Elektronisches Ticket vereinfacht Fahrt mit Bus und Bahn
Fahrpreis wird vom Konto abgebucht

Ein bundesweites elektronisches Ticketsystem soll den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Der Preis für die Fahrten mit Bus und Bahn wird künftig individuell erfasst und vom Konto abgebucht.

KÖLN. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) arbeitet an einem technischen System, das ein bundesweit einheitliches, so genanntes E-Ticket ermöglichen soll. Dabei kooperiert er mit mehreren Unternehmen und dem Fraunhofer für Verkehrs- und Infrastruktursysteme. -Institut "Ziel ist ein Datenstandard, der es erlaubt, das elektronische Fahrgeldmanagement aller deutschen Verkehrsbetriebe miteinander zu verknüpfen", sagt Adolf Müller-Hellmann, Hauptgeschäftsführer des VDV. Bei allen 530 Verkehrsunternehmen sollen die Fahrgäste dabei spezielle Chiptickets kaufen können, die von einem kontaktlosen Lesesystem erkannt werden.

Automatisch kann die tatsächlich gefahrene Strecke per Funkstrahlen erfasst und abgerechnet werden, der Fahrpreis wird direkt vom Konto des Fahrgastes abgebucht. Das Lesegerät und der Chip im E-Ticket kommunizieren bei dem neuen System elektromagnetisch. Für die Chip-Technologie ist Infineon verantwortlich, zu den weiteren Partnern gehören Siemens, die Deutsche Bank und T-Systems. Die Kosten für das Projekt werden vom VDV auf rund 4,25 Mill. Euro geschätzt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung übernimmt davon 2,4 Mill. Euro.

"Die Chips werden die Daten auch dann zuverlässig und schnell übermitteln, wenn in Stoßzeiten mehrere Tickets gleichzeitig zu entwerten sind", sagt Ingo Susemihl, Leiter des Bereiches Contactless Systems bei Infineon. Der Ticket-Chip müsse dabei nicht unbedingt auf einer Chipkarte befestigt sein - er lasse sich auch in eine Armbanduhr oder einen Schlüsselanhänger einbauen.

Der VDV verspricht sich von dem bundesweiten E-Ticket-System neue Kunden. "Gerade Gelegenheitsfahrgäste werden heute durch komplizierte Verkaufsverfahren davon abgehalten, öfter Busse und Bahnen zu benutzen", sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Müller-Hellmann. Bei dem zukünftigen System würden Fahrgäste einfach ohne Ticketkauf einsteigen - und das einmal erworbene E-Ticket wäre in jedem deutschen Ort gültig.

Auch die Situation der Verkehrsbetriebe kann laut Müller-Hellmann durch ein solches System verbessert werden. Die Kosten für den Umgang mit Bargeld entfielen, und es seien flexiblere Tarife möglich. So könnten etwa in Stoßzeiten höhere Tarife als nachts abgebucht werden.

"Die Herausforderung besteht darin, einen von allen anerkannten Standard zu entwickeln, um die Brücke zwischen den heute sehr unterschiedlichen Tarifsystem-Welten der unabhängigen Verkehrsunternehmen zu schlagen", sagt Ingo Susemihl von Infineon. "Die Projektpartner haben bei diesem Vorhaben die einmalige Chance, eine Grundlage für ähnliche Projekte in ganz Europa zu schaffen."

Dass kontaktlose Ticketsysteme im Alltagsleben funktionieren und von den Fahrgästen angenommen werden, zeigen Praxistests. So probierten in Berlin im Jahr 2000 mehr als 25 000 Fahrgäste ein so genanntes "Check-in/Check-out-System" aus. Dabei müssen die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen ihre Chipkarte an einer Säule in einen Funkstrahl halten. Noch komfortabler war das "Easyride"-Abrechnungssystem, das im vergangenen Jahr in der Schweiz getestet wurde. Bei diesem "Be-in/Be-out-System" muss das Ticket gar nicht ausgepackt werden. Ein Funk-Lesegerät in Bussen und Bahnen erfasst automatisch, wie lange sich ein Reisender in einem Fahrzeug aufhält.

Erste Pilotversuche für das VDV-Projekt sollen noch in diesem Jahr starten. "Voraussichtlich wird es in Berlin eine Ausschreibung für ein entsprechendes Projekt geben", sagt Müller-Hellmann. Und in Dresden sei für 2003 ein Großversuch mit 20 000 Testkunden geplant. Dann sollen alle neuen Nahverkehrszüge mit einem Be-in/Be-out-System ausgerüstet werden. Für die endgültige Einführung der E-Tickets hat sich die Projektgruppe ein ganz bestimmtes Datum gesetzt: Spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll das System in ganz Deutschland einsatzbereit sein und den zu erwartenden Fahrgast-Ansturm bewältigen.

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