Empfehlungen über den Beitritt zur europäischen Einheitswährung
Der Euro wird für Blair zur Nagelprobe

Wird 2003 nun das entscheidende Jahr für den Euro-Beitritt der Briten? Vielleicht. Im Juni 2003 steht die Entscheidung an, ob die Regierung ein Referendum in der Bevölkerung zum Euro einberuft. Vor der Entscheidung müssen fünf ökonomische Bedingungen erfüllt sein.

HB LONDON. Sie drehen sich um Fragen nach den Auswirkungen eines Beitritts auf die britische Wirtschaft, auf die Finanzindustrie, den Arbeitsmarkt und darum, ob eine dauerhafte Konvergenz zwischen den Wirtschaftszonen existiert.

In jüngster Zeit scheinen die ökonomischen Komponenten eher den Euro-Gegnern in die Hände zu spielen. So ist die Lücke zwischen den Zinsen der Euro-Zone (2,75 %) und Großbritanniens (4 %) seit der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wieder breiter geworden. Kritiker sehen darin einen Indikator für die mangelnde Konvergenz der Wirtschaftszonen. Dieser Ansicht widerspricht jedoch, dass einige der Euro-Länder weit höhere Zinsunterschiede bei ihrem Beitritt zur Wirtschaftsunion aufwiesen. So betrug die Zinsdifferenz zwischen Irland und Deutschland im September 1998 - vier Monate vor Einführung des einheitlichen Zinssatzes - noch mehr als 1,8 %.

Auch Aspekte wie der im Königreich flexiblere Arbeitsmarkt oder die wichtigere Service-Industrie auf der Insel sind wichtige Fakten. Als wirkliche Gründe für ein "Nein" sind sie aber nicht zu verstehen. Dennoch gibt es Aspekte, die einen Beitritt zum jetzigen Zeitpunkt riskant erscheinen lassen. Erstens: Die Hauspreise in Großbritannien steigen mit einer Jahresrate von mehr als 25 %. Bei einem Beitritt reduzieren sich die Zinsen zwangsläufig, was den Markt weiter anheizen und die Verschuldung erhöhte. Schon jetzt liegt die Hauspreisinflation über einem von Experten als gesund angesehen Niveau.

Zudem droht dem Schatzkanzler die Kontrolle über die öffentlichen Finanzen zu entgleiten. Das macht (teure) Probleme mit der EU-Haushaltskommission schon jetzt absehbar. Für die Reform der öffentlichen Dienste musste Brown soeben die Neuverschuldung massiv erhöhen. Die bringt das Defizit nach Schätzungen der Regierung von derzeit 1,5% des Bruttoinlandsprodukts auf 2,2 % im Jahr 2003. Banken wie HSBC gehen davon aus, dass die jährliche Neuverschuldung bis 2005 sogar auf 4% steigen könnte.

Der Riss zwischen Euro-Befürwortern und-gegnern reicht bis in die Regierungsspitze. Während Premier Tony Blair den Beitritt für eigene politische Ambitionen benötigt, gibt sich Schatzkanzler Gordon Brown als Hüter der nationalen Interessen. Wiederholt haben sich beide in der Öffentlichkeit widersprochen. Blair bezeichnete den Beitritt als "ökonomisch sinnvoll", Brown wies auf Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung von Großbritannien und der Eurozone hin. Angesichts der schlechten öffentlichen Meinung steht ohnehin nicht zu erwarten, dass ein Referendum derzeit zu gewinnen wäre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%