknüpfen kann."

Vor allem die Karosseriedesigner profitieren von dem neuen Fahrzeugkonzept. Sie müssen bei der Gestaltung des Fahrzeugs nicht mehr auf Bremsleitungen, Motor und Fußpedale Rücksicht nehmen. Im Innenraum gibt es keine Lenksäule und keine Pedale mehr. Der Fahrer beschleunigt, indem er den linken oder rechten Handgriff sanft dreht. Er bremst, indem er die Handgriffe zusammendrückt. Sensoren erfassen die Befehle des Fahrers und geben sie als digitale Signale an Kontrollelemente und Stellmotoren weiter.

Per Software kann außerdem die Bedienungscharakteristik des Fahrzeugs, z.B. das Ansprechverhalten beim Lenken, Bremsen und Gasgeben, individuell dem jeweiligen Fahrstil angepasst werden. Das Steuer lässt sich zudem leicht von der Fahrer- zur Beifahrerseite verschieben, wodurch das gleiche Fahrzeug in verschiedenen Märkten angeboten werden kann. In der Steuereinheit ist auch ein kleiner Monitor untergebracht, auf dem die wichtigsten Fahrzeuginformationen angezeigt und Bilder von der Videokamera, die den Rückspiegel ersetzt, widergegeben werden.

Das Hy-wire-Fahrzeug ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation: Mitgearbeitet haben neben GM-Entwicklern (Fahrzeug-Chassis, Karosserie-Design, Systemplanung und Integration des elektrischen Systems) auch das deutsche GM/Opel-Zentrum zur Erforschung der Brennstoffzellen- Technologie in Mainz-Kastel (Integration des Brennstoffzellen-Antriebssystems), die italienische Stile Bertone (Karosseriebau) sowie die schwedische SKF-Gruppe (By- wire-Technologie).

Das in Frankreich vorgestellte Hy- wire-Fahrzeug hat GM-Designer Alan Nicol als sportlichen, eleganten Viertürer entworfen (Bild). Um die neue Architektur ins rechte Licht zu rücken, ließ der Autodesigner Front- und Heckabschluss aus transparentem Glas fertigen. Dieser ersten Modellstudie werden weitere folgen. Schon auf der diesjährigen Motorshow in Paris hat Larry Burns, GM-Vizepräsident für Forschung, Entwicklung und Planung, angekündigt: "Wir meinen es wirklich ernst. Wir werden die Technologie des Hy-wire bis zum Jahr 2010 zur Serienreife zu bringen."

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