Elektronische Augen lassen Blinde sehen
Forscher entwickeln lernfähige Sehprothese

Blinde, die ihr Sehvermögen durch eine Netzhauterkrankung verloren haben, können hoffen: Mit einer neuen lernfähigen Sehprothese sollen sie künftig wenigstens Form und Position größerer Gegenstände erkennen und so selbstständiger leben.

lex BONN. Ein entsprechendes Forschungsprojekt, an dem verschiedene deutsche Wissenschaftler-Teams beteiligt sind, wird heute möglichen Industriepartnern auf einer Tagung in Bonn vorgestellt. Das so genannte Retina Implant besteht aus einer Hightech-Brille, in die eine winzige Videokamera und ein Encoder integriert sind. Der Encoder rechnet die Bildinformationen in nerventaugliche Signale um und sendet sie an einen Empfängerchip in der Augenlinse. Eine spezielle Folie stimuliert hier die zum Sehnerv führenden Nervenzellen.

Die Sehprothese zeichnet sich durch Lernfähigkeit aus: Mit einem Training soll sich die Sehwahrnehmung optimieren lassen. Im April hatte bereits ein portugiesischer Neurochirurg ein Verfahren getestet, bei dem Blinden "elektronische Augen" implantiert werden. Auf diese Weise sollen die Patienten zumindest teilweise ihr Augenlicht zurückerhalten. Bei der Operation war die für die Erzeugung von Bildern verantwortliche Gehirnpartie der Patienten über 16 Elektroden mit einem Mini-Computer verbunden worden, der an eine Miniaturkamera angeschlossen ist.

Über eine brillenähnliche Konstruktion könnten sich die Blinden nunmehr zumindest in Räumen orientieren und die Umrisse von Objekten erkennen, sagte der ausführende Chirurg Joao Lobo Antunes der der portugiesischen Tageszeitung "Diario de Noticias".

Es gebe bei dem Verfahren allerdings noch Verbesserungsbedarf. So sei das Infektionsrisiko bei dem Eingriff noch nicht vollkommen abzuschätzen. Das amerikanische Dobelle-Institut will das elektronische Auge nach eigenen Angaben mit eigenen Operationen weiterentwickeln. Eine Operation kostet bislang ungefähr 80 000 Euro.

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