Ende der Baisse scheint nahe
Dax-Ausblick: Bären schlafen noch nicht

Der Anstieg der Aktienkurse in den vergangenen Wochen ist der deutlichste seit dem Beginn des Bärenmarktes Mitte 2000. Doch Analysten raten Anlegern angesichts der verhaltenen Konjunkturaussichten zur Vorsicht.

vwd FRANKFURT. Beflügelt werden die Kurse derzeit von zwei Faktoren: Zum einen stabilisieren sich die Unternehmensgewinne. Zum zweiten haben die Zinsschritte der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank dem Markt neue Zuversicht gegeben. Die Deflationssorgen sind nach jüngsten Konjunkturdaten abgeflaut.

Noch nie waren die Hoffnungen auf ein Ende des jahrelangen Kursverfalls so ausgeprägt. Der Index der wichtigsten europäischen Blue-Chips liegt in der unmittelbaren Nähe des langfristigen Abwärtstrend. Das formale Ende der Baisse scheint nahe.

Die Stimmung ist umgeschlagen. Anleger warten nicht mehr auf das nächste Desaster, sondern hoffen auf die nächste gute Nachricht. Das deutlichste Zeichen: Die beunruhigenden Berichte über Bilanzunregelmäßigkeiten beim US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac belasteten allein diese Aktien und strahlten nicht mehr auf den Gesamtmarkt aus. Der Anteil an Aktienmarktbären in den USA ist so niedrig wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Doch die Ruhe ist trügerisch, die Voraussetzungen für einen erneuten Kursverfall vorhanden: Hohe Arbeitslosenzahlen, enorme Schuldenlasten der Unternehmen und Haushalte sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit sind für die USA genauso ein Problem wie noch vor einigen Wochen. Vor allem die Schuldenfrage ist ungelöst. Für die Bären ist ein Rückgang der Nachfrage in den USA aus diesem Grund unvermeidlich. Nur der Zeitpunkt sei unsicher, argumentieren sie.

Und die niedrigen Zinsen haben aus ihrer Sicht eine dunkle Kehrseite: Zwar haben sie die Wirtschaft bislang in Gang gehalten, aber gleichzeitig eine Blase im Immobilienmarkt in den USA und Großbritannien geschaffen. Konsumenten wurden zu noch mehr Schulden ermuntert - nicht zu deren Abbau.

Das ist nicht nur für die USA ein Problem. Sollten die US-Märkte wieder fallen, werden ihnen andere unweigerlich folgen. Auf den Bildschirmen der Händler sind erste Warnzeichen schon aufgetaucht: Die Konjunkturdaten sind nicht einheitlich gut, die Märkte scheinen der tatsächlichen Entwicklung der Wirtschaft mittlerweile weit vorausgelaufen.

Zudem beginnt die Berichtssaison über die Ergebnisse des zweiten Quartals. Stellen die Unternehmen keine Verbesserung der Gewinne in Aussicht, wird es schnell zu Enttäuschungen kommen. Eine Gewinnwarnung von Kodak hat die Anleger jüngst wieder daran erinnert. Doch das skeptische Szenario gilt erst für die nächsten Monate. Für die kommende Woche scheint ein stabiler Verlauf wahrscheinlich.

Dafür spricht das so genannte "Window Dressing" der Fonds zum Halbjahresende. Dahinter verstecken sich kosmetische Operationen an den Beständen, die sie besser aussehen lassen sollen. Zudem wird ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank, mit dem am Mittwoch mittlerweile fest gerechnet wird, die Attraktivität von Aktien weiter erhöhen: Bei einer Rendite von Geldmarktfonds nahe Null Prozent gehen Anlegern allmählich die Alternativen aus. In Europa steht der Ifo-Index im Zentrum. Nach dem Anstieg des ZEW-Index wird auch bei den ifo-Daten mit einer Verbesserung gerechnet, auch hier spricht nichts für belastende Daten.

Der weitere Terminkalender ist übersichtlich: Am Montag nimmt der Verband der deutschen Automobilindustrie zur aktuellen Situation Stellung. Unilever berichtet über den Geschäftsverlauf im zweiten Quartal.

Am Dienstag wird in den USA ein Index für das Verbrauchervertrauen veröffentlicht.

Am Mittwoch stehen der Ifo-Geschäftsklima-Index und am Abend der Zinsbeschluss der US-Notenbank im Fokus.

Am Donnerstag wird der Konjunkturindex Chicago Fed National Activity Index veröffentlicht, am Freitag das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals in Frankreich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%