Ende des Kokain-Prozesses erwartet
Gutachter entlastet Daum

Ein Gutachter hat Christoph Daum in dessen Koblenzer Drogenprozess entlastet. Der 48 Jahre alte Fußball-Lehrer könne nur gelegentlicher, aber kein "intensiver Konsum" von Kokain bewiesen werden, sagte der Münchner Rechtsmediziner Hans Sachs am Dienstag.

dpa KOBLENZ. Er hatte die Unterlagen der Daum-Haaruntersuchung seines Kölner Kollegen Prof. Herbert Käferstein analysiert. Der hatte im Oktober 2000 eine spektakulär hohe Kokain-Konzentration ermittelt. Käfersteins Methode habe eine "relativ große Fehlerbreite" gehabt, erklärte Sachs am 29. Verhandlungstag. Eine Verunreinigung seines Messgeräts mit Kokainspuren früherer Haarproben damals sei nicht auszuschließen. Auffallend sei auch der enorme Unterschied zwischen dem ersten Messergebnis von 72 Nanogramm pro Milligramm und dem Resultat einer kurz darauf von Daum nachgereichten Schamhaarprobe- Analyse von nur 2,13 Nanogramm pro Milligramm. Eine solche Differenz bei zwei zeitnahen Haarproben habe er noch nie gesehen, sagte der Sachverständige.

Die wesentlich auf dem Käferstein-Gutachten basierende Anklage wirft Daum den illegalen Erwerb von je 3 bis 5 Gramm Kokain in 63 Fällen vor. Den gelegentlichen - und straffreien - Konsum der Droge hatte der frühere Bundesliga-Trainer vor Weihnachten im Gerichtssaal zugegeben. Der Prozess zieht sich schon ein halbes Jahr hin. Am Dienstag wies Daum auf ein vertrauliches Gespräch der Prozess- Beteiligten vom 9. April hin. Damals habe der Ankläger Jörg Angerer gesagt, wenn andere Sachverständige das Käferstein-Gutachten mit Erfolg anzweifeln würden, wäre er der erste, der auf einen Freispruch plädierte. Am Rande des Prozesses ergänzte Daum, ein Freispruch wäre für ihn ein "halbwegs versöhnlicher Abschluss".

Seine Vorverurteilung und die enormen Belastungen würden davon aber nicht wieder gut gemacht. Daum trainiert den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul und reist zu jedem Verhandlungstag nach Koblenz. Käferstein war am Dienstag nur als Zeuge vorgeladen. Er bedauerte, dass Daum ihn nicht von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbunden habe. Deshalb könne er nur allgemeine Erklärungen zu seiner Untersuchungsmethode abgeben, so der Professor. In seinem Institut gebe es nur "ganz wenige Kokainfälle". Das Messgerät dafür sei 1981 angeschafft worden. Es existierten mehrere Methoden, um Kokain- Konzentrationen in Haarproben auf die Spur zu kommen.

Auch die von Daum als Gegengutachter beauftragten Rechtsmediziner Prof. Burkhard Madea und Frank Mußhoff waren nur als Zeugen mit ärztlicher Schweigepflicht vorgeladen. Die Bonner hatten nach Darstellung der Verteidigung ebenfalls die Käferstein-Untersuchung in Zweifel gezogen. Sie erklärten die Details ihrer Methode, die von Käfersteins Art der Analyse abweicht. Zuvor hatte Staatsanwalt Angerer dem Angeklagten vorgeworfen, das Verfahren vom ersten Tag an torpediert und unter anderem mit neun Befangenheitsanträgen bewusst in die Länge gezogen zu haben. Daums Anwalt Rolf Stankewitz entgegnete, die Staatsanwaltschaft habe bei ihrer Anklage schlampig gearbeitet und aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Das Verfahren habe eine Schieflage. Die Anklage wirft Daum auch die Anstiftung zur Beschaffung von 100 Gramm Kokain vor. Das Verfahren soll am 6. Mai fortgesetzt werden.

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