Elektrokonzern will den Bereich Gebäudetechnik verkaufen
ABB erreicht höheren Gewinn als erwartet

ABB hat im ersten Quartal 2002 einen über den Erwartungen liegenden Gewinn erwirtschaftet. Doch die Erleichterung darüber hält sich in Grenzen, denn noch muss das Management des Technologiekonzerns viele Aufgaben bewältigen, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

ef ZÜRICH. Die ABB AG, Zürich, hat für die ersten drei Monate 2002 einen Abschluss vorgelegt, der erstmalig seit langem keine negativen Überraschungen für die Aktionäre enthält. In den vergangenen Jahren hatte der schwedisch-schweizerische Technologiekonzern die vollmundigen Ankündigungen zumeist weit verfehlte. Zwar lag der Konzerngewinn jetzt mit 114 Mill. $ um 17 % unter dem entsprechenden Vorjahresquartal, doch wurden die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Sie hatten im Durchschnitt einen Gewinn von 40 Mill. $ prognostiziert. Morgan Stanley hatte für das erste Quartal 2002 sogar einen Verlust vorher gesagt. Doch Andres Gujan, Analyst der Bank Vontobel, machte darauf aufmerksam, dass sich der Konzerngewinn nur in absoluten Zahlen recht positiv darstellt. Werde er ins Verhältnis gesetzt zu den um 4 % auf 5,2 Mrd. $ rückläufigen Konzernumsätzen, relativiere sich der Erfolg doch recht schnell.

Als enttäuschend bezeichnete Gujan auch den deutlichen Rückgang der Auftragseingänge um 19 % auf 5,5 Mrd. $. Dies weise ABB eindeutig als spätzyklischen Konzern aus. Konzernchef Jörgen Centerman erklärte: "In der Auftragsentwicklung sehen wir ein paar positive Anzeichen, insbesondere in den Divisionen Energietechnik- und Automationsprodukte." Es sei jedoch noch zu früh, von einem breit abgestützten Aufschwung zu sprechen.

Centerman unterstrich, dass die Umsatz- und Ertragsziele 2002 erreichbar seien. Anlässlich der Bilanzpressekonferenz hatte er einen Konzernumsatz in der Höhe des Vorjahres von 23,7 Mrd. $ und eine Ebit-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) zwischen 4 und 5 % angekündigt. Gujan hält dies für realistisch. Weniger sicher ist er, dass auch die langfristigeren Ziele eines Umsatzwachstums von 6 % pro Jahr und einer Ebit-Marge von 9 bis 10 % im Jahre 2005 erreicht werden. Als recht tief bewertet die Bank Vontobel die Restrukturierungskosten des ersten Quartals von 55 Mill. $. ABB baute die Belegschaft in diesem Zeitraum um 2 200 Mitarbeiter ab.

Auch die Ziele bei der Bilanzsanierung bestätigte ABB. Erfolgreich war der Konzern bei der Anpassung des Kreditrahmens von 3 Mrd. $. Praktisch alle 24 Banken haben ihre Teilnahme zugesagt. Die Nettoverschuldung, die im ersten Quartal von 4,1 Mrd. auf 4,5 Mrd. $ gestiegen war, soll bis Jahresende um mindestens 1,5 Mrd. $ unter den Stand von Ende 2001 abgebaut werden.

Dazu soll der Verkauf des Bereichs strukturierte Finanzierungen und weiterer Aktivitäten beitragen. Ziel ist die Konzentration auf die Energie- und Automatisierungstechnologie für Energieversorgungsunternehmen und die Industrie. Neu angekündigt wurde der Verkauf des Bereichs Gebäudetechnik mit einem Umsatz von rund 2,5 Mrd. $. Analyst Gujan hält dies zwar für ein interessantes Geschäft, verweist aber auf die tiefe Ebit-Marge von 2 bis 2,5 %. Er schätzt den Verkaufspreis auf rund 600 Mill. $. Einen Abschluss erwartet er nicht vor 2003. Um die Verlängerung der Laufzeiten der Fremdmittel zu erreichen, will ABB etwa Mitte Mai Anleihen begeben. Bisher bedient sich der Konzern vor allem des Instruments von Commercial Papers. Dies bedeutet, dass die Zinskosten künftig steigen werden.

Nicht verschlechtert hat sich die Situation bei den Asbestklagen in den USA. Die Zahl der neuen Klagen reduzierte sich im Vergleich zum vierten Quartal 2001 um 5 % auf 14 300. Erledigt wurden 13 300 Klagen, davon die Hälfte ohne Entschädigung. Die Prozesskosten vor Versicherungs-Rückvergütungen erreichten 51 Mill. $ verglichen mit 37 Mill. $ im ersten Quartal 2001. ABB hält eine Erhöhung der vorhandenen Rückstellungen nicht für notwendig.

Die ABB-Aktien reagierten am Mittwoch mit einem Anstieg um bis zu 5 % auf über 14 sfr. Seit Jahresbeginn bleibt ein Minus von 15 %.

Quelle: Handelsblatt

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