Empörung bei CDU
Trittin vergleicht CDU-Generalsekretär mit Skinhead

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer mit einem Skinhead verglichen und damit einen Sturm der Entrüstung bei CDU und FDP ausgelöst.

dpa BERLIN. "Laurenz Meyer hat die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen", sagte Trittin im WDR zu Meyers Kritik am Beschluss des Grünen - Parteitags, das Asylrecht in seiner Form von vor 1993 wiederherzustellen. Führende Unionspolitiker forderten am Dienstag eine Entschuldigung Trittins und eine Stellungnahme von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Meyer selbst setzte Trittin brieflich eine 24-Stunden-Frist und behielt sich andernfalls "weitere Schritte vor".

Die Grünen-Bundestagsfraktion wies die Kritik zurück. "Wer so austeilt wie Herr Meyer, sollte auch einstecken können", sagte Fraktionschef Rezzo Schlauch am Rande der Fraktionssitzung in Berlin. "Angesichts ihrer eigenen Entgleisungen" habe es die Union nicht nötig, von Trittin Entschuldigungen zu fordern, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Katrin Göring- Eckhardt.

Trittin hatte Meyer vorgehalten, dieser habe selbst bekundet, er sei stolz darauf, ein Deutscher zu sein. "Das ist so die Flachheit, der geistige Tiefflug, der jeden rassistischen Schläger in dieser Republik auszeichnet", sagte er am Montag.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, kritisierte Trittins Äußerung scharf. Es sei "eine Ungeheuerlichkeit", Meyer "auch nur in die Nähe von Skinheads oder rassistischen Schläger zu bringen." Dies sei nicht "der Stil, in dem wir in einer Demokratie von Mensch zu Mensch miteinander umgehen sollten", sagte Meyer der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).



Auch Westerwelle fordert Entschuldigung

Die CDU forderte den Umweltminister auf, "unverzüglich seine verbalen Entgleisungen" zurückzunehmen. "Minister Trittin spaltet mit seinen infamen Vergleichen dieses Land", erklärte ihr stellvertretender Vorsitzender Christian Wulff. Meyer setzte Trittin laut "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) schriftlich ein Ultimatum, um sich für die Skinhead-Äußerungen zu entschuldigen. CDU-Chefin Angela Merkel nannte Trittins Worte "ungeheuerlich".

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sagte der in Berlin erscheinenden Tageszeitung B.Z.: "Nur einem ausgesprochen kranken Hirn kann eine solche Formulierung entspringen". Er forderte juristische Schritte wegen "politischer Diffamierung". Goppel: "Da hört die Immunität auf. Der Staatsanwalt, der jetzt noch nicht tätig geworden ist, hat ein ähnlich verqueres Rechtsstaatsbewusstsein wie Trittin".

CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz forderte Schröder in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf, Trittin wegen dieses "unflätigen Angriffs" zur Ordnung zu rufen. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte, Trittin bewege sich "auf der gleichen geschmacklosen Ebene" wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD). Dieser habe es für nicht ausgeschlossen gehalten, dass ein heutiger Skinhead in 20 Jahren Minister sein könne.

FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte ebenfalls eine Entschuldigung Trittins. Dessen Worte seien "nicht nur eine ehrverletzende Beleididigung von Herrn Kollegen Meyer, sondern auch eine gefährliche Verharmlosung von rechtsradikalen Schlägern."

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