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EM.TV: Rote Zahlen wegen Formel-1-Engagement

Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV & Merchandising hat im ersten Quartal 2001 wegen der Zinsbelastungen aus dem teuren Formel-1-Engagement weiter rote Zahlen geschrieben.

Reuters MÜNCHEN. Das Ergebnis vor Steuern habe sich auf minus 44 Mill. DM belaufen, teilte der Rechtehändler am Donnerstag in München mit. Vergleichszahlen nannte EM.TV nicht; das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr wesentliche Beteiligungen noch nicht konsolidiert. Im ersten Quartal 2001 seien Zinsaufwendungen in Höhe von 89 Mill. DM entstanden, die sich mit im März vollzogenen Übernahme eines Teils des Formel-1-Engagements von EM.TV durch die Kirch-Gruppe [KRCH.UL]pro Quartal um rund 30 Mill. DM verringern würden.

Die EM.TV-Aktie legte am Donnerstagvormittag nach der Vorlage der Zahlen deutlich um 32,56 Prozent auf 3,99 Euro zu, was Händler dem bevorstehenden Wechsel in der Unternehmensleitung zuschrieben. "Der Markt glaubt einfach, dass jemand der schon anderen Unternehmen gut geführt hat, auch hier der richtige ist", sagte ein Börsianer. Am Vortag hatte EM.TV bekanntgegeben, der bisherige Vorstandschef Thomas Haffa werde durch den früheren Sat.1-Manager Werner Klatten ersetzt.

Vor Steuern und Zinsen verdiente EM.TV im ersten Quartal den Angaben zufolge 47 Mill. DM. Einen Ausblick für den Rest des Jahres nannte das am Neuen Markt gelistete Unternehmen nicht.

Keine Vergleichszahlen

Der Rechtehändler nannte nach Angaben einer Sprecherin keine Vergleichszahlen, weil im ersten Quartal 2000 Beteiligungen wie die Formel 1 oder die "Muppets"-Firma Jim Henson Company noch nicht konsolidiert worden seien. Beide waren erst im Frühjahr 2000 erworben worden. Ohne diese Beteiligungen hatte EM.TV im ersten Quartal 2000 ein Ergebnis aus dem gewöhnlichen Geschäft von 13,21 Mill. DM ausgewiesen. Die Umsatzerlöse lagen nach früheren Angaben bei 84,71 Mill. DM.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von EM.TV betrug im ersten Quartal 2001 158 Mill. DM. EM.TV habe durch den Verkauf seines 8,2-prozentigen Anteils an dem Medienunternehmen Crown Media einen Einmalertrag von 103 Mill. DM erzielt, hieß es weiter. Am Mittwoch hatte EM.TV noch von einem Ertrag von 103 Mill. Dollar und weiteren 23 Mill. Dollar aus Lizenzrechten aus dem Geschäft genannt. Der zurückgetretene Vorstandschef und Firmengründer Thomas Haffa hatte bei seinem Abgang erklärt, mit dem Crown Media-Verkauf könne EM.TV seine Bankverbindlichkeiten vollständig begleichen. Kirch hatte einen Großteil der Schulden von EM.TV in Höhe von 1,5 Mrd. DM übernommen und dafür knapp die Hälfte ihres Formel-1-Anteils erhalten. EM.TV war mit dem Quartalsbericht fast zwei Monate im Verzug.

EM.TV nannte keinen Ausblick für den Rest dieses Jahres. Die weitere Ertragsentwicklung werde vom Zeitpunkt der geplanten Verkäufe von Beteiligungen, wie Jim Henson und der Tele München Gruppe (TMG) des Münchener Filmrechtehändlers Herbert Kloiber abhängen, hieß es lediglich. EM.TV muss sich im Zuge des geplanten Einstiegs von Kirch aus kartellrechtlichen Gründen von seinem 45-Prozent-Anteil an der TMG trennen. Kloiber sträubt sich dagegen allerdings, weil er den Einstieg des Konkurrenten Kirch bei EM.TV verhindern will. Kirch wird daher nach Angaben des künftigen EM.TV-Vorstandschefs Werner Klatten nur zehn bis 15 Prozent statt der bisher geplanten 16,7 Prozent übernehmen.

Klatten: EM.TV-Umbau vorantreiben

Klatten hatte am Mittwoch angekündigt, alle Beteiligungen zu überprüfen und den Umbau von EM.TV voranzutreiben. Zur Strategie sagte er nur, er wolle mit dem Rechtehandel in Europa expandieren und unterbewertete andere Medienunternehmen kaufen.

Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen von den Quartalszahlen nicht überrascht. Das Kerngeschäft sehe schlecht aus, obwohl das Unternehmen ein neues Management habe und man sehen müsse, was nun passiere, sagte Bernard Tubeileh, Analyst bei Merrill Lynch in Frankfurt. Einmalerträge hätten die Zahlen beeinflusst. Tubeileh hat eine "neutrale" Kaufempfehlung für die Aktie. Alexander Kachler, Analyst bei Merck Finck & Co, sagte in einer Kurzeinschätzung, die Maßnahmen bei EM.TV gingen offenbar in die richtige Richtung. Trotzdem belasse der die Empfehlung vorerst auf "Sell"

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