Ende der Krise nicht in Sicht
Infineon macht Milliardenverlust

Der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG hat im abgelaufenen Quartal wegen der Nachfrageschwäche bei Speicherchips wie erwartet hohe Verluste verbucht, Analysten aber mit einem hohen Bestand liquider Mittel überrascht. Der Nettoverlust sei im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 (zum 30. September) auf 523 Mill. Euro von 371 Mill. im Vorquartal gestiegen, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Reuters MÜNCHEN. Damit lagen die Zahlen am unteren Ende der Schätzungen von Analysten, die im Mittel einen Verlust von nur 420 Mill. Euro erwartet hatten. Vorstandschef Ulrich Schumacher sagte, er rechne mit einem weiter verschärften Wettbewerb und einem anhaltenden Preisdruck.



Die Infineon-Aktien legten nach anfänglichen Verlusten bis zum Mittag um nahezu acht Prozent auf 21,76 Euro zu. Analysten begründeten die Kursreaktion mit der über den Erwartungen liegenden Cash-Position (Zahlungsmittel minus Finanzschulden) Ende September, die die Siemens-Tochter mit plus 568 Mill. Euro bezifferte. "Das war eine positive Überraschung", sagte Karsten Iltgen von WestLB Panmure. Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl sagte, selbst wenn die Preise für Speicherchips in den kommenden drei Quartalen auf dem derzeit niedrigen Niveau verharrten, würden die liquiden Mittel für das ganze Geschäftsjahr 2001/02 reichen.

Schwerste Krise der Branche

Die Halbleiterindustrie leidet unter der schwersten Krise in der Geschichte der Branche. Die Preise für Speicherchips (DRAMs) liegen seit Monaten unter den Herstellungskosten, so dass die Produzenten allein durch die Herstellung Verluste schreiben. Die Flaute hatte die Chip-Sparte des Marktführers Samsung sowie den US-Konzern Micron und die japanische Toshiba tief in die Verlustzone rutschen lassen. Schumacher sagte, dass er auch für das laufende und das nächste Quartal mit Verlusten im Konzern rechne. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nichtspeicher-Bereiche zu einer Form aufspielen, dass sie die Verluste bei Speicherchips ausgleichen", sagte er.

Der weltweit viertgrößte Hersteller von Speicherchips hat bereits mit der Kürzung von Investitionen und der Ankündigung eines Abbaus von 5000 Arbeitsplätzen auf die Marktlage reagiert. Im laufenden Geschäftsjahr will Infineon die operativen Kosten um eine Milliarde Euro verringern. Schumacher schloss einen weiteren Stellenabbau nicht aus, wenn sich die Situation weiter verschlechtere. "Davon gehen wir aber derzeit nicht aus."

Im vierten Quartal ging der Umsatz bei Infineon gegenüber dem Vorquartal um 15 % auf 1,09 Mrd. Euro zurück. Der Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) weitete sich auf 882 Mill. Euro nach 598 Mill. Euro im Quartal aus. Das Ergebnis sei aber von Abschreibungen auf Lagerbestände, durch Akquisitions- und Restrukturierungskosten sowie Wertberichtigungen von insgesamt 340 Mill. Euro belastet. Von den fünf Geschäftsfeldern von Infineon schrieb nur die Sparte Automobil- und Industrieelektronik im Quartal schwarze Zahlen. Der Bereich Speicherprodukte wies einen operativen Verlust von 522 (Vorquartal: 340) Mill. Euro aus.

Operativer Verlust summiert sich auf 1,02 Mrd. Euro

In dem am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr ging der Umsatz im Konzern um 22 % auf 5,67 Mrd. Euro zurück. Der operative Verlust summierte sich auf 1,02 Mrd. Euro. Im Vorjahr, als die Halbleiter- und Mobilfunkindustrie noch boomte, hatte Infineon einen operativen Gewinn von 1,67 Mrd. Euro ausgewiesen.

Von den Zahlen waren die Analysten eher enttäuscht. "Das Ergebnis ist schlechter als erwartet, und der Ausblick zeigt keine Anzeichen für eine Verbesserung der Marktkonditionen. Ich bin nicht optimistisch für die Aktie", sagte Harald Schnitzler von der DZ Bank in Frankfurt. ABN Amro stufte die Aktien auf "Verkaufen" von zuvor "Halten" herunter.

Die Marktentwicklung bleibe auch in den nächsten Monaten unsicher und werde durch die wirtschaftliche Abschwächung noch zusätzlich beeinträchtigt, erklärte Infineon. Bei Halbleitern für die Mobilfunkindustrie sehe Infineon aber einen positiven Trend, sagte Schumacher. Er erwarte eine moderate Belebung im ersten Halbjahr 2002 durch die Einführung von Handys mit dem neuen Mobilfunkstandard GPRS.

Die Gespräche mit Toshiba über eine Kooperation bei Speicherchips gestalten sich Schumacher zufolge schwierig, weil sich Infineon nicht an den Kosten für die Restrukturierung beim Speichergeschäft von Toshiba beteiligen wolle. Er rechne aber weiter mit einem Ergebnis in den Verhandlungen bis Ende 2001. Auch bei einer Kooperation mit Toshiba bestünden aber keine Pläne bei Infineon, sich vom Speichergeschäft zu trennen, betonte der Vorstandschef.

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