Elektronikzwerge holen Navigationsdaten vom Himmel
Chips berechnen per Satellit Position und Geschwindigkeit

Daten zur besseren Orientierung sind über GPS fast überall verfügbar. Neuartige Chips können diese Navigationshilfen nun auf kleinstem Raum auswerten. Da die Elektronikzwerge wenig Energie verbrauchen und selbst noch in Straßenschluchten funktionieren, können bald sogar Uhren zur Navigation in der Stadt genutzt werden.

DÜSSELDORF. "Wo bitte geht's zur Stadthalle?" Diese Frage dürfte in Zukunft Seltenheitswert bekommen, wenn es nach den Vorstellungen der Elektronikgeräte-Hersteller geht. Handys, Palmtop-Computer und sogar Armbanduhren mit eingebauter GPS-Ortung (Global Positioning System) sollen künftig auch Fußgängern den Weg weisen. Als elektronischer GPS-Kompass zeigen sie den kürzesten Weg zum nächsten Restaurant, Hotel oder Krankenhaus.

Waren die GPS-Geräte bislang noch eher unhandlich, ungenau, teuer und vor allem wahre Energiefresser, kommen jetzt zunehmend winzige GPS-Prozessoren speziell für den Einbau in Taschencomputern oder Handys auf den Markt. So ist der neue GPS-Chip des finnischen Unternehmens Fastrax durch die fortschreitende Miniaturisierung so klein und flach wie eine Briefmarke.

Intelligente Software ersetzt zunehmend die Platz raubende Chiphardware. Das GPS-Minimodul besteht nur noch aus einem einzigen Chip, der per Satellitenortung Position, Geschwindigkeit und Richtung ermitteln kann. Mit einem internetbasierten Mobilfunk-Interface lassen sich mit diesem Mikrobaustein sogar Versandstücke aller Art überall auf ihrem Weg orten - interessant für das Transport- und Logistikgewerbe.

Auf diesen Service hat sich beispielsweise das schwedische Unternehmen Followit spezialisiert. Dessen Produkte auf Basis des Fastrax-Chips ermöglichen die Optimierung des Flottenmanagements. Die Nachfrage ist groß: Versicherungs- und Sicherheitsunternehmen sind an der steten Verfolgung der Fracht oder gestohlener Ware interessiert. "Fastrax bietet uns ein so kleines GPS-Modul, dass wir daraus ein kompaktes und leichtes Navigationsgerät fertigen können, das in Kleidung eingewebt werden kann oder an ein Hundehalsband passt", freut sich Ola Lundberg, Gründer und Marketing-Direktor von Followit.

Energieverbrauch des Empfängers reduziert

Auch Anbieter in anderen Regionen der Welt setzen auf die GPS-Technik, der Analysten von Allied Business Intelligence bis 2004 einen Massenmarkt mit 162 Millionen Geräten voraussagen. Vor allem Anbieter von Elektronikgeräten seien sehr erpicht darauf, neuartige GPS-Produkte auf den Markt zu bringen, weiß Martin Wagner vom Halbleiter-Vertreiber Glyn aus Gesprächen mit Kunden. "Viele Firmen suchen vor allem Kleinst-GPS-Module mit geringem Energieverbrauch."

Für solche Firmen hat beispielsweise Seiko Epson jetzt einen GPS-Chip auf den Markt gebracht, der nur noch so groß ist wie eine Minispeicherkarte, wie sie für digitale Kameras genutzt wird. Dieser Chip hat nur noch einen Energieverbrauch von 100 mW und die gesamte Navigationstechnik integriert und sogar die Antenne eingebaut. Herkömmliche GPS-Technik in den Navigationsgeräten im Auto verbraucht das Zehnfache.

Galt bislang wegen der schwachen Satellitensignale, dass kein Satellitenempfang innerhalb von Gebäuden möglich ist. So mussten zum Betrieb von GPS-Empfängern bei Vorführungen, Messen oder Ausstellungen sowie in großen Parkhäusern oder Fabrikgeländen bisher mit speziellen Antennen und Verstärkern oder durch Pseudolites - zusätzlichen kleinen Ortungssendern in den Gebäuden - die GPS-Signale umgelenkt werden. Dies soll sich aber rasch ändern: In den USA muss bis Ende des Jahres die Notruffunktion aller neuen Handys überall mit einer automatischen Ortung möglich sein.

Dazu hat Fujitsu Microelectronics nun gemeinsam mit Global Locate einen schnellen, hochempfindlichen Low-Power-Empfängerchip entwickelt, mit dem die Mobiltelefone GPS-Signale erstmals auch innerhalb von Gebäuden empfangen können. Nur elf Euro soll der neue Wunderchip kosten. "Bisher ist kein anderer GPS-Empfänger zu einem Indoor-Betrieb fähig", sagt der Vizepräsident von Fujitsu Microelectronics America, Keith Horn, stolz.

Selbst in Häuserschluchten wird das Signal empfangen

Ein anderes Problem hat der amerikanische Hersteller Sirf Technology gemeinsam mit Intel in den Griff bekommen. "Der GPS-Empfang ist in den Häuserschluchten amerikanischer Städte kaum möglich", sagt Kanwar Chadha, Gründer des Unternehmens in Kalifornien. Mit dem neuen Chip können GPS-Signale in Zukunft nicht nur in den engen Straßen der Großstädte, sondern auch durch dichte Bäume in Parks empfangen werden.

Die mobilen Navigationsgeräte könnten in den nächsten Jahren vor allem lokalen Diensten zum Durchbruch verhelfen, sagt Analyst Charles Golvin von Forrester Research. "Es besteht kein Zweifel daran, dass die Lokalisierungsfunktion den Wert bereits existierender Dienste deutlich steigern wird", sagt Golvin. Die GPS-Daten sind genauer als die Standortbestimmung per Mobilfunk und daher könnten Dienste gezielter angeboten werden.

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