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EMI zeigt Wende in der Industrie der Euro-Zone

Die Industrie in der Euro-Zone ist im März einer Umfrage unter Einkaufsmanagern zufolge an einem Wendepunkt angekommen und steht nach zwölf Monaten Rezession am Beginn ihrer Erholung. Lediglich in Deutschland, Österreich und den Niederlanden schrumpfte das Verarbeitende Gewerbe noch, aber auch dort verringerte sich das Tempo des Rückgangs.

Reuters LONDON. Volkswirte werteten die Daten als klaren Beleg für eine unmittelbar bevorstehende Erholung des wichtigen Wirtschaftszweiges. Anders als in den USA werde sich aber die Lage auf dem Arbeitsmarkt erst später und nur allmählich verbessern, sagten Analysten.

Der im Auftrag von Reuters ermittelte Einkaufsmanagerindex (EMI) für die Euro-Zone sei im März auf 50,0 von 48,6 Punkten im Februar gestiegen und habe damit den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht, teilte die Forschungsgruppe NTC am Dienstag mit. Mit einem Wert von 50 Punkten signalisiert der Index eine Stagnation der Industrie. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 50,2 Punkte gerechnet. In Deutschland stieg der entsprechende Index zwar auf den höchsten Stand seit Mai 2001, zeigte mit 48,4 Punkten aber den zwölften Monat in Folge ein rückläufiges Geschäft in diesem bedeutenden Sektor an.

Positiv auf die industrielle Lage in der Euro-Zone wirkten sich im März der Umfrage zufolge insbesondere die gestiegene Produktion und die verbesserte Auftragslage aus. Der Produktions-Index stieg auf 52,2 Punkte, nachdem er bereits im Februar über die Marke von 50 Zählern geklettert war und damit wieder Wachstum signalisierte. Auch bei den Neuaufträgen festigte sich die Erholung mit einem Anstieg auf 51,8 Punkte. Allein in Deutschland und Österreich waren die Neuaufträge noch rückläufig. Allerdings wuchs im März die ausländische Nachfrage nach deutschen Industriegütern erstmals seit Februar 2001 wieder. Der Index Exportaufträge für die größte Volkswirtschaft Europas zog auf 51,0 Zähler an.

Die insgesamt merkliche Aufhellung in der Industrie der Euro-Zone führte allerdings nicht zu Neueinstellungen, wie die Umfrage weiter ergab. Vielmehr haben die Unternehmen weiter Stellen gekürzt, um die Produktivität zu erhöhen. Doch das Tempo des Beschäftigungsrückgangs verringerte sich weiter und war so niedrig wie seit September 2001 nicht mehr. In Deutschland waren der Umfrage nach vor allem Mitarbeiter mit Zeitverträgen vom Stellenabbau betroffen. Der entsprechende deutsche Index zeigte sich mit 43,5 Punkten nach wie vor weit entfernt von der 50-Punkte-Marke.

Die Daten entsprachen insgesamt den Erwartungen von Analysten. Diese sprachen von einem klaren Aufwärtstrend. "Die Erholung scheint schneller zu kommen, als wir zunächst gedacht hatten", sagte Timo Makelainen von der Okobank in Helsinki. "Die Aussichten für das Jahr sind gut, allerdings müssen wir bei den Exporten noch bessere Zahlen sehen", fügte er hinzu. Wie in den USA werde die Industrie in den kommenden Monaten die Wirtschaft aus der Rezession ziehen, sagte Ken Wattret von BNP Paribas in London.

Die nur allmähliche Verbesserung am Arbeitsmarkt werteten Analysten als typisch für die Konjunkturzyklen der Wirtschaft in der Euro-Zone. Anders als bei der Erholung in der US-Wirtschaft sei die Arbeitslosigkeit in Europa in den ersten Monaten 2002 schätzungsweise weiter angestiegen, sagte Wattret weiter. Ähnlich äußerte sich Sharda Dean von Merrill Lynch. Obwohl sich die Lage in der Industrie verbessere, werde sich wegen der hohen Arbeitslosigkeit auf der Nachfrageseite zunächst kaum etwas verändern. Julian Jessop von Standard Chartered sagte, insgesamt sei die Industrie der Euro-Zone auf dem richtigen Weg, hinke aber hinter der Entwicklung in den USA her.

Am Vortag hatte der dem EMI vergleichbare ISM-Index für die US-Industrie den zweiten Monat in Folge auf ein Wachstum des Sektors hingewiesen. Der Index kletterte im März auf 55,6 nach 54,7 Punkten im Vormonat und damit auf den höchsten Stand seit Februar 2000. Die EMI-Daten beruhen auf einer Umfrage unter rund 2500 Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland, Österreich, Griechenland und den Niederlanden. Diese Länder machen insgesamt rund 92 % der Industrieaktivität der Euro-Zone aus.

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