Emissionsvolumen in Europa geht drastisch zurück
Der Umsatz an den deutschen Börsen fällt im ersten Halbjahr um 29 Prozent

Die Bilanz des ersten Börsenhalbjahrs 2001 fällt ernüchternd aus. Nach sechs Monaten liegen von Dax bis Dow von Nasdaq bis Nemax sämtliche wichtigen internationalen Indizes im Minus. Angesichts des Kursrutsches gingen die Umsätze an den Börsen teils drastisch zurück - auch das Geschäft mit Aktienemissionen erlitt einen deutlichen Rückschlag.

HB FRANKFURT. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg kamen von Januar bis Juni in Europa neue Aktien im Wert von 50 Mrd. $ an den Markt. Damit hat sich das Volumen im Vergleich zum Rekord des ersten Halbjahrs 2000 mehr als halbiert. Aber nicht nur das Emissionsvolumen, auch die Kursentwicklung der Neuzugänge lässt zu wünschen übrig: Von den insgesamt 125 europäischen Unternehmen, die bislang in diesem Jahr an die Börse gingen, notiert die Hälfte unter ihrem Ausgabekurs.

Mit einer durchschlagenden Besserung rechnen die Experten aus den Emissionsabteilungen der Investmentbanken in diesem Jahr nicht mehr: "Das zweite Halbjahr wird in etwa so laufen wie die ersten sechs Monate und damit in etwa 40 bis 50 % unter dem Volumen des Vorjahrs liegen", erwartet Martin Reinboth von der Investmentbank Morgan Stanley. Reinboth weist aber darauf hin, dass 2000 genau wie 1999 ein Ausnahmejahr gewesen sei. 1998 seien in Deutschland Aktien im Wert von rund 10 Mrd. an den Markt gekommen. Dieses Ziel sei auch 2001 noch erreichbar.

Nach Einschätzung von Sven Peter von Dresdner Kleinwort Wasserstein werden es kleinere Börsengänge auch im zweiten Halbjahr "sehr schwer" haben. Chancen sieht der Banker ab Herbst vor allem für großvolumige Zweitplatzierungen etablierter Unternehmen.

Gewichtverschiebungen zwischen den Investmentbanken

In den ersten sechs Monaten haben sich im Emissionsgeschäft auch die Gewichte zwischen den Investmentbanken verschoben. Europaweit konnte sich UBS Warburg an Goldman Sachs vorbei an die Spitze schieben. Morgan Stanley verbesserte sich auf den dritten Platz. Dagegen rutschte die Deutsche Bank von Rang zwei auf Rang acht und die Dresdner von Platz drei auf Platz sieben ab.

Vernachlässigt man die Zweitplatzierungen und berücksichtigt lediglich die Börsengänge, dann hellt sich das Bild zumindest für die Dresdner Bank auf. Das Institut belegt in dieser Statistik nach dem Spitzenreiter Morgan Stanley den zweiten Platz in Europa. Die Deutsche Bank liegt hier auf Rang Neun. Auf dem deutschen Markt für Aktienemissionen liegt die Dresdner Bank vor der Deutschen Bank auf Platz eins.

Die Talfahrt der Aktienkurse schlägt sich nicht nur in den Bilanzen der Banken, sondern auch bei den Börsen nieder. Allein an den deutschen Börsen sank der Gesamtumsatz (Aktien und Renten) im ersten Halbjahr um 29 % auf 2,5 Bill. Euro. Im Juni wurden 390 Mrd. Euro umgesetzt - ein Fünftel weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Besonders ins Auge sticht der Rückgang von 53 % in der Rubrik "übrige Aktien" - hier sind die Umsätze des Neuen Marktes enthalten.

Mit dieser Entwicklung steht Deutschland aber nicht alleine da. Auch wenn die Angaben der einzelnen Länder oft nur schwer vergleichbar sind, weil sich jede Börse die für sie vorteilhafteste Statistik herausgreift, zeigt die Tendenz klar nach unten. Nach Angaben des europäischen Börsenverbandes Fese brach beispielsweise in Athen der Umsatz zwischen Januar und Mai um über 70 % ein, in Portugal und Luxemburg jeweils um über 50 %. Zu den wenigen Plätzen mit steigenden Umsätzen zählte nach Fese-Angaben London mit einem Plus von knapp 8 %.

Nasdaq baut Stellen ab

Drastische Konsequenzen aus der Börsenflaute zog vergangene Woche die US-Computerbörse Nasdaq. Börsenchef Wick Simmons kündigte den Abbau von 140 Stellen an - immerhin ein Zehntel der gesamten Belegschaft. "Die Nasdaq ist nicht immun gegen die Veränderungen der Marktkonditionen", begründete Simmons die Rotstift-Politik. Vor allem die Flaute bei den Börsengängen macht der amerikanischen Computerbörse zu schaffen. Auch das Handelsvolumen lag im ersten Quartal dieses Jahres um fast 37 % niedriger als im Jahr zuvor.

Die Voraussetzung für einen grundlegenden Anstieg der Umsätze, sind sich die Experten einig, ist eine Stimmungsverbesserung am Aktienmarkt. Danach sieht es aber freilich im Moment nicht aus. Anfang des Jahres hatten Analysten noch auf eine Trendwende zum Besseren im zweiten Halbjahr gehofft.

"Mittlerweile wird eine nachhaltige Erholung aber erst für das erste Quartal nächsten Jahres erwartet", meint Dirk Schaper, Vorstandschef des Wertpapierhauses Concord Effekten. Etwas optimistischer zeigt sich mit Blick auf den deutschen Aktienmarkt Analyst Johannes Thormann von WestLB Panmure. Seiner Einschätzung nach könnte es mit Blick auf die Steuerreform 2002, die Firmenübernahmen steuerlich erleichtert, hier zu Lande bereits in den letzten Monaten dieses Jahres zu einer Belebung im Aktiengeschäft kommen.

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