Archiv
EM-Testphase: Fehlstart für Niederlande

Eindhoven/Hamburg (dpa) - Das Starensemble der Niederlande steht gut zwei Wochen vor dem brisanten Auftakt bei der Fußball- Europameisterschaft gegen Deutschland mächtig in der Kritik.

Eindhoven/Hamburg (dpa) - Das Starensemble der Niederlande steht gut zwei Wochen vor dem brisanten Auftakt bei der Fußball- Europameisterschaft gegen Deutschland mächtig in der Kritik.

Eingebildet, lustlos und ohne Harmonie lautete das Urteil in der Heimat des Oranje-Teams nach dem 0:1 im Testspiel gegen Belgien in Eindhoven. Das Kontrastprogramm lieferte Tschechien. Der letzte EM-Vorrundengegner des deutschen Teams fertigte im Trainingslager im österreichischen Axams eine Amateurauswahl des Landes mit 6:0 ab und sieht mit Zuversicht den letzten Testspielen gegen Bulgarien (2. Juni) und Estland (6. Juni) entgegen.

Bundestrainer Michael Skibbe hatte als «DFB-Spion» in Eindhoven außer einiger «Kabinettstückchen» wenig Angst einflößendes gesehen. Der von Medien und Ex-Stars immer wieder verbal attackierte niederländische Bondscoach Dick Advocaat musste kleinlaut eingestehen: «Wir haben sehr mäßig gespielt. Einige Spieler haben zu wenig gebracht.» Im nächsten EM-Test gegen die vermeintlichen «Fußball-Zwerge» der Färöer müssen die Niederländer Wiedergutmachung betreiben, beim Trainingslager im schweizerischen Lausanne zählt nur ein klarer Sieg.

Längst regt sich neben der andauernden Schelte ehemaliger Stars von Johan Cruyff bis Marco van Basten auch intern Widerstand gegen die Personalpolitik Advocaats. «Die letzten Testspiele haben nichts gebracht, weil wir nach dem Schottland-Spiel nie mehr in der selben Formation gespielt haben», sagte Pierre van Hooijdonk. Dabei war der Stürmer von Fenerbahce Istanbul diesmal zunächst Nutznießer der Wechselspiele. Gemeinsam mit Patrick Kluivert bildete der 34-Jährige überraschend die Anfangsformation im Angriff. Als heimlicher Sieger des missglückten Tests konnte sich schließlich Roy Makaay fühlen. Der Stürmer vom FC Bayern München wurde wie Topstürmer Ruud van Nistelrooy erst kurz vor Schluss eingewechselt und trug wenig Schuld an der ersten Niederlage in diesem Jahr.

Kluivert hat in der durch ein Foulelfmetertor von Bart Goor (78. Minute/Hertha BSC) entschiedenen Partie offenbar viel Kredit verspielt. «Eingebildet und irritierend» nannte die Zeitung «De Telegraaf» den Auftritt des Stürmers vom FC Barcelona. Diplomatischer drückte sich der neue Kapitän Philip Cocu aus: «Nicht jeder war in Form. Ich bin froh, dass noch einige Zeit bleibt.» Unklar ist, ob Mark van Bommel trotz Achillessehnenverletzung im EM-Kader bleibt.

Immer deutlicher wird Advocaats Dilemma. In Angriff und Mittelfeld hat der 56-Jährige ein Überangebot an exzellenten Akteuren und kann sich nicht für eine Taktik oder Formation entscheiden. Auch gegen Belgien stellte er in der Halbzeit von einem 4-4-2-System auf 4-3-3 um. Auch die Suche nach der richtigen Mischung aus erfahrenen Spielern wie Clarence Seedorf, Edgar Davids und Boudewijn Zenden sowie der Fraktion der «jungen Wilden» um Wesley Snijder, Rafael van der Vaart und Arjen Robben geht wohl bis zum Auftaktspiel am 15. Juni in Porto gegen den Erzrivalen Deutschland weiter. Das letzte Spiel vor dem für den 8. Juni geplanten Abflug ins EM-Luxusquartier an der Algarve steht am Samstag in Amsterdam gegen Irland an.

Bei Tschechiens lockerem Aufgalopp erzielten der Dortmunder Jan Koller (2), Kapitän Pavel Nedved (2) sowie Vladimir Smicer und Miroslav Matusovic die Tore. Bis auf den dritten Torwart Jaromir Blazek setzte Trainer Karel Brückner in Axams alle Spieler seines vorläufigen EM-Kaders ein, darunter auch Tomas Ujfalusi (Hamburger SV), Vratislav Lokvenc (1. FC Kaiserslautern), Roman Tyce (TSV 1860 München) und Tomas Rosicky (Borussia Dortmund).

Von den übrigen EM-Teilnehmern, die über Pfingsten testeten, beeindruckte Italien bei seinem 4:0 in Tunis über Afrika-Meister Tunesien am meisten. Vor 15 000 Zuschauern schossen Bouazizi (Eigentor), Fabio Cannavaro, Andrea Pirlo und Gianluca Zambrotta die Treffer die Mannschaft von Giovanni Trapattoni. Otto Rehhagels Griechen-Team musste in Stettin durch ein Eigentor von Kapsis eine 0:1-Niederlage hinnehmen. EM-Gastgeber Portugal übte vor 8 000 Zuschauern in Aguenda erfolgreich gegen Luxemburg, Luis Figo, Nuno Gomes und Rui Costa schossen die Tore zum 3:0.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%