Ende der Berichtssaison bringt wenig Hoffnung auf Wende
Miese Ertragsprognosen vergraulen Anleger

Mit der Allianz, der Münchener Rück und dem Reisekonzern Tui haben die letzten Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex ihre Quartalszahlen vorgelegt. Zwar gab es in der Summe mehr positive als negative Überraschungen. Doch die Ausblicke bleiben verhalten. Wesentlich angespannter ist die Situation weiterhin am Neuen Markt.

FRANKFURT/M. Die Reaktion sagte viel über die derzeitigen Befindlichkeiten an den Märkten aus: Weil der Hannoveraner Reisekonzern Tui in seinen Halbjahreszahlen trotz rückläufiger Umsätze um 15 % und eines erneuten Verlustes die Erwartungen der Analysten übertraf, gehörte die Aktie zu den wenigen Gewinnern im Deutschen Aktienindex (Dax). Mit Tui, der Allianz und der Münchener Rück legten die letzten Unternehmen aus den deutschen Top 30 ihre Halbjahreszahlen vor. Negative Überraschungen blieben dabei wie schon bei den meisten anderen Unternehmen aus.

In der Tat lagen die meisten Analysten mit der Vorhersage von Umsatz und Ergebnis der Dax-Unternehmen richtig. Negative Überraschungen gab es kaum. Lediglich fünf der 30 Gesellschaften enttäuschten die Experten mit unerwartet schlechten Zahlen. Dazu zählte vor allem SAP. Der Walldorfer Software-Konzern schockte die Anleger dabei mit gleich zwei Hiobsbotschaften: Zum einen musste das Unternehmen zum ersten Mal seit dem Börsengang vor 14 Jahren im zweiten Quartal 2002 einen Verlust ausweisen, zum anderen wurde die Umsatzprognose für das Gesamtjahr zurückgenommen. Ebenfalls hinter den Erwartungen blieben Allianz, Commerzbank, Fresenius Medical Care sowie Hypovereinsbank, wobei gerade der Finanzsektor mit der Allianz und den beiden Großbanken besonders litt.

Auf der Gegenseite überraschte gut ein Dutzend Unternehmen mit Zahlen, die teilweise deutlich über den Schätzungen der Analysten lagen. Allen voran standen hier MAN und Thyssen Krupp. Bei MAN rechneten die Experten durchschnittlich mit einem Gewinn vor Steuern von 20 Mill. Euro im zweiten Quartal. Statt dessen verdiente das Unternehmen 78 Mill. Euro. Bei Thyssen Krupp wurde ein Gewinn von 316 statt der erwarteten 145 Mill. Euro erzielt. Auch Lufthansa, Metro und BASF überraschte die Märkte positiv.

Wichtiger als das, was in der Vergangenheit war, ist für die Analysten jedoch der Ausblick, den die Firmen mit den Quartalszahlen präsentieren. "Die Prognosen der Analysten sind inzwischen sehr präzise. Deswegen ist für die Märkte der Ausblick entscheidender als die eigentlichen Bilanzzahlen" sagt Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Beispielsweise enttäuschte ihn Siemens mit einer schwachen Prognose. Sein Resümee: " Bei vielen der ganz großen Unternehmen waren zwar die Zahlen nicht schlecht, der Ausblick hat sich jedoch kaum gebessert", betont Borghoff.

Insofern sehen die meisten Experten im Ausbleiben negativer Überraschungen keinesfalls eine Wende zum Besseren. "Unsere Erwartungen für das zweite Halbjahr sind sehr gedämpft", bestätigt Tammo Greetfeld von der Hypovereinsbank. Deshalb habe man in seinem Haus auch nur ein geringes Wachstum in den Gewinnschätzungen berücksichtigt. "Die Unternehmen sind sich häufig selbst in ihrer Einschätzung nicht sicher genug, um einen klaren Ausblick zu geben", sagt Greetfeld.

Düsterer Neuer Markt

Wesentlich düsterer als im Dax fällt die Bilanz der Bilanzsaison weiterhin am Neuen Markt aus. Unter den wenigen verbliebenen Aushängeschildern schockten Aixtron und Qiagen mit Gewinnwarnungen. Aixtron hatte Anfang August bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognosen gesenkt. Kein Wunder also, dass sich die großen Investoren weiterhin zusehends aus dem Neuen Markt verabschieden.

Hinzu kommt, dass zuletzt auch bislang unbescholtene Unternehmen aus der zweiten Reihe des Neuen Marktes enttäuschten. Ob Eckert & Ziegler, IBS oder Pulsion, ob Sanochemia, UMS oder World of Medicine, sie alle genossen bis zur Vorlage ihrer jüngsten Bilanzzahlen unter Analysten einen guten Ruf. Dabei geht fast unter, dass der einstige Börsenstar Pixelpark mit einer weiteren Gewinnwarnung schockte.

Dass der prozentuale Kursverlust dann, wenn ein kleines Unternehmen seine Prognosen verfehlt, häufig sehr viel größer ausfällt als bei großen Dax-Unternehmen, liegt zum einen an den geringen Handelsumsätzen, zum anderen an der fehlenden finanziellen Substanz. "Wenn ein kleines Unternehmen seine Prognosen verfehlt, kann das oft zu gravierenden Auswirkungen führen", so Volker Borghoff. Am Markt bewirke eine Planrevision häufig die totale Skepsis gegenüber dieser Gesellschaft. Beispiele dafür waren zuletzt IBS und UMS. Beide Unternehmen haben ihre Prognosen nach Meinung vieler Analysten völlig verfehlt, weshalb sich viele Investoren von der Aktie trennten.

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