Ende des Dramas in einem Moskauer Theater
Gaseinsatz in Moskau tötet mehr als 100 Geiseln

Mehr als einen Tag nach dem gewaltsamen Ende des Geiseldramas in einem Moskauer Musical-Theater schwebten am Sonntagabend noch fast 45 befreite Geiseln in Lebensgefahr. 118 Geiseln sind bislang gestorben.

HB/mbr MOSKAU. Bis auf eine Ausnahme seien alle Opfer durch das Gas getötet worden, das die russische Spezialeinheit bei der Erstürmung des Gebäudes eingesetzt hatte. Das teilten die Moskauer Gesundheitsbehörden am Sonntag mit. Insgesamt 646 Menschen werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Russische Spezialeinheiten hatten die Geiselnahme tschetschenischer Terroristen nach 58 Stunden Nervenkrieg am Samstagmorgen unter Einsatz eines starken Betäubungsgases beendet. Rund 750 Geiseln wurden befreit, darunter zwei Deutsche. Sie sind inzwischen in der Universitätsklinik München in Behandlung. Von den 71 ausländischen Geiseln überlebten fast alle. In der Nacht zum Sonntag starben eine Niederländerin, eine 13-Jährige aus Kasachstan sowie eine Weißrussin in Kliniken an ihren schweren Verletzungen.

Das Schicksal von mindestens 100 Geiseln - darunter auch einige Ausländer - ist immer noch vollkommen unklar. Sie seien nach dem Sturm der Polizei einfach verschwunden, meldet die Zeitung "Kommersant". Angehörige kritisierten am Sonntag scharf die schleppende Informationspolitik. "Wir wissen überhaupt nicht, was mit unseren Angehörigen ist", klagte eine Frau im Fernsehen. Die Polizei hinderte die verzweifelten Menschen daran, die Krankenhäuser zu betreten.

Der russische Präsident Wladimir Putin bat die Angehörigen der Todesopfer um Verzeihung. "Wir konnten nicht alle retten", sagte Putin in einer kurzen Ansprache im Kreml. "Wir haben bewiesen, dass Russland nicht in die Knie gezwungen werden kann." Er erklärte den Montag zum Tag der nationalen Trauer.

50 der tschetschenischen Geiselnehmer sollen bei der Erstürmung getötet worden sein, darunter 18 Frauen. Unter den Toten war laut Interfax auch der Anführer der schwer bewaffneten Rebellen, Mowsar Barajew. Drei Kidnapper seien festgenommen worden. Im Großraum Moskau wurden laut Innenminister Boris Grislow rund 30 Komplizen der Geiselnehmer festgenommen. Ein Geheimdienstbeamter sprach von Beziehungen der Geiselnehmer zum Ausland und zu ausländischen Botschaften in Moskau.

Die russische Armee kündigte einen Großeinsatz gegen die Rebellen in der abtrünnigen Kaukasusrepublik an. Das Ausland appellierte an Putin, den Konflikt in Tschetschenien mit friedlichen Mitteln beizulegen. Moskau drohte derweil, den EU-Russland-Gipfel in Kopenhagen Mitte November platzen zu lassen, falls der geplante "Weltkongress der Tschetschenen" dort stattfinde.

Quelle: Handelsblatt

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