EM-Aus für Frei
„Leidgenossen“ hadern mit dem Schicksal

Ein weinender Kapitän an Krücken, ein Land im Tal der Tränen: Das Verletzungsdrama um den Schweizer Star-Spieler Alexander Frei war vielleicht das Schlimmste, jedoch bei weitem nicht das Einzige, was den Gastgebern das angedachte Fußballfest verdarb.

HB BASEL. Nur Augenblicke nachdem Alexander Frei humpelnd aus der Kabine zurückgekehrt war, traf das Zufalls-Tor des Tschechen Vaclav Sverkos den EM-Gastgeber Schweiz mitten ins Herz. "Fußball ist oft nicht gerecht. Für uns ist nur dieses Spiel vorbei, nicht aber die EM", sagte der Nationaltrainer Jakob "Köbi" Kuhn nach dem doppelten Alptraum im Eröffnungsspiel. Die Moral im Team sei dennoch intakt. "Es ist absolut keine Depression festzustellen, auch wenn nicht alle total gut gelaunt sind."

Für Borussia Dortmunds Frei ist die EM zu Ende. Der "Ballack der Schweiz" erlitt einen Teilanriss des Innenbandes im linken Knie. "Es ist schmerzlich, wenn der Kapitän und Torjäger ausfällt", sagte Kuhn am Sonntag im EM-Quartier in Feusisberg. Frei werde aber bei der Mannschaft bleiben. "Alex ist unser Leader und bleibt unser Leader", so der 64-Jährige. Wie Teamarzt Cuno Wetzel mitteilte, wird Frei sechs Wochen ausfallen, brauche aber nicht operiert zu werden. Bangen muss die Schweiz für das erste "Final"-Spiel am Mittwoch (20.45 Uhr) in Basel gegen die Türkei auch noch um Stürmer Marco Streller, der über Probleme mit der Leiste klagt.

Das tragische Missgeschick nach dem Zweikampf mit Italien-Profi Zdenek Grygera (42.) beendete den Traum von Frei auf ein Happy End in einem Seuchenjahr. Nach Hüft- und Wadenoperationen musste der Schweizer Rekordtorschütze achteinhalb Monate pausieren und schaffte erst in der Bundesliga-Endphase sein Comeback. "Das ist eine Saison gewesen, die ich nie wieder erleben möchte. Ich ziehe mich an der EM hoch", hatte der in Basel geborene Profi vor EURO noch voller Zuversicht gesagt. "So eine Situation ist tragisch", zeigte sein neuer BVB-Trainer und des ZDF-Experten Jürgen Klopp Mitgefühl."

Die eidgenössischen Spieler wollen nach dem Aus ihres Hoffnungsträgers und Antreibers die Köpfe aber nicht hängen lassen. "In der Kabine herrschte keine Niedergeschlagenheit. Wir müssen nun für Alex und die Nation kämpfen", forderte der Ex-Stuttgarter Streller. Schämen müssen sich die zu Leidgenossen gewordenen Eidgenossen für den Auftritt mit doppelt unglücklichem Ende nicht. "Es ist bitter, aber wir haben ein europäischen Topteam teilweise an die Wand gespielt", resümierte der Leverkusener Profi Tranquillo Barnetta.

Die Schweizer haderten nicht nur mit dem Unglück von Frei und dem 0:1-Pech, sondern auch mit dem italienischen Referee Roberto Bossetti, der bei zwei strittigen Handaktionen von Tomas Ujfalusi nicht pfiff. "Nachdem ich in Ruhe die TV-Bilder gesehen habe, muss ich sagen: Es waren zwei Elfmeter", wetterte Kuhn. Dagegen spielte der Ex-Hamburger Ujfalusi die Rolle des Unschuldslamms: "Solche Situationen passieren. Ich bekomme den Ball gegen die Hand, aber ich kann dagegen nichts machen."

Für Kuhn ist das ganze Unglück und Ungemach aber abgehakt. Nun gilt es, seine auf den ersten Sieg in der EM-Geschichte wartende "Schweizer Garde" wieder aufrichten. "Die Türkei ist eine starke Mannschaft. Doch wir werden ein Schweizer Team sehen, dass seine Chance zu nutzen weiß", hofft er. 2004 habe EM-Gastgeber Portugal auch das erste Spiel verloren und sei ins Finale eingezogen. "Das ist absolut möglich. Selbstverständlich geben wir nicht auf."

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