Elektronisches System soll mitverantwortlich für Unglück gewesen sein
Siemens wegen Kaprun-Katastrophe in New York verklagt

Neun Monate nach dem Gletscherbahn-Unglück im österreichischen Kaprun mit 155 Toten ist in den USA eine Millionen-Klage gegen Siemens eingereicht worden. Angehörige werfen dem Konzern vor, die Bahn mit mangelhaften elektrischen Installationen ausgerüstet zu haben

dpa MüNCHEN. Neun Monate nach dem Gletscherbahn-Unglück im österreichischen Wintersportort Kaprun mit 155 Toten ist nach einem Zeitungsbericht in den USA eine Millionen-Klage gegen Siemens eingereicht worden. Angehörige von US-Bürgern, die bei dem Tunnelbrand ums Leben kamen, werfen dem Konzern vor, die Bahn mit mangelhaften elektrischen Installationen ausgerüstet zu haben, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). Siemens hat die Klageschrift nach eigenen Angaben noch nicht erhalten.

"Diese Brandkatastrophe wird den Absturz der französischen Concorde als geradezu billig erscheinen lassen", sagte demnach der Anwalt der Kläger, Ed Fagan. Fagan schätzt den Streitwert auf mehrere 100 Mill. $. Bei dem Unglück am 11. November 2000 waren auch insgesamt acht US-Bürger ums Leben gekommen.

Siemens wehrt sich gegen Vorwürfe

"Wir halten die Vorwürfe für unbegründet", erklärte ein Siemens-Sprecher in München. Man sei überzeugt, dass die Siemens-Teile für die Gletscherbahn "ordnungsgemäß" übergeben worden seien. Siemens habe unter anderem Batterien, Ladegeräte und Steuerpulte für die Bahn in Kaprun geliefert. Zudem betonte der Sprecher, dass bislang noch keine Klageschrift eingegangen sei.

Nach Angaben der Zeitung erheben die US-Kläger unter anderem folgende Vorwürfe gegen Siemens: Das elektrische System sei zumindest mitverantwortlich für den Ausbruch des Feuers gewesen. Zudem habe die Elektronik versagt, weil sich die Türen der Zugseilbahn nicht öffnen ließen und die Bahnbegleiter nicht mit der Außenwelt kommunizieren konnten. Auch sei der Tunnel nicht beleuchtet gewesen. Ohne diese Fehlleistungen hätten sich viele Opfer retten können, sagte Fagan weiter. Siemens gehöre zu den Hauptverantwortlichen, befand der Anwalt.

Erst vor wenigen Tagen hatte die österreichische "Kronen Zeitung" berichtet, dass wahrscheinlich ein überhitzter Heizstrahler in einem Waggon der Unglücksbahn die Katastrophe ausgelöst habe. Dies gehe aus einem Gutachten im Auftrag der Salzburger Staatsanwaltschaft hervor, berichtete das Blatt. Demnach hatte der im Fußraum installierte Heizstrahler eine Plastikleitung in Brand gesetzt, die das Hydrauliksystem mit dem Druckmesser im Führerstand verband. Bei dem Brand waren auch 37 Deutsche ums Leben gekommen.

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