Elektronikriese lässt sich Sportsponsoring dreistelligen Millionenbetrag kosten
Siemens: Mit Handys auf die Pole Position

Siemens fördert Formel-1-Teams und Fußballspieler, Skispringer und Eishockey-Cracks - und erhofft sich so eine weltweite Präsenz auf den Fernsehschirmen. Wegen der Konjunkturflaute denkt die Tochter Infineon aber darüber nach, das Sportsponsoring zurückzuschrauben.

Stephen McMahon hat eine Berufsbezeichnung, die unter den 500 000 Mitarbeitern im Siemens-Konzern wohl einmalig ist. Der 45-Jährige nennt sich "Vice President Sponsoring, Events and Tradeshows" im Geschäftsfeld "Information and Communication Mobile". Zu deutsch: Der gebürtige Schotte betreut für die Handy-Sparte des Münchener Elektronikriesen das Sportsponsoring.

Weil er in diesem Job seine Wochenenden auf den Formel-Eins-Kursen der Welt verbringt und immer wieder Bundesliga-Stars hautnah erleben darf, dürften ihn im Siemens-Imperium viele um seine einzigartige Stelle beneiden. McMahon winkt jedoch ab: "Das ist ein knochenharter Job", erklärt der Manager, der die zähen und langen Verhandlungen mit den Sportrechte-Vermarktern kennt. Waren es früher Staubsauer und Waschmaschinen, so präsentieren die Bayern heute ihre Mobiltelefone als Aushängeschild. Deshalb kümmert sich die Handy-Sparte um die Präsenz auf Formel-Eins-Flitzern und den Banden der Fußball-Felder und nicht etwa die Hausgeräte-Sparte oder der Kraftwerks-Bereich.

Beim Sportsponsoring geht es dem global agierenden High-Tech-Multi vor allem um eins: Der Name Siemens muss weltweit in den Köpfen hängen bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, konzentriert sich der Konzern auf einige wenige Kernsportarten: Formel Eins, Fußball, Skispringen und Eishockey. "Diese Sportarten sind dynamisch, das passt zum Image", rechtfertigt McMahon die Auswahl.

Das Engagement beim Rennstall McLaren-Mercedes, das 1998 begann, hat sich nach Ansicht des Schotten längst ausgezahlt: "Inzwischen wird Siemens in einem Atemzug mit Marlboro genannt", betont er. Mindestens bis Ende 2003 soll das Siemens-Logo noch auf den Boliden prangen. Während Siemens bisher alle Gerüchte über einen Abschied aus der teuren Formel Eins zurückweist, denkt die Konzern-Tochter Infineon bereits seit Monaten über einen Rückzug aus dem Motorsport nach. Der Chiphersteller musste im Zuge der Branchenkrise Millionenverluste hinnehmen und Tausende von Stellen abbauen. Angesichts dieser ernsten Lage erwägt Infineon-Chef Ulrich Schumacher jetzt offenbar sogar, sein Lieblingskind - den eigenen Porsche-Rennstall - aufzulösen. Beim Börsengang seines Unternehmens im vergangenen Jahr war Autonarr Schumacher noch mit dem Porsche und in Rennfahrerkluft vor den Wertpapierhändlern aufgetaucht. Eineinhalb Jahre später denken die Verantwortlichen bei Infineon darüber nach, auch die Kooperation mit dem Formel-Eins-Team Jordan zu beenden. In Krisenzeiten kommt die Protzerei mit vor PS strotzenden Rennwagen eben nicht besonders gut an.

Im Vergleich zu den Fördergeldern, die im Formel-Eins-Zirkus fließen, wirkt das Siemens-Engagement bei den Skispringern geradezu bescheiden. "Das ist noch bezahlbar", so McMahon, "und bringt in vielen Ländern Aufmerksamkeit." Siemens überweist die Euros allerdings nicht auf die Konten einzelner Sportler, sondern steckt das Geld in populäre Großereignisse wie die Vier-Schanzen-Tournee. Egal ob am Ende ein Pole, ein Deutscher oder ein Österreicher auf dem Treppchen steht - der Gewinner kommt garantiert aus einem Land, in dem auch Siemens-Handys verkauft werden. Und so nimmt der Sieger seinen Pokal vor einem Logo des Elektronikkonzerns entgegen.

Am Fußball als der beherrschenden Sportart in Europa kommt freilich auch McMahon nicht vorbei. Etliche europäische Klubs erhalten regelmäßig Schecks aus München und bringen im Gegenzug die Siemens-Farben ins Fernsehen. "Das ist eine sinnvolle Ergänzung zur Formel Eins für die breite Masse", betont McMahon, der für viele Vereine auch Handys in den Klubfarben parat hat.

Der Konjunktureinbruch geht natürlich auch an dem Sportsponsoring-Manager nicht spurlos vorbei. "Wir merken schon, dass bei Siemens gespart wird", erklärt der Schotte. Neue Projekte werde es deshalb wohl so bald nicht geben. An den bestehenden Engagements will McMahon allerdings festhalten, denn er weiß, dass die Sportförderung nur Sinn macht, wenn sie langfristig angelegt ist. Deshalb werden die Siemensianer ihren Kollegen wohl noch um so manchen Sonntag in der Boxengasse beneiden.

KOMPAKT

Siemens

steckt Schätzungen zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag in das Sportsponsoring. So soll allein die Konzerntochter Infineon beim Formel-1-Rennstall Jordan mit sechs bis acht Millionen Dollar in der Pflicht stehen. 23 europäische Fußballvereine erhalten regelmäßig Schecks aus München, zu den Partnerklubs gehören auch Borussia Dortmund, der FC Bayern München, Hertha BSC und der Hamburger SV. Bei Lazio Rom, Olympiakos Piräus, Girondins de Bordeaux und Aalborg BK ist Siemens Hauptsponsor, darüber hinaus werden die polnische Nationalelf, die spanische erste Liga und die britische Premier League gefördert. Bei der Vier-Schanzen- Tournee trat der Münchener Konzern 2000/01 erstmals als Titelsponsor auf. Weil Eishockey in Tschechien zu den populärsten Sportarten zählt, fördert Siemens seit 2000 auch den Traditionsklub Sparta Prag.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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