Elektronische Sprachverarbeitung
Lernout & Hauspie lebt

Unter dem neuen Inhaber ScanSoft werden die Sprach-Produkte von Lernout & Hauspie weiterentwickelt - allerdings unter leicht verändertem Vorzeichen.

Etwas bescheidener ist er schon, der Stand von ScanSoft auf der Cebit (Halle 6 / B04) - verglichen mit den Bauten der belgischen Sprachverarbeitungsfirma Lernout & Hauspie in den Jahren zuvor. Doch das ist Geschichte. Lernout & Hauspie legten eine der spektakulärsten Konkurse der IT-Branche hin und wurden Ende letzten Jahres verkauft. Die Kernbereiche Spracherkennung, Sprachsynthese und Automotiv/Mobility gingen für etwas mehr als 20 Millionen Dollar an die amerikanische ScanSoft - einem Hersteller von Scan-Software und Texterkennung (OCR).

Und doch sieht man auf dem Scansoft-Stand zahlreiche alte Bekannte von L&H. Von den damals weltweit rund 450 Mitarbeitern hat ScanSoft rund 230 übernommen. Allerdings wird das Produktmanagement in Brüssel und die Entwicklung in Ypern zusammenziehen. Künftig gibt es nur noch einen belgischen Standort - und zwar in Gent.

Zwei neue Produkte kann ScanSoft von der Cebit melden:

  • Die Diktatsoftware von Dragon (Naturally Speaking), einer früheren Erwerbung von L&H, und das hauseigene VoiceXPress verschmelzen zu einem Produkt. Es ist seit zwei Monaten auf dem Markt und trägt den Namen Dragon Naturally Speaking 6.0. Darin sind die Spracherkennung von Naturally Speaking und die akustische Benutzerführung von VoiceXPress kombiniert.
  • Der PDSay ist eine akustische Benutzeroberfläche für Taschencomputer. Per Zuruf liest er beispielsweise die letzten E-Mails vor. Die Bedienung soll unabhängig vom Sprecher funktionieren. Derzeit ist PDSay nur auf englisch zu haben. Je nach Zuspruch auf der Cebit ist aber auch eine deutsche Version geplant. Die alten Pläne von L&H, einen eigenen PDA ganz ohne Tasten und Display auf den Markt zu bringen, sind damit gestorben.

Und wer braucht diese Software? Normale PDAs lassen sich per Taste und Stift viel einfacher bedienen. In zwei Bereichen gibt es aber große Marktchancen. Zum einen bei Handys, die zwar immer leistungsfähiger werden, aber gleichzeitig wenig Platz für Tastatur und Bildschirm haben. Zum anderen bei Autos. Und folgerichtig ist die akustische Benutzerführung von ScanSoft Teil von Windows CE for Automotive 3.5. Im Citroen C5 wird sie bereits eingesetzt.

Weitere Neuigkeiten aus dem Hause ScanSoft: Das von Experten hochgelobte Sprachsyntheseprogramm RealSpeak wird von Philips, einem Wettbewerber im Bereich der Spracherkennungssysteme, lizensiert und in die eigenen Produkte eingebaut.

Alles beim alten also? Nicht ganz. "ScanSoft ist sehr produktorientiert", sagte Sprecherin Vanessa Richter auf der Cebit. Soll heißen: Weniger ehrgeizige Grundlagenforschung. Die Bereiche Übersetzungen und Inhalte-Verwaltung gehören nicht mehr zum Unternehmen. Sie wurden von anderen Wettbewerbern ersteigert. Die Pläne, eine Software zu bauen, die Sprache nicht nur erkennt, sondern auch versteht, sind damit in weitere Ferne gerückt.

Und statt dessen? "ScanSoft hat gute Beziehungen zu den großen Kopierer-Herstellern", so Richter. Das lässt erwarten, dass künftig auf Kopierer eine Sprachsteuerung erhalten-für diejenigen, die sich mit ihrem Auto auf dem Weg zu Arbeit noch richtig aussprechen konnten.

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