Elizabeth Bowes-Lyon verschaffte der Krone neuen Glanz
Queen Mum: Von Hitler gefürchtet, vom Volk geliebt

"Die gefährlichste Frau Europas" - so wurde sie einmal von Adolf Hitler bezeichnet, weil sie für die Briten im Zweiten Weltkrieg zum Symbol des Widerstands gegen den deutschen Nationalsozialismus geworden war. Jahrzehnte danach galt die "Queen Mum" noch immer als das beliebteste Mitglied der Königsfamilie. Mit ihrem Tod am Samstag im Alter von 101 Jahren ist nunmehr eine bedeutende Epoche der britischen Monarchie zu Ende gegangen.

wiwo/ap FRANKFURT/LONDON. Als Elizabeth Bowes-Lyon 1923 den zweiten Sohn von König Georg V. heiratete, hätte die Tochter eines schottischen Earls wohl kaum erwartet, dass sie einmal an der Seite ihres Mannes Königin sein würde. Doch nach der Abdankung seines älteren Bruders im Dezember 1936 wurde Prinz Albert in die Pflicht genommen. Noch heute ist die britische Öffentlichkeit davon überzeugt, dass er seinem Amt niemals gewachsen gewesen wäre ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Frau. Sie selbst bezeichnete die Thronbesteigung einmal als "unerträgliche Ehre".

Eduard VIII. hatte die Krone aufgegeben, um die zwei Mal geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten, denn dies war ihm als Monarchen und gleichzeitigem Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche von der Verfassung her verwehrt. Sein Schritt stürzte das Land in eine tiefe Krise und fügte dem Ansehen der Monarchie größten Schaden zu. Seine Schwägerin Elizabeth hat ihm dies nie verziehen. "Wie konnte er sich nur seiner Verantwortung entziehen - für so eine Frau", soll sie einmal geäußert haben.

Nachdem ihr diese Verantwortung nun selbst zugefallen war, trug sie maßgeblich dazu bei, die angeschlagene Monarchie wieder zu festigen. Ihr Mann "Bertie", der als Georg VI. den Thron bestieg, war von jeher unsicher und gehemmt und stotterte zudem. Elizabeth sorgte jedoch dafür, dass er seine Schwächen weitgehend überwand. Zugleich gab sie mit ihrer natürlichen Art dem abgeschotteten britischen Königshaus ein neues sympathisches Image. Schon bald erfreute sich das Königspaar einer bislang einmaligen Popularität.

Diese steigerte sich noch im Zweiten Weltkrieg. Entgegen den Empfehlungen der Regierung, sich auf einen sicheren Landsitz zurückzuziehen, blieben Georg und Elizabeth im Buckingham-Palast. Regelmäßig besuchten sie die Ausgebombten im Londoner Arbeiterviertel East End und sprachen ihnen Mut zu. Auch ein Luftangriff auf ihre eigene Residenz konnte die Königin nicht erschüttern - im Gegenteil: "Ich bin froh, dass auch der Buckingham-Palast bombardiert wurde. Nun kann ich dem Londoner East End ins Gesicht sehen."

Humorvoll und verschwenderisch

Der als Kettenraucher bekannte Georg VI. starb im Februar 1952 an Lungenkrebs. Auf den Thron folgte seine älteste Tochter als Elizabeth II. Der offizielle Titel der Witwe lautete fortan "Königin Elizabeth die Königinmutter", doch für die Öffentlichkeit war sie schlicht die "Queen Mum". Als solche erfreute sie sich bis an ihr Lebensende ungebrochener Beliebtheit - selbst zu Zeiten, als die Eheskandale im Hause Windsor die britische Monarchie in die zweite schwere Krise des 20. Jahrhunderts stürzten.

Es begann mit der Scheidung der im Februar verstorbenen zweiten Tochter der "Queen Mum", Margaret, die in den 70er Jahren auch wegen einer Affäre mit einem zwölf Jahre jüngeren Playboy für Schlagzeilen sorgte. Rund zwei Jahrzehnte später wurden die Eheprobleme ihrer Enkel Anne und Andrew, vor allem aber von Thronfolger Charles in den Medien genüsslich ausgeschlachtet. Erstmals begann rund die Hälfte der Briten an der Monarchie zu zweifeln.

Die Königinmutter hat sich zu all dem ebenso wenig geäußert wie zu politischen Fragen - obwohl bekannt ist, dass sie die frühere konservative Premierministerin Margaret Thatcher bewunderte. In ihrer pastellfarbenen Garderobe ging sie weiterhin ihren repräsentativen Funktionen als Schirmherrin unzähliger Wohltätigkeitsorganisationen nach. Die "Queen Mum" wurde zum Inbegriff für das sympathische Antlitz der Königsfamilie, welche in Eiseskälte erstarrt zu sein schien.

Allseits geschätzt war ihr Humor. Als sie sich 1982 einer Notoperation wegen einer verschluckten Fischgräte unterziehen musste, sagte die begeisterte Sportanglerin: "Nach all den Jahren haben sich die Fische eben an mir gerächt." Auch ihre kleinen Schwächen fanden die Briten sympathisch. So wusste man, dass sie gerne Gin und Champagner trank und bei Pferderennen wettete. Allerdings wurde sie in den letzten Jahren auch häufig der Geldverschwendung bezichtigt.

Doch bei aller Beliebtheit hat auch die "Queen Mum" den Ansehensverlust der Königsfamilie nicht aufhalten können. So wurde schon zu ihrem 100. Geburtstag am 4. August 2000 gemunkelt, dass mit ihrem Lebensjahrhundert zugleich das letzte glorreiche Jahrhundert der britischen Monarchie zu Ende gegangen sei.

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