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EM.TV: Rücktritt von Haffa kein Thema

Der krisengeplagte Filmrechtehändler EM.TV & Merchandising AG hat Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von Vorstandschef Thomas Haffa zurückgewiesen. "Ein Rücktritt von Thomas Haffa steht derzeit nicht zur Debatte", sagte ein EM.TV-Sprecher am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Reuters MÜNCHEN. Die Staatsanwaltschaft München prüft nach eigenen Angaben, ob sie gegen EM.TV und deren Vorstände Ermittlungen einleitet. Oberstaatsanwalt Manfred Wick sagte, die Entscheidung werde in wenigen Tagen fallen. Inzwischen seien sechs Strafanzeigen eingegangen. Die EM.TV - Aktien legte in einem positiven Umfeld am Neuen Markt knapp ein halbes Prozent auf 7,21 Euro zu.

Der zunehmend in die Kritik geratene EM.TV-Chef Thomas Haffa hatte in einem Interview mit dem Magazin "Der Spiegel" persönliche Konsequenzen aus der Ergebniskrise und dem Einbruch des Aktienkurses von EM.TV nicht ausgeschlossen. Falls es nicht gelinge, das Vertrauen von Analysten und Investoren zu gewinnen, "werde ich wohl über die Konsequenzen nachdenken müssen", hatte er gesagt. Das Wort Rücktritt habe er aber nicht gebraucht, stellte der EM.TV-Sprecher klar. Vor gut einer Woche war Haffas jüngerer Bruder Florian von seinem Posten als stellvertretender Vorstand zurückgetreten und hatte diesen Schritt mit mangelndem Vertrauen der Anleger begründet.

Haffa gestand in dem "Spiegel"-Interview Management-Fehler ein: "Wir haben die Faktoren der Bilanzierung nicht tief genug betrachtet. Wir haben in der Phase der Akquisition den Fehler gemacht, dass wir operativ nicht so mitgehalten haben, wie es angesichts der Dimension unserer Investitionen nötig gewesen wäre." Mit dem neuen Finanzvorstand Rolf Rickmeyer, der Florian Haffa abgelöst hatte, hätte EM.TV "die Krise nicht mit dieser Wucht getroffen", sagte Haffa. In Branchenkreisen war heftig kritisiert worden, dass sich der EM.TV-Chef zunächst nicht für das Missmanagement entschuldigt habe.

Oberstaatsanwalt Wick sagte, im Vordergrund der eingegangenen Strafanzeigen stünden Vorwürfe der unrichtigen Darstellung der Unternehmenssituation und damit ein Verstoß gegen das Aktiengesetz, aber auch der Vorwurf des verbotenen Insiderhandels. Dabei handele es sich um eine Anzeige des Deutscher Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und mehrere private Anzeigen.

EM.TV hatte zuletzt seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr drastisch nach unten korrigiert, worauf der Aktienkurs auf ein Jahrestief von 5,56 Euro gefallen war. Nach dem Einstieg der Kirch[KRCH.UL]-Gruppe mit einer Sperrminorität soll sich EM.TV unter dem Dach des Medienkonzerns wieder auf sein Kerngeschäft Filmrechtehandel und Merchandising konzentrieren. Kirch übernimmt daher knapp 25 % an der Formel-Eins-Holding SLEC von EM.TV, der jetzt noch gut 25 % hält. Die restlichen 50 % liegen in der Hand des Briten Bernie Ecclestone.

Bei dem Engagement von EM.TV in der Formel Eins geht es vor allem um die attraktiven Vermarktungsrechte an der Rennsportserie, während Kirch an den Fernsehrechten interessiert ist. Urs Rohner, Chef der Kirch-Senderfamilie ProSiebenSat.1 sagte am Montagabend in München, seine Gesellschaft werde sich 2003, wenn die TV-Rechte an der Formel Eins frei würden, ganz sicher überlegen, diese zu erwerben. Die Formel Eins sei "ein ganz interessantes Sportereignis" für jeden Sender, stehe bei ihm aber derzeit nicht "oben auf der Prioritätenliste". Derzeit liegen die TV-Rechte noch beim ProSieben-Konkurrenten RTL.

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