Eltern müssen aktiv werden
Staatsknete für die Sprösslinge

Der Staat beteiligt sich an den Kosten für den Nachwuchs. Das System ist kompliziert.

rom DÜSSELDORF. Die Familienförderung hat sich zum Topthema für den Bundestagswahlkampf 2002 entwickelt. Vielleicht führt das irgendwann dazu, dass Eltern sich nicht mehr durch einen Dschungel kämpfen müssen, wenn sie Leistungen des Staates in Anspruch nehmen wollen.

So viel kostet die Kinderziehung

Grundsätzlich gilt: Eltern müssen aktiv werden. Denn ohne Antrag läuft nichts. Wenn der Nachwuchs da ist und die ersten durchwachten Nächte verkraftet sind, sollte sich Vater oder Mutter mit den Lohnsteuerkarten auf dem Weg zur Gemeinde machen, um das Kind darauf eintragen zu lassen. Damit bleibt dann sofort etwas mehr netto vom Bruttolohn übrig.

Möglichst schnell sollte man auch den Antrag auf Kindergeld stellen: und zwar bei der Familienkasse des örtlichen Arbeitsamts. Kindergeld gibt es unabhängig vom Einkommen: für das erste und zweite Kind je 270 Mark im Monat, für das dritte 300 und ab dem vierten Kind je 350 Mark monatlich. Ab dem nächsten Jahr gibt es für die ersten drei Kinder jeweils 154 Euro (301,20 Mark) und ab dem vierten 179 Euro (350,09 Mark). Das Finanzamt prüft bei der Steuererklärung, ob steuerliche Freibeträge günstiger sind als das Kindergeld. Dies ist allerdings nur bei Besserverdienern der Fall, die dann noch einen Nachschlag bekommen. Bei neun von zehn Familien bleibt es derzeit aber bei den genannten Kindergeldsätzen.

Bei der Krankenversicherung sollte man nachhören, inwieweit Anspruch auf Mutterschaftsgeld oder sonstige Hilfen wie etwa Entbindungsgeld besteht.

Paaren, die seit dem 1. Januar 2001 Eltern geworden sind, greift der Staat etwas großzügiger unter die Arme. Mütter oder Väter, die ihr Kind selbst erziehen und nicht mehr als 30 Stunden je Woche arbeiten, erhalten Erziehungsgeld. Auch hier ist ein schriftlicher Antrag erforderlich. Je nach Bundesland ist es unterschiedlich, wo man seinen Papierkram abgeben darf. In Nordrhein-Westfalen etwa sind es die regionalen Versorgungsämter, in Baden-Württemberg ist es zentral die Landeskreditbank in Karlsruhe. Normalerweise müssten die Gemeinden die Adresse der zuständigen Stelle nennen können.

Erziehungsgeld gibt es nur, wenn bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Für die ersten sechs Monate erhält man je 600 Mark, wenn Ehepaare nicht mehr als 100 000 Mark und Alleinerziehende nicht mehr als 75 000 Mark im Jahr verdienen. Per Faustformel dürfte das Bruttoeinkommen - inklusive etwa Einnahmen aus Vermietung oder Kapitalvermögen - nicht mehr als 20 bis 30 Prozent über diesen Beträgen liegen, um zumindest in den ersten sechs Monaten noch in den Genuss von Erziehungsgeld zu kommen. Denn in diesem Rahmen bewegen sich die Pauschalbeträge, die von den positiven Einkünften abgezogen werden.

Allerdings wird das Mutterschaftsgeld, das normalerweise sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt gezahlt wird, vom Erziehungsgeld gleich wieder abgezogen. Daher müssen sich viele Eltern mit vier Monaten Erziehungsgeld begnügen. Ab dem siebten Monat zahlt der Staat das volle Erziehungsgeld nur noch an Geringverdiener (siehe Tabelle).

Dann sinkt das Erziehungsgeld mit zunehmendem Einkommen. Eltern mit etwa zwei Kindern erhalten bis etwa zu einem Einkommen von 50 000 Mark im Jahr zumindestes noch einen Teil. Wer mehr verdient, geht ganz leer aus. Erziehungsgeld wird maximal bis zum zweiten Geburtstag des Kindes gezahlt. Neu seit Anfang des Jahres: Wer sich mit einem Jahr begnügt, erhält statt 600 sogar 900 Mark im Monat. Hier ist der ganz spitze Bleistift gefordert. Einige Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen) gewähren zusätzlich ein Landeserziehungsgeld.

Zudem hat die Bundesregierung Anfang dieses Jahres den völlig paradoxen Begriff "Erziehungsurlaub" durch "Elternzeit" ersetzt und Müttern und Vätern etwa durch eine verbesserte Teilzeitregelung mehr Spielraum für die Kindererziehung geschaffen.

Und wer den Stress der Kindererziehung durch Hausbau oder-kauf maximieren will, für den bringt der Nachwuchs sogar Ausschüttungen: Pro Kind und Jahr - maximal leider nur acht Jahre - überweist das Finanzamt neben der Grundförderung von 5 000 Mark für Neu- und 2 500 Mark für Altbauten pro Kind 1 500 Jahr. Und zwar pünktlich Mitte März; ein Antrag ist hier nur einmal erforderlich.

Entlastungsmöglichkeiten für Familien

Für einen umfassenden Überblick lohnt sich ein Blick auf die Internetseiten des Bundesfamilienministeriums ( www.bmfsfj.de).

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