EM-Viertelfinalspiel: Holland - Schweden
Fans verbindet Hassliebe mit van Nistelrooy

Ruud van Nistelrooy und die niederländischen Fußball-Fans haben eine Art Hassliebe aufgebaut. Noch vor einer Woche galt der Stürmer als Verräter, nun soll er zum Heilsbringer werden.

HB FARO. Ruud van Nistelrooy hat sich mit den niederländischen Fans versöhnt und die Fans mit ihm. Der Stürmer von Manchester United lobt seine Landsleute vor dem EM-Viertelfinalspiel am Samstag gegen Schweden (20.45 Uhr) in Faro-Loulé: «Wo auch immer wir in diesem Land hinkommen, ist es ein Heimspiel. Überall ist es orange!» Die Unterstützung sei enorm, «das hat uns geholfen, all die schlimmen Momente, die wir zuvor hatten, durchzustehen.»

Noch vor einer Woche - nach den enttäuschenden Vorbereitungsauftritten der Niederländer und bitterer Schelte in der Öffentlichkeit - hatte van Nistelrooy die Anhänger der Elftal mitten ins Herz getroffen. «Manche nennen dich Hurensohn und wünschen dir Krebs an den Hals», hatte er im Interview mit einer englischen Tageszeitung gewettert. In Fahrt gekommen kündigte der 27-Jährige auch gleich noch seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft für das Jahr 2008 an.

Die Niederländer fühlten sich von ihrem Star verraten, verstanden den Wink aber. Jegliche Kritik an van Nistelrooy erstarb in dem Moment, als er im zweiten Gruppenspiel gegen Tschechien zu Bestform auflief und einmal traf. Zuvor hatte er gegen die deutsche Auswahl bereits ein Tor erzielt. Seine zwei Treffer im Spiel gegen Lettland machten ihn endgültig vom gehassten Antistar zum Helden. «Champions, Champions», skandierten die Zuschauer beim Regenerationstraining am Tag danach und «Ruud, Ruud».

Wenn das Team von Bondscoach Dick Advocaat am Samstag gegen Schweden besteht, hat van Nistelrooy gute Chancen, EM-Torschützenkönig zu werden. Die Skandinavier hätten bei der Europameisterschaft in Portugal bisher den «besten Fußball» geboten, bleibt van Nistelrooy vor dem Viertelfinale aber vorsichtig. «Ihre Stürmer sind in Form und haben schon einige Tore geschossen. Wir müssen sicherstellen, dass wir sie schnell unter Kontrolle bekommen» warnt er.

Van Nistelrooy will dafür sorgen, dass die Schweden ihn nicht ruhig stellen können. Er als einzige Spitze, das ist das Erfolgsrezept. Er ist der herausragende Stürmer seines Teams. Vielleicht der beste Europas. Dabei war noch vor einem Jahr vieles gegen van Nistelrooy gelaufen. Erst seit einigen Monaten ist der Sohn eines Heizungsmonteurs aus der katholisch geprägten Provinz Brabant in der holländischen Nationalmannschaft wirklich unumstritten. Im vergangenen Sommer war er beim Qualifikationsspiel in Tschechien so über seine Auswechslung erbost, dass er eine Wasserflasche Richtung Bondscoach Dick Advocaat kickte. Für die folgende Begegnung wurde er suspendiert.

Sein Temperament geht aber nur in extremen Situationen mit ihm durch. Er sei professionell, höflich und alles andere als arrogant, beschreiben niederländische Journalisten van Nistelrooy, der nach dem Turnier seine Freundin Leontien heiraten wird. Auf Statussymbole wie teure Autos und schicke Häuser lege er keinen Wert. In Manchester bewohnt er ein Apartement.

Für den 27-Jährigen ist die EM das erste große Turnier seit der U-21-EM in Rumänien vor sechs Jahren. 2000 musste er die Euro wegen eines Kreuzbandrisses absagen. Zwei Jahre darauf gelang es der Nationalelf nicht, sich für de WM in Japan und Südkorea zu qualifizieren. Nachdem Tschechien den Niederländern mit einem Sieg gegen die deutsche Elf die Tür zum Viertelfinale öffnete, schreiben die niederländischen Zeitungen van Nistelrooy die «Hoofdrol» - die Hauptrolle zu. Es soll sein Turnier werden. «Ich will den Titel und tue alles dafür», sagt er.

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