Elfte Zinssenkung in Folge
US-Notenbank senkt Leitzinsen auf 1,75 Prozent

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Dienstag erwartungsgemäß zum elften Mal in diesem Jahr die Leitzinsen gesenkt und nach Einschätzung von Analysten die Bereitschaft für zumindest einen weiteren Schritt signalisiert.

rtr WASHINGTON. Die Fed nahm den entscheidenden Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte auf 1,75 % zurück, womit das Zinsniveau so niedrig ist wie seit 1961 nicht mehr. Die Fed begründete die Zinsrücknahme mit anhaltenden Konjunkturrisiken, die auf eine weitere Abschwächung der weltweit größten Volkswirtschaft hindeuteten. Damit hätten sich die Währungshüter die Tür für eine erneute geldpolitische Lockerung Anfang 2002 offen gehalten, sagten Experten. Sie rechnen für Januar mit dem vorerst letzten Schritt der Fed. Die US-Finanzmärkte reagierten verhalten auf den Zinsschritt. Aktien und Staatsanleihen zogen zunächst an, gaben ihre Gewinne dann aber wieder ab.

"Die wirtschaftliche Aktivität bleibt weiter schwach", teilte die Fed nach ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr mit. Zudem werde die Inflation wahrscheinlich weiter zurückgehen. "Das signalisiert, dass sie eindeutig die Tür für mindestens eine weitere Zinssenkung offen halten", sagte Tim O'Neill, Chefvolkswirt der Bank of Montreal. Bereits für Januar erwartet Ward McCarthy von Stone & McCarthy Research Associates eine weitere Rücknahme des Schlüsselzinses um 25 Basispunkte. "Die bittere Realität ist, dass wir noch immer nicht wissen, ob die Wirtschaft aus der Rezession heraus ist", sagte er. Die Fed sei zu weiteren Schritten bereit, doch habe sie bei einem Realzins - Nominalzins abzüglich der Inflationsrate - von weniger als null Prozent kaum mehr Handlungsspielraum.

Analysten hatten im Herbst für 2001 eine Jahresteuerung in den USA von 2,8 % und für 2002 von 2,1 % prognostiziert. Der als Befürworter einer straffen Geldpolitik geltende Fed-Gouverneur Laurence Meyer hatte jüngst gesagt, die Fed könne für eine gewisse Zeit sogar negative Realzinsen akzeptieren.

Die Fed teilte weiter mit, sie sehe drei Monate nach den Anschlägen vom 11. September erste zaghafte Anzeichen für eine Nachfrageerholung. "Damit lieferte die Fed zum ersten Mal seit geraumer Zeit wieder einen Hoffnungsschimmer", sagte David Jones, Chefvolkswirt von Aubrey G. Lanston. Angesichts dieses optimistischeren Ausblicks sei nach einer möglichen weiteren Zinssenkung im Januar ein Ende des gegenwärtigen Zyklus zu erwarten. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwartet auch der überwiegende Teil der Händler von US-Staatsanleihen für Januar die vorerst letzte Zinssenkung in den USA. 19 von 24 kurz nach der Zinssenkung befragten Händlern sagten für das nächste Fed-Treffen am 29./30. Januar 2002 einen weiteren Schritt um einen Viertel Prozentpunkt voraus.

Für den weiteren Verlauf von 2002 rechnet aber keiner der befragten Händler mit einer erneuten geldpolitischen Lockerung. Scott Grannis von Western Asset Management hält dagegen noch weitere Schritte für möglich, sollten die kommenden Konjunkturdaten auf eine anhaltende wirtschaftliche Talfahrt hindeuten.

Die Fed senkte auch den eher symbolischen Diskontsatz um 25 Basispunkte auf 1,25 %. Zur Unterstützung der US-Wirtschaft, die Analysten zufolge bereit seit Frühjahr in einer Rezession steckt, hat die Notenbank den Schlüsselzins in diesem Jahr insgesamt um 4,75 Prozentpunkte heruntergeschraubt. Die ersten US-Banken folgten am Dienstag der Fed und nahmen die Kreditzinsen für ihre Kunden hoher Bonität (prime rates) ebenfalls um 25 Basispunkte zurück.

An den Finanzmärkten waren zuletzt nach einigen überraschend starken US-Daten wie dem Index der US-Einkaufsmanager (NAPM) für die Dienstleistungsbranche Hoffnungen auf eine rasche Erholung der US-Konjunktur aufgekommen. Dagegen hatte einige Fed-Gouverneure vor zu großem Optimismus gewarnt und auf die derzeit noch zu unsichere Datenlage verwiesen. So war die Erwerbslosenquote im November stärker als von Analysten erwartet auf 5,7 % geklettert und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,1 % geschrumpft nach einem Plus von 0,3 % im Vorquartal.

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