Email-Wurm „Sircam“ und „Code Red“ sorgen für Unruhe bei Experten in Europa und den USA
Gefährliche E-Mail-Viren erreichen Europa

Rasant breitet sich per Internet der E-Mail-Wurm Sircam aus. Experten zählen das Virus zu den derzeit gefährlichsten Computerinfektionen. Sircam kann private Dokumente an Dritte weiterschicken.

FRANKFURT/M. Das bisher prominenteste Opfer des Computervirus "Sircam" sind die Verfolger der Virenprogrammierer bei der US-Bundespolizei FBI. Insgesamt acht interne Dokumente der Untersuchungsbehörde landeten auf Rechnern außerhalb der FBI-Zentrale, die der Email-Wurm ebenfalls infiziert hat. Seitdem der Virus vergangen Woche entdeckt wurde, hat es tausende weiterer Computer befallen, die das Betriebssystem Microsoft Windows nutzen. Seit Wochenanfang verbreitet sich der Virus auch in Europa.

Ist ein Rechner infiziert, verschickt sich Sircam selbstständig über das Adressbuch des E-Mail-Programms Outlook Express. Über den selben Weg hatte sich auch der gefürchtete "I-love-you-Virus" verbreitet, der bei hunderten von Unternehmen die Kommunikation lahmlegte. Das Besondere an dem neun Virus Sircam ist seine Fähigkeit, private Dokumente des befallenen Rechners weiterzuschicken.

"Es handelt sich bei Sircam um einen sogenannten Wurm, der sich über das Internet ausbreitet", erläutert Andrea Wolf von Symantec, einem Unternehmen, das sich auf die Bekämpfung von Computerviren spezialisiert hat. Die Virusspezialisten stufen Sircam als drittgefährlichsten aktiven Virus weltweit ein.

Als "beunruhigend" empfinden die Forscher des amerikanischen Sicherheits-Softwarespezilisten Network Associates die hohe Zahl an Nutzern, die den Virus melden. "Erschreckend ist aber nicht die absolute Zahl der infizierten Rechner, sondern die Geschwindigkeit mit der sich der Virus ausbreitet", sagt Eric Chien, Leiter des europäischen Virenschutzlabors von Symantec. Am Dienstag lag die Zunahme der Verbreitung bei 200 % pro Tag. Anlass zu Panik besteht nach Ansicht der Symantec-Experten dennoch nicht, so liege die Schadenswirkung des Virus im mittleren Bereich und ein Antivirenprogramm stehe bereits im Internet zum Herunterladen bereit.

Wer solche Viren programmiert bleibt auch für die Experten oft im Dunkeln. Denn aufgrund der weltweiten Ausbreitung ist es fast unmöglich, den Ursprung eines Email-Virus auszumachen. "Die Programmierer solcher EMail-Würmer verfolgen das Ziel, durch ihren Virus möglichst viele Rechner zu infizieren", sagt Symantec-Sprecherin Wolf. Oft handelt es sich um Jugendliche, denen gar nicht bewusst ist, dass sie mit der Freisetzung solcher Programme Millionenschäden anrichten können. Zumal das Programmieren von Viren laut Gesetz nicht verboten ist, lediglich die Verbreitung steht unter Strafe.

Auch politisch motivierte Angriffe aus dem Netz begegnen den Virenjägern immer wieder. Dazu könnte auch der Email-Wurm "Code Red" zählen, der aktuell bis zu einer Million Rechner infiziert hat und in den USA für Aufregung sorgt. Code Red hat es auf Internetseiten von US-Regierungstellen abgesehen. Anfang August startet der Virus gleichzeitig von allen befallenen Rechnern, Anfragen an bestimmte Internetadressen. Durch die gigantische Zahl der Anfrager ist dann ein Zusammenbruch der Systeme wahrscheinlich. Das Pentagon hat aus Angst vor "Code Red" inzwischen den Großteil seiner öffentlichen Seiten vom Netz genommen. Auch der Internetauftritt des Weißen Hauses wurde an eine andere Netzadresse verlegt.

Anders hingegen sind die Motive der Programmierer von "Trojanern". Trojaner sollen als nützliche Programme getarnt, Hackern den Zugang zu fremden Daten oder Netzwerken öffnen, um dort in aller Ruhe zu spionieren. Beliebtes Opfer ist der Softwarehersteller Microsoft aus dessen Netzwerk tagelang unbemerkt Daten kopiert wurden.

Obwohl sich Unternehmen vor Angriffen aus dem Netz nicht gänzlich schützen können, steigen die Ausgaben für IT-Sicherheit. So schätzt der Marktforscher IDC, dass die Ausgaben für Hardware, Antivirensoftware und Verschlüsselungstechnologie in Europa von 1,8 Mrd. $ im vergangen Jahr auf über 6 Mrd. $ in 2005 steigen werden.

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