Elektronischer Marktplatz für Gewerbekunden – Rechenzentren kooperieren
Sparkassen einigen sich auf Online-Broker

Nach langen Diskussionen haben sich die Sparkassen auf einen einheitlichen Internet-Aufritt für das E-Banking geeinigt. Dabei wich die Organisation erstmals vom Einstimmigkeitsprinzip ab.

mhm BERLIN. Die deutschen Sparkassen reagieren mit einem einheitlichen Internet-Aufritt auf die Marktveränderungen durch das E-Banking. Insbesondere private Banken haben mit der Gründung von Direktbanken in den letzten Jahren einen hohen Zulauf von Kunden verzeichnet, die ihre Geld- und Wertpapiergeschäfte preisgünstig auch außerhalb der Öffnungszeiten der klassischen Filialen abwickeln wollen. Die Sparkassen, die bei Privatkunden einen Marktanteil von über 50 % halten, wollen dem mit gemeinsamen Internet-Aktivitäten und einem Online-Broker begegnen.



Der soll nach Angaben eines DSGV-Sprechers spätestens im Frühjahr 2001 am Markt sein. Der einheitliche Internet-Aufritt unter "www.Sparkasse.de" wie auch ein für Geberbetreibende geplanter elektronischer Marktplatz sollen bis Ende dieses Jahres freigeschaltet sein. Die Investitionskosten werden auf 870 Mill. DM veranschlagt. Davon soll allein der Broker rund 250 Mill. DM kosten, hieß es in Kreisen der Organisation.



Die notwendigen, auch gesellschaftsrechtlichen, Beschlüsse hat der Vorstand des Deutschen Sparkassen und Giroverbands (DSGV) am Montagabend gefasst. Von weit reichender sparkassenpolitischer Bedeutung dürfte die Tatsache sein, dass das Gremium erstmals einen Beschluss lediglich mit der Mehrheit der im Vorstand beteiligten Regionalverbände und Kommunalvertreter gefasst hat. Bisher habe man im Vorstand Beschlüsse einstimmig oder mit übergroßer Mehrheit gefasst, hieß es.



Wie erwartet, konnten sich nicht alle Regionalverbände und Kommunalvertreter mit den Plänen für ein bundesweites Brokerage anfreunden. Im Umfeld des DSGV-Vorstands hieß es, neben Westfalen, Bayern und Württemberg habe auch der Ostdeutsche Verband gegen den Beschluss gestimmt. Ihnen wird aber die Möglichkeit eingeräumt, sich später an dem gemeinsamen Broker zu beteiligen.



In der lange strittigen Frage, wo die Geld- und Verrechnungskonten für die Wertpapierdepots der Online-Bank liegen, wurde ein Kompromiss gefunden. Demnach "können" diese Konten bei den Sparkassen bleiben. Entscheidend sei aber letztlich der Wunsch des Kunden. So dürften etwa neu gewonnene Kunden ihr Girokonto vermutlich eher bei der Direktbank halten wollen, hieß es beim DSGV. Ausdrücklich wird in dem Beschluss festgehalten, dass der Online-Broker ein "Profit-Center" sei. Damit hebt er sich gegen andere, als Service-Center geltende Einrichtungen ab, was bei einigen Sparkassen zu Sorgen führt, dass der Broker unter ihren Kunden "wildern" könnte.



Den Sparkassen wurde zugesichert, dass sie beim "Cross-Selling" berücksichtigt würden, die Online-Bank also bei der Werbung für Produkte aus dem Sparkassenverbund an die lokal zuständige Sparkasse verweisen werde. An dem Broker werden die DGZ-Deka-Bank mit 25,1 %, die Regionalverbände der Sparkassen mit 74,9 % beteiligt. Damit sind Einflussnahme wie Gewinnbeteiligung der Sparkassen sichergestellt.



Offen blieb zunächst, wie die Sparkassenorganisation den geplanten Online-Vertrieb von Immobilienfinanzierungen und Versicherungen gestalten wird. Entsprechende Beschlüsse sollen in den kommenden Monten gefasst werden.



Damit die Sparkassen künftig ihre Produkte über Filialen und das Internet (Multikanal-Strategie) kostengünstig anbieten können, soll schnellstmöglich ein neuer Provider gegründet werden. Daran werden sich alle Rechenzentren der Organisation, S-Buchen-Kooperationspartner wie dvg Hannover, beteiligen. Als "Interessenklammer" der Sparkassen-Organisation werde vermutlich die DGZ-Deka-Bank einen Anteil von 20 % übernehmen.



Auf die innerhalb der Sparkassen-Welt debattierte Frage, wie viel Regionalität das Internet noch zulasse, soll eine Arbeitsgruppe Antworten bis zum Sparkassentag 2001 ausarbeiten. Ziel sei es, sich der entwickelnden E-Commerce-Wirtschaft zu stellen, zugleich aber an den Prinzipien der Sparkassenorganisation (Dezentralität, Subsidiarität, Regionalprinzip) festzuhalten.

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