Ende der Öffentlichkeitsarbeit
Sarkozy schafft seinen Sprecher ab

Schluss mit der Transparenz: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verabschiedet sich von seinem Pressesprecher und beendet damit sein in der fünften Republik einmaliges Experiment - den Versuch einer politischen Öffentlichkeitsarbeit im Stile der Vereinigten Staaten. Insider sehen in diesem Entschluss ein positives Signal in Richtung Berlin.

PARIS. Das Wappen der Republik auf azurblauem Grund, ein Stehpult, dahinter der Sprecher des Präsidenten - dieses Bild aus dem Elysée-Palast wird nie mehr über die Fernsehschirme flimmern. Präsident Nicolas Sarkozy hat seinen Pressesprecher David Martinon entlassen, die wöchentliche Pressekonferenz in seinem Amtssitz abgeschafft und den Pressesaal für immer geschlossen.

Damit endet ein in der fünften Republik einmaliges Experiment: Die Öffentlichkeitsarbeit nach US-Vorbild. Bei seinem Einzug in den Elysée-Palast am 16. Mai vergangenen Jahres war Sarkozy noch stolz auf seine Idee, den Presseraum des Weißen Haus in Paris nachzubauen. Zehn Monate später heißt es in der französischen Hauptstadt: "Pressearbeit à l?américaine passt nicht zur Funktionsweise des Elysée-Palastes".

Nun ist also Schluss mit Transparenz. Die regierungsnahe Tageszeitung "Le Figaro" findet das in Ordnung: "Journalisten wollen sowieso keine Worthülsen vor der Kamera, sondern lieber inoffizielle Informationen". Die sind künftig bei zwei hochrangigen Sarkozy-Beratern zu haben. Elysée-Generalsekretär Claude Guéant soll die präsidiale Meinung zu allen innenpolitischen Vorgängen an die Medien ventilieren.

Elysée-Chefdiplomat Jean Levitte-David ist ab sofort dafür zuständig, über die Außenpolitik des Präsidenten zu informieren. Dabei wird er unterstützt von Pierre Hénin, -Jerome dem bisherigen stellvertretenden Elysée-Sprecher. Ein weiterer prominenter Präsidentenberater bekam einen Maulkorb verpasst: Henri Guaino, Erfinder der umstrittenen Mittelmeerunion, darf sein Büro zur Rechten des Präsidenten zwar behalten, doch in den Medien sprechen darf er nicht mehr.

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