Elektronische Handelsplattformen Atriax und FXall vor dem Start
Online-Handel hält Einzug im Devisengeschäft

Vor wenigen Tagen begann der Probelauf des Handelssystems Atriax. Damit wollen Banken ab Sommer ihren Kunden Online-Devisengeschäfte anbieten. 65 Institute wollen das Systen nutzen.

FRANKFURT/M. Im Aktien- und Bondhandel sind elektronische Handelsplattformen schon seit längerem Mode - jetzt hält das Internet auch im Devisengeschäft Einzug, dem mit einem täglichen Handelsvolumen von 1,5 Bill. $ größten Finanzmarkt der Welt. Vor wenigen Tagen begann der Probelauf des Handelssystems Atriax, auf dem ab Sommer Banken ihren Kunden Online-Devisengeschäfte anbieten. Die 65 Banken, die nach Angaben von Atriax-CEO Daniel Morehead die Plattform nutzen wollen, kontrollieren etwa zwei Drittel des globalen Devisengeschäfts. Zu den Gründungsmitgliedern zählen mit der Deutschen Bank, Chase Manhattan und Citibank die drei größten Devisenhändler der Welt. Der Kommunikationskonzern Reuters will Nachrichten und Kursinformationen beisteuern. Als Kunden sollen Investmentfonds, Hedge Fonds, Versicherungen sowie Industriekonzerne gewonnen werden. An dem Projekt beteiligt sind unter anderem Microsoft, Cisco und General Electric.

Im Gegensatz zum Interbanken-Handel, der bereits heute größtenteils elektronisch erfolgt, steckt der Einsatz moderner Kommunikationstechnologien im Geschäft zwischen Banken und ihren Kunden noch in den Kinderschuhen. Morehead schätzt den Anteil elektronischen Handels in diesem Bereich auf rund 5 %, andere Experten beziffern ihn auf das Doppelte. "In wenigen Jahren dürfte rund ein Drittel des Handels elektronisch abgewickelt werden", gibt sich Morehead gegenüber dem Handelsblatt zuversichtlich.

Online-Handel ist billiger als der Telefonhandel Vor allem dank einer automatisierten Bestätigung und Abrechnung sei der Online-Handel schneller und billiger als der Telefonhandel. Zudem erhalte der Kunde einen schnellen Preisüberblick, weil er die Angebote verschiedener Banken auf einem Bildschirm sehe und zudem noch mit Research versorgt werde. Geeignet sei der Internet-Handel in erster Linie für Orders in einer Größenordnung von 1 oder 2 Mill. Euro. "Die großen Geschäfte mit einem Volumen von 100 Mill. Dollar werden weiter über das Telefon laufen", glaubt Morehead, der früher bei dem Hedgefonds Tiger Management arbeitete.

Atriax ist zwar der größte, aber nicht der einzige Versuch zum Aufbau einer so genannten "Multi-Banken-Plattform" im Devisenhandel. Schon seit einiger Zeit drängen diverse Anbieter auf den neuen Markt. Die bekanntesten sind Currenex und FX Connect. Letztere gehört zur amerikanischen State Street Bank, Currenex wurde unabhängig von der Finanzindustrie als Internet-Start-up gegründet. Als vermutlich härtester Rivale von Atriax dürfte sich aber die Plattform FXall entpuppen, hinter der unter anderem Morgan Stanley Dean Witter, Goldman Sachs und Credit Suisse stehen. Nach Angaben von FXall-CEO Phil Weisberg wollen über 40 Banken mitmachen. Ursprünglich sollte FXall bereits im ersten Quartal dieses Jahres anlaufen. Dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Gegenüber dem Handelsblatt zeigt sich Weisberg optimistisch, dass der Startschuss nun in einigen Wochen erfolgen werde. Auch deutsche Firmen springen auf den E-Commerce-Zug auf. So wollen auf Atriax unter anderem die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank und die Bayerische Landesbank handeln

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Experten: Nur wenige Anbieter haben Chancen Auf Kundenseite ist Siemens Financial Service (SFS) dabei, die als Treasury für die Siemens AG tätig ist. SFS, die jährlich über 15 000 Devisengeschäfte für Siemens abwickelt, beteiligt sich bereits am Atriax-Probelauf. "E-Business ist das Thema der Zukunft, und wir möchten es mitgestalten", begründet Dieter Musielak, Head of Financial Markets, das Engagement. Allerdings setzt SFS nicht nur auf die Multi-Banken-Plattform. Exklusiv mit der britischen Barclays Bank lief vor wenigen Tagen ein internetbasiertes Devisenhandelsmodell namens "FX Trader" an.

Mit dem System sollen die einzelnen Konzernbereiche ihre Devisengeschäfte künftig per Knopfdruck abwickeln. Gedacht ist das System vor allem für kleinere Geschäfte mit einem Volumen von bis zu 3 Mill. $. Größere Transaktionen sollen künftig über Atriax laufen - allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze. "Bei Transaktionen über 50 Mill. Euro greife ich doch lieber zum Telefon - denn hier ist persönliche Beratung entscheidend", meint Dieter Musielak.

Aber nicht nur die Industrie fährt beim Devisengeschäft mehrgleisig sondern auch die Banken. Zum einen tummeln sich manche Kreditinstitute gleichzeitig auf mehreren Online-Marktplätzen. Zum anderen treten sie in Konkurrenz zu eigenen Plattformen, auf denen sie exklusiv mit ihren Kunden handeln. Die Konzentration auf eine Bank dürfte laut Fachleuten vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen ein gangbarer Weg sein. Die Großkunden dagegen müssen ihre Devisengeschäfte auf mehrere Banken verteilen, um das Risiko zu streuen.

Finanzexperten unkten ohnehin schon vor dem Start von Atriax und FXall, dass sich möglicherweise bald zu viele Plattformen auf dem Markt tummeln werden. Die besten Chancen räumen Finanzkreise der Plattform ein, die das höchste Handelsvolumen auf sich zieht. "Vermutlich werden allenfalls zwei oder drei Anbieter überleben", meint Dieter Musielak. Dessen ungeachtet denkt Atriax über eine Angebotsausweitung nach: Ende des Jahres sollen neben Devisen auch Geldmarktprodukte gehandelt werden.

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