Emissionshäuser erwarten weiterhin hohe Nachfrage nach Hebelprodukten
Derivate sind auch bei fallenden Aktienkursen gefragt

Im nächsten Jahr werden Zertifikate und so genannte Knock-Out-Produkte Experten zufolge ihren Siegeszug auf dem deutschen Markt fortsetzen.

HB FRANKFURT. In den vergangenen zwölf Monaten rückten diese Anlagen bereits verstärkt in den Fokus der Privatanleger, zieht Harald Schnabel, Handelsvorstand bei der Euwax Broker AG, Bilanz. Anhand der Statistik wird diese Entwicklung deutlich: Im Januar 2002 wurde an der Stuttgarter Derivatebörse Euwax noch ein Handelsvolumen in Zertifikaten von 250 Millionen Euro umgesetzt, im November lag das Volumen bei über 600 Millionen Euro, wie Schnabel berichtet. Während dieser Zeit sei die Handelsaktivität der privaten Anleger in traditionellen Optionsscheinen "merklich zurückgegangen". Schnabel weist auf einen Trend hin: Seinen Angaben zufolge ist die Zahl der Knock-Out-Produkte von 135 zu Beginn 2002 bis zum Dezember auf 1 421 angestiegen.

Bei diesen Produkten handelt es sich um Zertifikate oder Optionsscheine mit einer Ausübungsschwelle, bei deren Erreichen das Papier entweder wertlos wird oder dem Anleger nur noch einen bestimmter Restbetrag ausgezahlt wird. Zu diesen Papieren zählen auch die Turbo-Scheine. "Am Gesamtumsatz an der Euwax werden die Knock-Out-Produkte 2002 einen Anteil von rund 60 Prozent erreichen", sagt Schnabel. Und Thorsten Michalik von der Deutschen Bank prognostiziert: "Ko-Produkte dürften den Future-Kontrakten 2003 ernsthaft Konkurrenz machen." Denn die Future-Kontrakte seien für Kleinanleger meist umständlich zu handeln und teurer.

Auch im Urteil von Monika Schaller von der Citibank haben Turboprodukte 2002 ihren Siegeszug angetreten. "Diese Produkte sind von der Kostenseite her transparent", urteilt Florian Schopf von Euwax Broker AG. Alle Kosten würden über den Spread weitergegeben. Außerdem werde der Einfluss der Volatilität (die erwartete Schwankungsbreite der Kurse) auf die Preisbildung bei diesen Produkten ausgeschaltet, ergänzt Schaller; dies mache ja Optionsscheinanlegern immer wieder zu schaffen.

Dies bedeute aber nicht, dass klassische Optionsscheine ein Auslaufmodell seien, meint die Vertreterin des größten deutschen Optionsschein- Emittenten. Wenn die Volatilitäten sinken, werde auch die Nachfrage nach klassischen Optionsscheinen ("plain-vanilla") zunehmen. Denn Anleger könnten dann ja nicht nur auf Kurszuwächse, sondern auch auf steigende Volatilitäten spekulieren.

Abgesehen davon seien im Jahr 2002 Verkaufsoptionsscheine (Puts) beliebt gewesen. Das galt vor allem für den Bereich der Indizes: Hier habe der Anteil der Put- Scheine am Gesamtmarkt bei 42 Prozent gelegen, erklärt Schaller.

Gefragt waren den Experten zufolge zufolge auch Discountzertifikate. Nach Schallers Angaben legten die Neuemissionen in dieser Produktkategorie um rund 30 Prozent zu; so kamen etwa 3 000 neue Produkte auf den Markt.

Discountzertifikate gewähren Anlegern einen Abschlag (den so genannten Discount) auf den Kurs eines Basiswertes - etwa eine Aktie oder ein Index, erklärt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Je höher die Volatilität, um so größer sei der Discount und damit der Sicherheitspuffer für den Anleger bei Marktbewegungen nach unten. Allerdings: Nach oben sind die Kurschancen dieser Zertifikate durch einen Deckel, einen so genannten Cap, begrenzt.

Eine der Hauptursachen für den Erfolg dieser Produkte sei die historisch hohe Volatilität an den Aktienmärkten, erklärt Weyand. HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet "langfristig mit einer strukturell hohen Schwankungsbreite".

Bei den Zertifikaten dürften die Indexprodukte, die bereits im Jahr 2002 gefragt gewesen seien und sich als echte Alternative für Fonds entwickelt hätten, weiterhin hoch in der Gunst der Anleger stehen, erwarten Michalik und Schaller.

Passives Investieren habe in den letzten zwanzig Jahren in Amerika eine wichtige Rolle in den Portfolios der Investoren gespielt, sagt Michalik. Dieser Trend wird sich seiner Einschätzung nach in den nächsten Jahren in Europa fortsetzen.

Schnabel ist für das kommende Jahr optimistisch: "Der deutsche Derivatemarkt wird weiter wachsen." Das sei nicht nur dann zu erwarten, wenn sich die internationalen Finanzmärkte erholen würden. Schließlich könne man mit Derivaten auch an schwankungsanfälligen Märkten und an Kursverlusten bei den Aktien profitieren.

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