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Eltern ließen Mädchen fast verhungern

Wegen schwerer Körperverletzung müssen sich seit Montag die Eltern eines fast verhungerten Mädchens vor dem Landgericht Ellwangen (Baden-Württemberg) verantworten. Die Anklage wirft dem 59 Jahre alten Vater und der 55 Jahre alten Mutter vor, die bereits stark abgemagerte Tochter nicht rechtzeitig zum Arzt gebracht zu haben.

dpa ELLWANGEN. Wegen schwerer Körperverletzung müssen sich seit Montag die Eltern eines fast verhungerten Mädchens vor dem Landgericht Ellwangen (Baden-Württemberg) verantworten. Die Anklage wirft dem 59 Jahre alten Vater und der 55 Jahre alten Mutter vor, die bereits stark abgemagerte Tochter nicht rechtzeitig zum Arzt gebracht zu haben.

Die Eltern hätten dabei "gefühllos und egoistisch" gehandelt und die "Gefahr des Todes" in Kauf genommen. Die damals 15- Jährige war Mitte November auf Betreiben des Hausarztes in eine Klinik gebracht worden - sie wog noch 21 Kilogramm.

Der Staatsanwalt sagte, die Eltern hätten noch im Oktober zugesichert, ihre Tochter untersuchen zu lassen. "Da konnte sie schon nicht mehr aufstehen und nur noch wenige Schlucke Saft zu sich nehmen." Doch sei diese Zusage nur erfolgt, um einer Zwangseinweisung vorzubeugen, sagte der Staatsanwalt. Am 18. November sei das Mädchen dann in ein Krankenhaus gebracht worden, einen Tag später sei sie ins Koma gefallen. Daraus sei sei im Januar erwacht. Sie könne bis heute nur noch verschwommen sehen und sei vom Hals abwärts gelähmt.

Die Eltern machten auf Anraten ihrer Anwälte vor Gericht keine Aussagen. Der Vater des Mädchens sagte vor Beginn der Verhandlung am Morgen jedoch, die Justiz mache "aus einer Mücke einen Elefanten". Es werde nicht davor zurückgeschreckt, "eine Familie zu zerstören". Die Eltern von insgesamt drei Töchtern stehen nicht zum ersten Mal wegen Körperverletzung vor Gericht. Vor fast genau zwei Jahren war ein erstes Verfahren vor dem Amtsgericht Aalen eingestellt worden.

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