Emotionaler Abschied von der D-Mark
Markt für die Goldmark läuft heiß

"Bitte nennen Sie nicht meinen Namen, die Leute bedrängen mich sonst unter meiner privaten Telefonnummer." Die Mitarbeiterin der Emporium-Hamburg Münzhandelsgesellschaft bekommt die Anfragen zur Ein-DM-Goldmünze derzeit "im Sekundentakt". Eine Mischung aus Nostalgie und Spekulation hat den ansonsten überschaubaren Sammlermarkt aufgeheizt.

FRANKFURT/M. Nachdem die Landeszentralbanken, Banken und Sparkassen binnen kürzester Zeit ausverkauft waren, konzentriert sich die Nachfrage jetzt auf den Handel. "In den Markt ist Bewegung gekommen", sagt Klaus Fleissner von der Münzhandlung Ritter in Düsseldorf. "Viele Leute, die keine Sammler sind, holen sich die Goldmark nach Hause", beobachtet der Fachmann. Dies sei mit ein Grund für die Preissprünge seit Ausgabe der Münze Ende Juli. Der Verkaufspreis ist binnen weniger Tage explodiert, vereinzelt wurden in der Spitze 498 DM genannt, bei Händler-Ankaufspreisen zwischen im Mittel 350 und 360 DM. Für komplette Sätze aller fünf Münzstätten (Der Buchstabe A steht etwa für Berlin, F für Stuttgart ) werden 2200 bis 2300 DM taxiert.

Den Ausgabepreis für die Münze hatte die Deutsche Bundesbank ab dem 26. Juli auf 250 DM festgelegt und in weiser Vorahnung schon mal mitgeteilt, dass sie "auf den Endverkaufspreis der Kreditinstitute und des gewerblichen Münzhandels keinen Einfluss hat". Bei den Banken und Sparkassen verteuerte sich die Münze dann erstmals, denn diese erhoben unterschiedliche Ausgabeaufschläge. Bei den Sparkassen seien in der Regel Preise bis 275 DM verlangt worden, sagt Pressesprecher Guntram Platter vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Auf zentrale Vorgaben habe man verzichtet. Die Taunus-Sparkasse im Rhein-Main-Gebiet verlangte zum Beispiel 270 DM. Allein hier gab es 2000 Vorbestellungen, 622 Stücke wurden dann für die Sparkasse zugeteilt und an die Kunden weitergegeben. "Der Andrang war sehr stark, der Abschied von der D-Mark scheint die Menschen doch sehr zu berühren", sagt Pressesprecher Bernhard Westenberger.

Auch wenn der Markt jetzt zu Übertreibungen neigt - analog zu den besten Zeiten am Neuen Markt - die Goldmark hat das Zeug zum Mythos, denn sie steckt voller Besonderheiten:

Mit zwölf Gramm ist sie zwar schwerer als die Umlaufmünze im Portemonnaie, die es nur auf 5,5 Gramm bringt.

Sie ist der Höhepunkt eines bald abgeschlossenen Sammelgebietes (wie zuvor schon die DDR und das Deutsche Reich). Neues Material wird es nicht geben.

Für die Goldmark wurde eigens ein Gesetz geschaffen: anstelle der Inschrift "Bundesrepublik Deutschland" trägt die Münze einmalig den Schriftzug "Deutsche Bundesbank". Der Erlös fließt den Stiftungen "Geld und Währung" und "Preußischer Kulturbesitz" zu. Letztere setzt die Mittel für die Berliner Museumsinsel ein.

Die geringe Auflage von einer Million (je 200 000 für die fünf Münzstätten) macht die Goldmark im Vergleich zu anderen DM-Gedenkmünzen zu einem knappen Gut.

Die geringe Auflage macht das Goldstück zur Rarität

Letztlich spielen auch Gefühle eine große Rolle, denn den Deutschen fällt der Abschied von der D-Mark offenbar schwerer als gedacht. Pavol Jurecko, Leiter des Münzkabinetts der Dresdner Bank, vermutet im "Erinnerungswert" der Münze ein wichtiges Kaufmotiv. Auch wenn einige Fachleute einen Gleichgewichtspreis zwischen Angebot und Nachfrage erst bei 800 DM sehen wollten, so sei es doch fraglich, ob die Kunden bei Preisen von deutlich über 400 DM weiter kaufen wollten.

Einen ersten Dämpfer könnte der Markt von der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg erhalten, wenn diese mit der Auslieferung der Münzen an die "echten" Sammler und Händler beginnt. In Bad Homburg sind immerhin 120 000 Abonnenten registriert. Und wer von denen eine Goldmark bestellt habe, bekomme sie auch, sagt Pressesprecherin Martina Glückmann. Neukunden für die Goldmünze werden aber nicht mehr bedient. Die Behörde leide unter einem "nie gekannten Andrang", fügt sie hinzu. Bisher wurden dem Handel also noch gar keine Münzen zugeteilt worden. Er speist sich aus den Angeboten privater Adressen. Ob nach der Verteilung durch die Bundesschuldenverwaltung die Preise bröckeln, bleibt abzuwarten. Gestern Nachmittag wurde beim Online-Auktionshaus Ebay immerhin die Marke von 400 DM nach unten getestet.

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