Empörung über Fotomontage
Polnischer Boulevard hetzt gegen DFB-Team

Wenige Tage vor dem ersten EM-Spiel der DFB-Elf gegen Polen sorgt die deutschfeindliche Fotomontage einer polnischen Boulevardzeitung für Empörung - nicht nur in Deutschland, sondern auch bei Polens Trainer Leo Beenhakker. Denn er ist ungefragt und ungewollt einer der Protagonisten der Geschmacklosigkeit.

HB BERLIN/BAD WALTERSDORF. "Leo, bringt uns ihre Köpfe", forderte das auflagenstarke Boulevardblatt „Super Express“ (370 000 Exemplare) und druckte am Mittwoch dazu eine Fotomontage ab, auf der Beenhakker die abgeschlagenen Köpfe von Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Mannschaftskapitän Michael Ballack in den Händen hält. "Das ist Scheiße. Da sieht man, was für kranke Menschen es in dieser Welt gibt", sagte Beenhakker, selbst Niederländer, entrüstet. "Ich distanziere mich von diesen Fotomontagen und hoffe, dass es jetzt nur noch ums Sportliche geht." Die deutsche Fußballnationalmannschaft trifft am Sonntagabend in ihrem ersten Europameisterschaftsspiel in Klagenfurt auf die polnische Mannschaft.

Das Bild sorgt aber auch in Deutschland für helle Empörung. Dies sei "ein einziger Skandal, absolut unterirdisch", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, der "Bild"-Zeitung. "Ich hoffe, dass die polnische Regierung angemessen darauf reagiert." Der FDP-Sportpolitiker Detlef Parr sagte dem Blatt, er werde die "Geschmacklosigkeit" der Zeitung beim Besuch des Sportausschusses am 10. Juni in Warschau zur Sprache bringen.

Die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan, sagte "Bild", als sie während der WM 2006 gemeinsam mit mehreren Tausend Studenten ihrer Viadrina-Universität in Frankfurt an der Oder das Spiel Deutschland-Polen gesehen habe, "konnte ich die Völker verbindende Kraft des Sports unmittelbar spüren. Überall an der deutsch-polnischen Grenze war die Stimmung friedlich, von gegenseitiger Sympathie getragen, einfach großartig", erinnerte sich Schwan. "Es wäre bedauerlich, wenn jetzt wieder nationalistische Sprüche vom eigentlichen Ereignis, dem Sport, ablenken würden. Im übrigen: Fußball ohne Stil und Respekt - das geht gar nicht."

Auch der Botschafter des Nachbarlandes, Marek Prawda, übte scharfe Kritik an der Zeitung. "Das ist eine idiotische Geschmacklosigkeit. Ich wünsche dieser Zeitung alles Schlechte, möchte aber darauf hinweisen, dass die seriösen polnischen Medien diese Entgleisung in ihrer Berichterstattung ebenfalls geißeln", sagte der 56-Jährige, der sein Land in Berlin vertritt, der „Welt“.

Die Stimmung in den heimischen Zeitungen vor dem am Sonntag in Klagenfurt (20.45 Uhr/live im ZDF) stattfindenden ersten EM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Polen sei "eigentlich eine völlig andere, sie ist sehr sachlich. Ich finde es besonders schlimm, dass diese Sache in einer Zeit veröffentlicht wird, in der die Fans in Kontakt kommen. So etwas ist völlig unnötig und sollte eigentlich ignoriert werden. Ich bin aber sicher, dass sich eine Koalition der Vernunft durchsetzen wird", sagte Prawda.

Bundestrainer Löw reagierte gelassen auf die Bilder. Er glaube nicht, dass dies repräsentativ sei, sagte Löw am Donnerstag im Trainingslager bei Ascona. Die Angriffe in den Medien seien im deutschen Trainerstab kein Thema. Zugleich erinnerte Löw daran, dass deutsche und polnische Fans beim umkämpften Vorrundensieg der deutschen Mannschaft bei der WM 2006 in Dortmund gemeinsam mitgefiebert hätten.

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