Emirat plant das höchste Gebäude der Welt
Goldgräberstimmung in Dubai

28 Milliarden Dollar werden in den kommenden fünf Jahren in Bauprojekte in Dubai fließen. Diesen gewaltigen Boom hat das Emirat ausgelöst, in dem es zu Jahresanfang den Verkauf von Immobilien an Ausländer erlaubte. Doch von den Großprojekten profitieren vor allem lokale Bauunternehmen. "Das Geschäft mit Immobilien boomt gewaltig, aber leider ohne die deutschen Firmen", beklagt Jürgen Friedrich, Chef der Auslandshandelskammer in Dubai.

DUBAI. "Bei großen Projekten können wir preislich nicht mithalten", sagt Franz Reichwein, Leiter der Bundesagentur für Außenwirtschaft in Dubai. Subunternehmer aus der Türkei, Indien und Singapur arbeiteten für die einheimischen Unternehmen zu Dumpingpreisen. Die Baukonzerne Hochtief und Bilfinger Berger haben deshalb nicht mal eine Repräsentanz in der Region.

Dabei waren die Deutschen vor 20 Jahren gut im Geschäft: Hochtief baute 1977 den Tiefseehafen im Nachbaremirat Shar-jah und in den Achtzigern einen Militärstützpunkt in Abu Dhabi. "Ausländische Firmen haben es generell schwer", verteidigt Friedrich die deutschen Firmen. Lokale Baufirmen hätten ausländisches Know-how gesammelt und beherrschten nun den Markt.

"Alles Ausreden", erwidert Wilfried Hingst, General Manager bei Arabic Aluminium. "Deutsche Unternehmen verschlafen den Immobilienboom in Dubai. Sie schicken einen Katalog und nach einem halben Jahr kommen sie wieder und wundern sich, dass andere das Rennen gemacht haben."

In keiner anderen Branche spielt das Emirat seine Trümpfe so aus, um die Abhängigkeit vom Ölexport zu verringern: Bauland ist reichlich vorhanden, wenn auch nur in Form von Wüstensand. Für einen symbolischen Betrag überlässt die Herrscherfamilie Maktoum Immobilienfirmen die Grundstücke. Zwischen Idee und Baubeginn liegt selten mehr als ein halbes Jahr. Gastarbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesch schuften auf den Baustellen für umgerechnet ein paar Hundert Euro im Monat.

Mit dem Immobilienboom legt das Land das Fundament für seine wirtschaftliche Zukunft: Günstig gebaute Hotels locken Touristen; das neue Flughafenterminal mit dem größten Duty-Free-Shop der Welt veranlasst Fluggäste zum Zwischenstopp. Moderne Industriegebiete und Freihandelszonen ziehen Unternehmen an, ambitionierte Immobilienprojekte reiche Europäer, Araber und Amerikaner.

"Die Deutschen können von der rasanten Entwicklung nur im Spezialbau, mit Sonderleistungen und der Zulieferung von Baustoffen profitieren", sagt Reichwein. So produziert die Degussa AG in Dubai Zementadditive. "Immerhin verbraucht das Kleinstemirat so viel Zement wie die Niederlande", sagt Stefan Otto, Nahost-Manager der Degussa. Der Stahlhersteller Dillinger Hütte baute die gigantische Konstruktion im Sieben-Sterne-Hotel Burj Al Arab. Und Maschinen des schwäbischen Anlagenbauers Putzmeister pumpten Beton für den Hotelbau in mehr als 200 Meter Höhe.

Auf Aufträge hofft auch der Salzwedeler Badeinrichter Deba Systemtechnik GmbH. "Das Dubaier Holiday Inn wollte bereits unsere Nasszellen, aber unsere Kapazitäten reichten nicht", klagt Geschäftsführer Reinhard Dehncke. Nun will er die Bäder mit arabischen Partnern vor Ort montieren.

An Chancen wird es auch künftig nicht fehlen, denn Dubai plant das höchste Gebäude der Welt: In der Innenstadt entsteht für 1,8 Mrd. $ ein mehr als 500 Meter hoher Wolkenkratzer. Falls Konkurrenzprojekte in Shanghai und New York die geplante Höhe toppen sollten, hat Bauträger Emaar Properties schon vorgesorgt: "Wenn wir sagen, wir bauen das höchste, dann bauen wir auch das höchste", sagt ein Sprecher.

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