Elf Mitgliedern werden zahlreiche Delikte vorgeworfen
"Hells Angels" vor Gericht

dpa DÜSSELDORF. Elf Mitglieder des mächtigsten Rockerclubs der Welt, der "Hells Angels", müssen sich seit Freitag wegen zahlreicher Straftaten vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Rockern neben der Bildung einer kriminellen Vereinigung illegalen Besitz von Waffen und Sprengstoff vor, zudem Raub, Nötigung, Bedrohung und Diebstahl.

Zum Prozessauftakt kündigten zwei Verteidiger einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht an. Zudem warteten die Anwälte mit einer Flut von Anträgen auf. Sie monierten die Sitzordnung, die Sicherheitskontrollen sowie die Meldepflicht und die Kontaktsperre der Angeklagten. Die Angeklagten im Alter von 32 bis 44 Jahren sollen dem "Charter Düsseldorf" rpt. "Charter Düsseldorf" der weltweiten Rocker-Organisation angehören. Der Düsseldorfer Ableger der "Hells Angels" war vor kurzem verboten worden.

Prozess steht unter starkem Polizeischutz

Der Prozess findet unter starkem Polizeischutz und strengen Sicherheitskontrollen in einem bunkerartigen Gerichtssaal statt. 22 Verhandlungstage sind angesetzt, 83 Zeugen sollen gehört werden. Mit einem Urteil wird nicht vor Mai gerechnet.

Der 44-jährige Präsident des straff und autoritär organisierten Clubs soll zwei Mal eine Frau vergewaltigt haben. Ein Clubtreffen auf dem festungsartig gesicherten Vereinsgelände feierten mehr als 100 Rocker aus dem ganzen Bundesgebiet 1999 nach den Erkenntnissen der Ermittler unter einer Hakenkreuzfahne.

Schusswaffenbesitz sei Pflicht gewesen, die Ausfahrten der Rocker dienten als Machtdemonstration. Auf ihren Kutten sei der Rang in der Rocker-Hierarchie genau zu sehen gewesen. Abweichler mussten mit Todesdrohungen rechnen, sogar die Unterstützung inhaftierter "Höllenengel" sei geregelt worden, ebenso die Wahl der Rechtsanwälte von einer speziellen Liste, sagte die Staatsanwaltschaft.

Einen Düsseldorfer Motorradhändler hätten die Rocker durch systematische Schikanen und Drohungen zur Aufgabe gezwungen. Bei einem Konzert der früher als rechtslastig geltenden Rockgruppe "Böhse Onkelz" seien sie bewaffnet als Ordner aufgetreten.

Razzia mit 900 Polizisten

Im Dezember 1999 hatten 900 Polizisten das Hauptquartier der Düsseldorfer "Hells Angels" und Wohnungen der Mitglieder gestürmt. Bei der Razzia fand die Polizei auf dem Clubgelände zahlreiche Waffen, darunter so genannte Pump-Guns und halbautomatische Gewehre. In einem Erd-Depot hatten die Rocker reichlich Munition gehortet.

Vor wenigen Tagen hatten erneut 300 Beamte das Gelände durchsucht, um das Verbot des Vereins zu vollstrecken. Nach Angaben des Landeskriminalamts in Düsseldorf sind in Deutschland 40 Gruppen mit 700 Mitgliedern den "Hells Angels" zuzuordnen.

Die Düsseldorfer "Hells Angels" hätten sich zum Ziel gesetzt, den kriminellen Markt im Großraum Düsseldorf mit Teilen des Niederrheins bis zum Ruhrgebiet sowie den Bereich um Wuppertal zu kontrollieren, so der Staatsanwalt.

In den 90er Jahren tobte ein Krieg der Rockerbanden "Hells Angels" und "Bandidos" in Skandinavien. Zahlreiche Menschen starben oder wurden verletzt. In Deutschland trat 1999 die zweitmächtigste Rockergruppe "MC Bones" den "Hells Angels" bei. Auch die Düsseldorfer Gruppe der "Höllenengel" besteht zu einem erheblichen Teil aus ehemaligen "Bones"-Rockern. Ein Teil der Straftaten soll sich in dem Zeitraum ereignet haben, als die Rocker noch als "Bones" auftraten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%